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NGOs Unternehmen kontern Ökoaktivisten aus

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Sechsstellige Beträge als Beruhigungsmittel

Die dreistesten Werbelügen
Der goldene Windbeutel Quelle: dapd
Landlust Mirabelle & Birne von Teekanne Quelle: Presse
Clausthaler Quelle: Presse
Becel pro.activ Quelle: Presse
Platz zwei: Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung mit pflanzlichem Eiweiß von Netto-Markendiscount Quelle: Presse
Instant-Tees ab dem 12. Monat von Hipp Quelle: Presse

Dasselbe macht der Mobilfunker E-Plus nun mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Der listet, ebenso wie der als besonders kooperationsfreudig geltende World Wildlife Fund (WWF), mehr als zwei Dutzend Partnerfirmen auf. Um direkte Zahlungen zu vermeiden, bieten sich für Unternehmen Überweisungen an Fonds und Stiftungen an, die von den Aktivisten des jeweiligen Umweltverbandes verwaltet werden. So zahlten bereits Windparkbetreiber hohe sechsstellige Beträge als Beruhigungsmittel, Daimler engagierte sich mit fast einer Million Euro für Moorgebiete, die der Nabu päppelt. Wie erfreulich, dass der nichts mehr gegen eine neue Teststrecke im badischen Immendingen hat.

Manchmal hilft den Unternehmen geschickte personelle Aufrüstung, um den Angreifer zu umarmen, statt ihn zu schlagen. Völlig überrascht wurden die großen Reiseunternehmen von einer Attacke des Nabu im Mai 2011. Genau zur Taufe des zweiten Kreuzfahrtschiffes von TUI Cruises startete die Truppe eine PR-Offensive gegen Schwefel und Rußpartikel aus den Schornsteinen der Luxusdampfer. Die "angeblich ‚weißen Flotten‘" von TUI und Aida seien "in Wahrheit dreckige Rußschleudern".

Unter Dauerbeschuss von Foodwatch

Dabei gibt es weltweit bloß rund 500 Traumschiffe, zur Welthandelsflotte zählen mehr als 47 000 Schiffe. Nur vier Monate später holte TUI Cruises die ehemalige Kampagnenführerin des Nabu als Umweltmanagerin an Bord. Und im Mai 2012 heuerte Monika Griefahn, Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland und ehemalige SPD-Umweltministerin in Niedersachsen, als Ökobeauftragte bei Aida an. Seitdem ist Ruhe über den Schiffsschloten.

Unternehmen, die nicht mitspielen oder an kompromisslose Kämpfer geraten, müssen leiden. So stehen Nahrungsmittelhersteller wie Unilever, Nestlé, Danone, Dr. Oetker, Ferrero oder wie jüngst Produzenten von Schwarzwälder Schinken unter Dauerbeschuss von Foodwatch. In den zehn Jahren seines Bestehens hat der Verein den Lebensmittelmultis tatsächlich mehrfach zu hohe Acrylamidwerte in Lebkuchen und Chips nachgewiesen, ist gegen McDonald’s zu Felde gezogen, weil der Konzern Emulgatoren als natürliche Backhilfsstoffe bezeichnete. Nestlés Fitness-Fruits mit einem Zuckergehalt von über 30 Prozent machten nicht fit, sondern fett, sagt Gründer Thilo Bode. Das sei "Körperverletzung durch Irreführung".

Foodwatch gehe stets den schmalen Grat zwischen Halbwahrheit und anfechtbarer Darstellung, registrieren Unternehmensleute durchaus mit Respekt. "Foodwatch lässt sich immer eine Hintertür offen, etwa durch die Verwendung von Konjunktiven oder den Verweis auf Dritte", berichtet ein Unilever-Manager.

Krawall-Modell

Ebenso aggressiv tritt Greenpeace auf. "Die Fachleute sind Idealisten, die würden gerne durch Kompromisse Fortschritte erzielen", weiß Unternehmensberater Waldeck aus seiner Zeit, als er in Diensten von VW stand. "Doch die Führungsleute haben ein Krawall-Modell."

So sollte es im Dezember 2011 nach einem Treffen von Greenpeace-Abgesandten mit VW-Vorständen in Brüssel ein Gespräch mit dem Chef Martin Winterkorn in Wolfsburg geben. Genau an dem Morgen legte direkt gegenüber dem Werksgelände das Greenpeace-Schiff Beluga II an, Winterkorn ließ den Termin platzen. Vergangene Woche wurde das Treffen nachgeholt. Und VW konnte melden, dass Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens das VW-Ziel lobe, den CO2-Flottenverbrauch bis 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer zu senken.

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