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Neuer Internettrend Heftig.co - Die neue Internetrakete, die nur auf Facebook setzt

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Angriff auf die klassischen Medienhäuser

Auch hinter Heftig.co steckt denn auch kein Medienkonzern, sondern das Potsdamer Start-up DS Ventures, das dem 35-jährigen Mediendesigner Glöß gemeinsam mit dem 39-jährigen Betriebswirt Schilling gehört. Beide hatten sich am vergangenen Dienstag gegenüber der WirtschaftsWoche als die Macher von Heftig.co geoutet, nachdem sie sich monatelang vor der Öffentlichkeit versteckt hatten.

Nachrichtenportale "zu negativ"

Experten trauen Heftig.co nicht nur zu, ein weiteres Internet-Portal zum Laufen zu bringen. Sie halten sogar einen erfolgreichen Angriff der beiden Potsdamer auf etablierte Medienangebote im Internet für möglich. „Heftig.co hat ganz klar das Ziel, Leser kurzweilig zu unterhalten“, sagt der Düsseldorfer Medienexperte Thomas Koch, der mit seiner Firma tk-one Unternehmen und Medienhäuser berät. „Damit gewinnen sie sehr viel Aufmerksamkeit und greifen etwa Anbieter wie Bild.de oder auch Spiegel.de frontal an.“ Insider rechnen bereits damit, dass Heftig.co aus dem Stand die am weitesten verbreitete deutsche Online-Seite werden könnte, wenn das Portal voraussichtlich im September erstmals beim Medienauswerter IVW mitgezählt wird.

Die beiden Gründer erklären ihren sensationellen Erfolg mit der rein emotionalen Ansprache der Internet-Nutzer. „Die herkömmlichen Nachrichtenportale im Internet arbeiten mit zu vielen negativen Schlagzeilen, 80 Prozent aller Inhalte haben einen Negativ-Touch“, sagt Glöß im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Wir versuchen dagegen, positive Dinge herauszufiltern und den Menschen positive Emotionen mitzugeben.“

Mehr Boulevard im Netz

Insbesondere in den sozialen Netzwerken ist Heftig.co mit diesem Ansatz enorm erfolgreich: 86 Prozent der Zugriffe stammen laut Marktbeobachter SimilarWeb von Facebook. Mit 0,25 Prozent spielt Google so gut wie keine Rolle. Bei allen anderen großen Medienseiten in Deutschland dominiert hingegen der Zugriff über den US-Suchriesen (siehe Grafik).

Likes, Shares und Tweets und Zugriffe über Suchmaschinen

Mit seiner jüngsten Offensive will Heftig.co den US-Vorbildern zuvorkommen, die dort seit einiger Zeit die Medienlandschaft aufmischen und nun auch nach Europa streben. So will BuzzFeed bald von Berlin aus mit einer deutschen Version starten, im März begannen die New Yorker mit der Suche nach einem Chefredakteur.

Auch BuzzFeed setzt voll auf die Boulevardisierung des Medienangebots im Internet. Die Amerikaner sortieren ihre Inhalte nach Kategorien wie LOL, OMG oder WTF. Die kryptischen Kürzel pappen wie kreisrunde, knallgelbe Sticker auf den Fotos. Sie bedeuten „Laughing out loud“ – herzliches Lachen, „Oh my God“ – oh mein Gott, „What the Fuck“ – zur Hölle.

Tierbabys statt Europawahl

BuzzFeed und Co. sind gnadenlose Effizienzmaschinen, die ihre Inhalte radikal nach Zahlen steuern. Mit Analyseprogrammen wird permanent geprüft, welche Artikel gerade am besten verbreitet werden. Die Redakteure passen Überschriften an und experimentieren, mit welcher Formulierung die Zahl der Facebook-Likes noch gesteigert werden kann.

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Wie gefährlich es ist, dass es dabei nur noch um Süßes, Herzerweichendes und Tränenreiches geht, beschrieb einer der Betreiber solcher Portale schon selbst. Upworthy-Mitgründer Eli Pariser analysierte in seinem Buch „Die Filterblase“, wie Nutzer „nur noch eingeschränkt neuen Informationen ausgesetzt sind und unsere Sichtweise eingeengt wird“. Auch Facebook liefere zu viele Süßigkeiten und nicht genug Karotten und trage dazu bei, dass sich viele Menschen mit süßen Tierbabys statt Europawahl oder Ukraine beschäftigen.

Doch Heftig-Gründer Glöß lässt deshalb erst gar keinen Eindruck aufkommen, er und sein Kompagnon Schilling wollten das Publikum informieren, und stellt klar: „Wir betreiben keinen Journalismus, sondern sind Teil einer Medienrevolution.“ Bleibt die Frage, ob das wirklich als Beruhigung gemeint war – oder eher als Bedrohung.

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