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„No jab, no job“ Muss ungeimpftes Flug-Personal künftig am Boden bleiben?

Quelle: dpa

Bei der Lufthansa sollen künftig nur noch geimpfte Mitarbeiter an Bord gehen dürfen. Gewerkschaften sind ebenso skeptisch wie ein großer Konkurrent.

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Die Linien vom Golf sind schon im vergangenen Jahr vorgeprescht. Anfang des Jahres ließen Emirates aus Dubai und Etihad aus Abu Dhabi dann Taten folgen und präsentierten sich als erste Airlines mit komplett durchgeimpfter Crew. Bei dem Schritt ging es ihnen nicht nur um die Gesundheit von Mitarbeitern und Passagieren, sondern auch um ein gutes Bild in der Öffentlichkeit. „Für die Fluglinien ist es eine gute Chance sich als besonders gesundheitsbewusst und kundenfreundlich zu präsentieren“, sagt Linus Benjamin Bauer, Gründer und Chef der internationalen Beratung Bauer Aviation Advisory aus Dubai. „Das kann bei vielen Kunden neben Preis und Service ein Grund sein, sich für eine Airline zu entscheiden.“

Deshalb will nun auch die Lufthansa nachziehen. Die Linie hat angekündigt, mit den Arbeitnehmervertretern über eine Betriebsvereinbarung zum Thema Impfen verhandeln zu wollen. Ziel soll es sein, dass nicht vollständig geimpftes Personal künftig am Boden bleibt. Bei der Tochter Swiss Air soll dies ab dem 15. November der Fall sein. Die deutschen Gewerkschaften reagieren auf die Initiative abwartend bis skeptisch.

Dabei streben derzeit zahlreiche Airlines ein vergleichbares Ergebnis an – und setzen dabei teilweise auf ziemlich ruppige Methoden. Qantas aus Australien etwa droht Beschäftigten offen mit Entlassung und nutzt den Slogan „no jab, no job“ (kein Pieks, kein Job). Andere setzen auf Geld. So hat Delta Airlines aus den USA angekündigt, nicht Geimpften das Gehalt zu kürzen und ihnen wegen des höheren Gesundheitsrisikos 200 Dollar pro Monat mehr für die Krankenversicherung abzuziehen.

Die deutsche Kabinengewerkschaft UFO verweist darauf, dass die Impfbereitschaft beim fliegenden Personal generell sehr hoch sei, konkret dürften Zahl und Anteil allerdings nicht erfasst werden.

Die Gewerkschaft im Betriebsrat könne gar keine Einigung mit dem Arbeitgeber über eine Impfpflicht oder die Offenlegung des Impfstatus treffen, weil Betriebsvereinbarungen nicht über geltendes Recht hinausgehen dürften.

Bei der Vereinigung Cockpit heißt es dazu, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Informationen zu einer geplanten Impfpflicht für Besatzungsmitglieder bei der Lufthansa vorlägen. „Um Spekulationen zu vermeiden, können wir daher momentan keine Stellung dazu nehmen“, sagt ein Sprecher. Die Arbeitnehmervertreter würden die Situation sobald wie möglich bewerten. Im Übrigen verweist die Gewerkschaft auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ohne sich diese, vor dem Hintergrund der dynamischen Anpassung, zu eigen zu machen. Mit Blick auf die individuelle Risikobewertung respektiere sie die individuellen Impfentscheidungen ihrer Mitglieder.

Die will auch der große Konkurrent Ryanair nicht beeinflussen. „Wir üben keinen Zwang zum Impfen aus. Nicht nur, weil wir das gar nicht dürfen. Mitarbeiter zu etwas zu zwingen, von dem sie nicht überzeugt sind, bringt nichts, sagt Eddie Wilson, Chef der Kernmarke Ryanair und nach Konzernchef Michael O’Leary wichtigster Mann im Unternehmen.

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Ryanair denke auch nicht drüber nach, Anreize zum Impfen zu geben, etwa in Form von Bonuszahlungen für geimpfte oder Abschläge für Nicht-geimpfte. „Aus unserer Sicht ist es doch im Interesse eines jeden Beschäftigten, gesund zu bleiben und alles zu tun, damit unsere Kunden gesund bleiben. Aus meinen Erfahrungen glaube ich, dass dies von unseren Mitarbeitern ähnlich gesehen wird“, sagt Wilson.

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