WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Niki So profitiert die Lufthansa vom geplatzten Deal

Seite 2/2

3. Der Rückzug schadet kaum

Die Absage der Niki-Übernahme schwächt die Lufthansa nur auf den ersten Blick. Sicher, mit Niki hätte Lufthansa nun noch größere Teile des europäischen Flugverkehrs beherrscht. Dabei hätte Eurowings vor allem in Düsseldorf und auf den Ferienrouten ans Mittelmeer zugelegt. Doch den Verlust kann Lufthansa verschmerzen. „Mit Niki wären wir vor allem im hart umkämpften Ferienmarkt gewachsen. Doch da sind wir dank Eurowings in Deutschland ohnehin die Nummer eins und verdienen verhältnismäßig wenig Geld“, sagt der Lufthansa-Manager.

Dagegen macht es der Verzicht auf Niki nun wahrscheinlicher, dass Lufthansa etwas viel Wertvolleres bekommt: Die anderen Air-Berlin-Teile, für die sie geboten hat. „Und die bringen was fürs Kerngeschäft: Linienflüge mit gut zahlenden Geschäftsreisenden.“

Auch das Risiko, dass nach einem Ende von Niki nun vermehrt aggressive Billigflieger in die Lücke stoßen, ist erstmal geringer als angenommen. So trifft der Easyjet-Vorstoß ab Anfang Januar die Lufthansa deutlich weniger als erwartet, wie eine Analyse der WirtschaftsWoche zeigt.

Andere Linien haben ebenfalls eher wenig Luft, in Deutschland schneller zu expandieren. Zwar hat Ryanair groß von einem Start in Berlin-Tegel und anderswo geredet. Doch bislang haben die Iren nur angekündigt, ab März wieder Köln-Berlin fliegen zu wollen. „Bei deren vielen Problemen mit ihrem eigenen Flugprogramm und den drohenden Pilotenstreiks werden die sich genau überlegen, ob sie einen großen neuen Standort starten und dann gleich einen harten Wettbewerb mit uns lostreten“, erwartet ein Lufthanseat.

Für Spohr ist das Zögern ein Geschenk. Will kein anderer die bei der Zerstückelung von Air Berlin übrig gebliebenen Startzeiten, kann sich Lufthansa wieder bewerben – und bekommt ohne Kartellauflagen oder Diskussionen zumindest die Hälfte der freien Slots und vielleicht noch mehr.

Das bleibende Risiko: Kartellauflagen

Ein Punkt jedoch kann Lufthansa-Chef Spohr in seinem Plan für die Air-Berlin-Übernahmen noch in die Quere kommen. Auch wenn er Niki aufgegeben hat, für Wettbewerbskommissarin Vestager ist die Übernahme der Reste noch nicht abgehakt. Die Auflagen könnten immer noch hart werden.

Konkurrenten fordern, dass ihnen die Lufthansa nicht nur Startzeiten abgibt. Sie soll sich auch mit Kampfpreisen zurückhalten und möglichst ihr Vielfliegerprogramm für die Wettbewerber öffnen. „Wenn sich Vestager dazu entschließt, kann Spohr dann nicht mal die Bundesregierung retten“, hofft ein Manager eines Konkurrenten.

Immerhin, einen seiner wichtigen Partner hat Spohr schon überzeugt, dass er auch ohne Niki ganz gut auskommt: die Anleger. Zwar brach der Kurs der Lufthansaaktie am Mittwoch kurz ein, als sich der Lufthansa-Rückzug andeutete. Doch kurz darauf machte das Papier den Verlust mehr als wett.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%