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Neue Wirecard-Doku auf Sky Wirecard-Whistleblower: „Ich habe einfach nie aufgegeben“

Pav Gill arbeitete bei Wirecard in Singapur. Die Informationen, die er preisgab, leiteten das Ende des Dax-Konzerns ein. Quelle: Sky Deutschland

Eine Dokumentation erzählt die Geschichte derer, die früh die Erfolgsgeschichte von Wirecard anzweifelten. So wie der Whistleblower Pav Gill. Und die WirtschaftsWoche, deren Recherchen Ausgangspunkt für den Film waren.

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Ein Mensch, allein gegen eine Milliarden-Firma. So hat sich Pav Gill lange Zeit gefühlt. Als Jurist bei Wirecard in Singapur war er im Jahr 2018 auf Unregelmäßigkeiten gestoßen: Umsatzschiebereien in Millionenhöhe. Er schlug in der Wirecard-Zentrale in Aschheim Alarm – das wurde ihm zum Verhängnis. Gill wurde aus dem Unternehmen gedrängt, hatte Angst um seine Reputation, sein Leben, wie er sagt. 

Es passierte: erst mal nichts. Bis Gill mit seinen Informationen an die Öffentlichkeit ging. Es war der Anfang vom Ende des vermeintlichen Milliardenkonzerns. Die Milliarden-Hoffnung entpuppte sich als Milliarden-Lüge – Ex-Konzernchef Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft, sein langjähriger Vertrauter und Ex-Vorstand Jan Marsalek befindet sich immer noch auf der Flucht.

Jetzt hat sich Pav Gill erstmals als der wichtige Whistleblower im Fall Wirecard zu Erkennen gegeben. Erstmals erzählen er und andere, die der Erfolgsgeschichte nicht trauten, jetzt ihre Geschichten. „Wirecard – Die Milliarden-Lüge“ heißt die knapp 100-minütige Dokumentation von Produzentin Gabriela Sperl und ihren Ko-Produzenten Benji und Jono Bergmann. Der Film ist ab sofort auf Sky Ticket sowie über Sky Q abrufbar. Die lineare Ausstrahlung erfolgt am 27. Mai auf Sky Crime. Im vierten Quartal wird der Film in der ARD gezeigt.

Trailer zur Doku: Die Milliarden-Lüge

Ausgangspunkt des Films sind Recherchen der WirtschaftsWoche. Und das Buch „Die Wirecard-Story. Die Geschichte einer Milliarden-Lüge“ der WiWo-Reporter Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg.

Die WirtschaftsWoche hat bereits vor dem Aufstieg von Wirecard in den Dax Zweifel an der Erfolgsgeschichte angemeldet. Geht es in den Ermittlungen der Staatsanwälte und bei der Arbeit des Untersuchungsausschusses vor allem um die die vergangenen fünf Jahre, so setzten die WiWo-Reporter bei ihren Recherchen früher an, Ende der 90er Jahre. Dass Wirecard in den Dax aufstieg, grenzte an ein Wunder: Denn mit kaum einem anderen Unternehmen dieser Größe sind so viele Schmuddelgeschichten und dubiose Deals verbunden.

Wiwo-Reporterin Melanie Bergermann berichtet in der Dokumentation über die Recherchen der WirtschaftsWoche. Quelle: Sky Deutschland

WiWo-Reporterin Melanie Bergermann schildert in der TV-Dokumentation, wie Wirecard trotz aller Zweifel zum Dax-Konzern aufstieg und sich gegen kritische Berichterstattung zur Wehr setzte. Sie berichtet über umfangreiche Recherchen zum umstrittenen Drittpartnergeschäft des Zahlungsdienstleisters. Die WiWo war nach Dubai geflogen, recherchierte zur dubiosen Partnerfirma Al Alam.

Auch die Rolle des damaligen Dubai-Statthalters Oliver B. wurde in dem Bericht thematisiert. B. packte nach der Wirecard-Pleite aus und wurde zum Kronzeugen für die Münchner Staatsanwaltschaft.

Die Dokumentation zeichnet zwar ein Finanzdrama nach – konzentriert sich jedoch auf die menschlichen Dramen. So wie das Schicksal des Online-Kritikers „Jigajig“, dessen Geschichte die WiWo erstmals im vergangenen Jahr erzählte. Der Sozialpädagoge aus dem Raum München hat schon sehr früh auf Unstimmigkeiten bei Wirecard hingewiesen – und wurde dafür von Wirecard-Fans beschimpft und verspottet. Der Kampf gegen Wirecard wurde zur Sucht für ihn.

Der Online-Kritiker

Weitere Protagonisten des Films sind etwa der Boxer Ahmet Öner, der sich 2008 von Wirecard für eine Attacke auf den Münchner Spekulanten Tobias Bosler einspannen ließ. Bosler kommt auch in der Doku zu Wort. Ebenfalls im Film: der Ex-Wirecard-Manager Dashiell Lipscomb, der einst in Dubai für den Zahlungskonzern arbeitete und heute in Australien lebt.

Doch keine Geschichte ist so emotional wie die von Whistleblower Pav Gill. Nicht er selbst, sondern seine Mutter Evelyn war es, die sich im Jahr 2018 an die Journalistin Clare Rewcastle Brown wandte, die den Kontakt zur „Financial Times“ herstellte, die schließlich im Januar 2019 über die Affäre in der Asien-Zentrale von Wirecard in Singapur berichtete. FT-Reporter Dan McCrum, der seit 2015 kritische Berichte über Wirecard verfasste, deckte im Oktober 2019 Zweifel an Wirecards Drittpartnergeschäft auf.

Als die mit einer Sonderuntersuchung beauftragten Wirtschaftsprüfer von KPMG im Frühling 2020 ein „Prüfungshemmnis“ hinsichtlich der Existenz des Drittpartnergeschäfts und der daraus resultierenden Gewinne in Höhe von 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten auf den Philippinen feststellten, war das Ende von Wirecard besiegelt.

„Eine große Erleichterung“

Wie fühlt sich Whistleblower Pav Gill jetzt? „Es ist eine große Erleichterung“, sagte er bei der Vorstellung des Films am Donnerstagmorgen. „Ich habe einfach nicht aufgegeben.“ Er hoffe, dass die deutschen Behörden „jetzt die richtigen Dinge tun“, um den Skandal aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

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Dass Ex-Wirecard-Chef Markus Braun sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückweist und sich als Opfer in diesem Skandal sieht, nimmt ihm Gill nicht ab. „Wenn man ein guter CEO ist, muss man wissen, was in der Firma vor sich geht.“ Er glaube auch nicht, dass nur Braun, Marsalek und drei weitere von der Staatsanwaltschaft beschuldigte Manager für den Milliardenbetrug verantwortlich sind. „Da sind mehr Menschen involviert.“

Das Buch „Die Wirecard-Story. Die Geschichte einer Milliarden-Lüge“ der WiWo-Reporter Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg war Ausgangspunkt für den Wirecard-Film. Hier gibt es Auszüge aus dem Buch.

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