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Norwegian will expandieren "Wir wollen Strecken mit vielen Passagieren"

Exklusiv

Björn Kjos, Chef von Europas drittgrößtem Billigflieger Norwegian, will nach der jüngsten Expansion auch in Deutschland weiter wachsen.

Björn Kjos, Chef und größter Anteilseigner von Norwegian, dem drittgrößten europäischen Billigflieger, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Kjos, Norwegian ist hierzulande außerhalb Berlins kaum präsent. Jetzt haben Sie für den Herbst elf neue Strecken aus Deutschland angekündigt. Doch statt in Ihre Heimat Skandinavien fliegen Sie nach Spanien. Warum das? 

Kjos: Weil das Strecken mit vielen Passagieren sind. Gerade im Winter sind die Kanaren ja sehr beliebt. 

Darum fliegen da ja auch viele andere wie Easyjet, Ryanair, Air Berlin, oder Condor. Wird es jetzt nicht ein wenig eng?

Ich glaube nicht. Denn trotz der Konkurrenz sind die Preise zwischen Deutschland und den Kanaren immer schon relativ hoch. Trotzdem ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und tut es auch weiterhin. Dazu haben wir ein gutes Produkt und sehr niedrige Kosten. Das wird die Kunden am Ende überzeugen.

Ist es denn nicht ein Nachteil, wenn Sie in Deutschland kaum bekannt sind?

Dafür kennen uns am anderen Ende in Spanien viele Ferienhausbesitzer. Wenn das in Deutschland noch anders ist, halte ich das nicht für schlimm. Unsere neuen Verbindungen sind vor allem Urlaubsstrecken und da ist im Gegensatz zu Geschäftsreise-Routen ein niedriger Preis wichtiger als eine starke Marke. Und den werden wir haben.

Mit ihren neuen Routen fliegen komplett abseits ihres Heimatmarktes. Ist das nicht riskant?

Nein. Die Menschen haben sich dran gewöhnt, mit Fluglinien aus anderen Ländern zu reisen. Sie fliegen ja auch mit Ryanair aus Deutschland nach Italien obwohl die Iren sind oder innerhalb Spaniens mit Air Berlin.

Die größten Billigflieger Europas
Die von deutschen Flughäfen aus startenden Billigflieger sind nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teurer geworden. Je nach Fluglinie lagen die Durchschnittspreise für einen einfachen Flug im vergangenen Herbst zwischen 70 und 140 Euro brutto, wie das Forschungsinstitut berichtete. Im vorangegangenen Sommer hätten sie noch bei 50 bis 130 Euro gelegen. Insgesamt nutzten im ersten Halbjahr 2014 der Studie zufolge knapp 31 Millionen Passagiere Angebote sogenannte Low Cost Carrier. Im Sommerflugplan 2014 bedienten sie insgesamt 722 Strecken in und ab Deutschland - ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch verlief die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. Die meisten Günstigflieger-Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen. Auch die Airports Hamburg und Köln/Bonn konnten ihr Passagieraufkommen steigern. Starke Rückgänge gab es dagegen auf Regionalflughäfen wie Weeze oder Hahn, wo sich die gesunkene Präsenz von Ryanair bemerkbar machte. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz zehn: Air Baltic mit 25 FlugzeugenDie lettische Fluggesellschaft Air Baltic belegt mit 25 Flugzeugen, darunter fünf Boeing 737–500, acht Boeing 737–300 und zwölf Q-400 NextGen Platz zehn. Quelle: Presse
Platz neun: Aer Lingus mit 50 FlugzeugenMit 50 Flugzeugen liegt Air Lingus auf Rang neun. Zu der Flotte der irischen Fluggesellschaft zählen je drei Boeing 757-200, Airbus A330-200, Airbus A321-200, jeweils vier Airbus A319-100 und Airbus A330-300 und 33 Airbus A320-200. 2015 sollen außerdem neun Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 an die Fluglinie ausgeliefert werden. Quelle: dpa
Platz acht: Wizz Air mit 54 FlugzeugenDie ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an. Wizz Air verfügt über eine junge Flotte mit Flugzeugen vom Typ Airbus 320. Alle 54 Flugzeuge werden von V-2500-Motoren von International Aero Engine betrieben. Quelle: dapd
Platz sieben: Jet2 mit 55 FlugzeugenDie britische Billig-Airline Jet2 gibt es erst seit 2002, trotzdem hat sie mit 55 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit den 23 Boeing 737-300, einer Boeing 737-300F, sieben Boeing 737-300QC und jeweils zwölf Boeing 737-800 und Boeing 757-200 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an. Quelle: Presse
Platz sechs: Germanwings mit 57 FlugzeugenGermanwings schafft es mit einer Flotte von 57 eigenen und 23 Eurowings-Flugzeugen auf Platz sechs unter den Top 10 der europäischen Billig-Airlines. Ab Frühjahr 2015 sollen 64 eigene Flugzeuge der Typen A319 und A320 sowie 23 durch Eurowings betriebene Regionalflugzeuge für Germanwings im Einsatz sein. Quelle: dpa/dpaweb
Platz fünf: Flybe mit 62 FlugzeugenDie britische Airline Flybe betreibt mit 45 Maschinen die größte Flotte an Bombadier DashQ8-400 Maschinen weltweit. Hinzu kommen noch elf Maschinen vom Typ Embraer 175 (vier weitere sind bestellt) sowie sechs Jets vom Typ 195. Flybe hat seinen Sitz in Southhampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an. Quelle: Presse

Das haben die Kunden aber erst gemacht, als diese Linie deutlich bekannter waren als Norwegian heute.

Darum haben sich die Kunden daran gewöhnt (lacht). Ich glaube, dass die Menschen heute leichter eine neue Fluglinie ausprobieren, wenn sie ein gutes Gefühl haben und einen günstigen Preis finden. Und den haben wir.

Damit lassen Sie sich erst mal auf einen Preiswettbewerb ein. Können Sie den denn gegen Linien wie Easyjet bestehen?

Wir haben im Wettbewerb gegen Ryanair bestanden und die rühmen sich ja, die niedrigsten Kosten überhaupt zu haben. Da werden wir das hier wohl auch schaffen.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Müssen Sie nicht trotzdem eine größere Werbekampagne starten um bekannter zu werden?

Ein bisschen vielleicht. Aber ich glaube es genügt, in den einschlägigen Internet-Reiseseiten präsent zu sein nicht.

Werden Sie auch Verträge mit Reiseveranstaltern oder Hotelketten schließen, um ihre Flieger zu füllen?

Ja, das haben wir bei allen Flügen etwa mit TUI in Skandinavien und es gibt auch in Deutschland erste Kontakte. Weil solche Verträge gut ein Jahr abgeschlossen werden, haben wir das für unsere Flüge im Oktober noch nicht. Aber das wird sich ändern.

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