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NGOs Wie Angreifer Foul spielen

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Unilever

Die dreistesten Werbelügen
Der goldene Windbeutel Quelle: dapd
Landlust Mirabelle & Birne von Teekanne Quelle: Presse
Clausthaler Quelle: Presse
Becel pro.activ Quelle: Presse
Platz zwei: Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung mit pflanzlichem Eiweiß von Netto-Markendiscount Quelle: Presse
Instant-Tees ab dem 12. Monat von Hipp Quelle: Presse

Hamburger Hafencity, Strandkai 1. Neben dem neuen Kreuzfahrtterminal residiert die deutsche Niederlassung des britisch-niederländischen Nahrungsmittelkonzerns Unilever. Von allen Seiten kann der Besucher in das gläserne Raumschiff schauen und sogar durch das Foyer flanieren. Der rund 90 Millionen Euro teure Regional-Palast hat für seine energieschonende Bauweise Umweltpreise bekommen. Die Visitenkarte aus Glas und Stahl soll die postulierte Transparenz und Nachhaltigkeit des Multis symbolisieren.

Diese Offenheit nimmt dem Konzern jedoch nicht jeder ab. Immer wieder ist der Hersteller von Knorr-Tütensuppen, Dove-Shampoos oder Pfanni-Kartoffelpüree Zielscheibe von Umwelt- und Verbraucherschützern. Vorwurf: Die Produkte seien gesundheitsgefährdend und versprechen Dinge, die nicht stimmten.

Medikament statt Brotaufstrich

Stets mittendrin sind die selbst ernannten Nahrungsmittelwächter von Foodwatch. Aktuelles Spaltprodukt ist die Margarine Becel pro.activ. Bei der seien "hochwirksame Pflanzensterine" zugesetzt, sie "senkt aktiv den Cholesterinspiegel", schreibt Unilever auf die Packung. Foodwatch bekrittelt daran, dass der Brotaufstrich eben deswegen gar kein Nahrungsmittel, sondern ein Medikament sei, mithin aus den Regalen zu verschwinden habe.

Die wichtigsten NGOs und wie sie sich mit wem anlegen

Zwar gibt die Organisation selbst zu: "Eine Wirkung hat die Margarine, weil sie den Cholesterinspiegel offenbar senken kann." Doch daraus entwickelt Foodwatch eine bizarre Logik. Erstens sei die tatsächliche Vermeidung etwa von Herzinfarkten durch Becel nicht nachgewiesen. Und zweitens gebe es "Hinweise auf bedenkliche Nebenwirkungen der Pflanzensterine, die längst nicht ausreichend erforscht sind". Daraus leitet Foodwatch den Aufruf an die Konsumenten ab, den dicken gelben Button "Jetzt beschweren" auf der Web-Site anzuklicken und sich dem Appell anzuschließen: "Fordern Sie Unilever deshalb jetzt auf, den Verkauf im Supermarkt unmittelbar einzustellen und eine Zulassung als Arzneimittel zu beantragen. Inklusive entsprechender Forschung, was Risiken und Nebenwirkungen angeht."

Eisige Stimmung zwischen Foodwatch und Unilever

Unilever betont, bisher die Anfragen von Foodwatch und dessen Geschäftsführer Thilo Bode zu Becel, aber auch zu anderen Themen und Produkten umfassend beantwortet zu haben – bisher. Mittlerweile ist die Atmosphäre aber deutlich abgekühlt. "Eine Dialogbereitschaft von Herrn Bode ist ausgeschlossen. Wie er überhaupt eigentlich jeden Dialog, der nicht mindestens auf Vorstandsebene stattfindet, ablehnt", klagt ein Unilever-Manager. Frühere Gespräche, um die Unilever schon vor der Becel-Kampagne gebeten hatte, seien von Zynismus und Sarkasmus seitens Foodwatch geprägt. "Ein wie auch immer geartetes Verständnis für Unternehmen und deren Interesse war in keiner Form gegeben."

Inzwischen herrscht Eiszeit. Bode ist wegen des fettigen Problems vor den Kadi gezogen. Das Landgericht Hamburg schmetterte die Klage zwar ab. Unilever darf weiter damit werben, dass die Cholesterinsenker in Becel pro.activ als unbedenklich gelten. Foodwatch legte Berufung ein. Auf der Internet-Seite der Kampagne "abgespeist.de" können die Kunden weiter Protestmails nach Hamburg senden. Jetzt hat Unilever dichtgemacht, beantwortet keine Anfragen mehr. "Aufgrund des laufenden Gerichtsverfahrens, das Foodwatch gegen uns angestrengt hat, sehen wir seitdem von einer Beantwortung ab", so ein Unilever-Manager.

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