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Nürburgring-Desaster Der Charitonin-Deal und seine Risiken

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Wer zum Käuferkreis zählt, ist ein Geheimnis

Charitonin, der in Russland unter anderem mit Abramowitschs Unterstützung den größten heimischen Arzneikonzern Pharmstandard aufbaute, kaufte über die NR Holding AG mit einem bislang nicht bekannten Konsortium Wilds bisherigen Zwei-Drittel-Anteil an der CNBG vom Treuhänder. Informationen, wonach sich Abramowitsch auch selbst finanziell beteiligt haben soll, dementieren sowohl dessen Sprecher wie auch die deutsche Holding von Charitonin.
Wer allerdings zum Käuferkreis hinter der NR Holding zählt, daraus machen die Beteiligten ein Geheimnis. „Es ist keine rein russische, sondern eine internationale Gruppe“, sagt der Sprecher der NR Holding, „Herr Charitonin zählt dazu, alle anderen möchten nicht genannt werden.“ Auch das Handelsregister kennt auf diese Frage keine Antwort: Laut dort hinterlegtem Protokoll einer Gesellschafterversammlung der NR Holding vertrat eine eine Retro-Klassik GmbH aus Erlensee bei Hanau 99 Prozent der Stimmanteile, ein Prozent ein Mann namens Viktor Martin. Er fährt mit Charitonin zusammen Oldtimerrennen und ist neben Charitonin sowie Eduard Martin Gesellschafter der Retro-Klassik GmbH.

Nürburgring: Verkauf vor dem Aus Quelle: dapd

Wer auch immer zu dem ominösen Käuferkreis zählt: Mindestens genauso brennend ist die Frage, wie der Deal genau abgewickelt wurde. Wenn Wild seine Anteile an der CNBG weiter verkauft, ist das zunächst seine Sache. Er darf über sein Eigentum frei verfügen und kann seine Anteile an einer Firma genauso verkaufen wie er auch sein Auto oder sein Haus verkaufen könnte. Doch Wild hatte keine Verfügungsgewalt mehr über seine Anteile, diese lagen ja beim Treuhänder. Lieser und Schmidt lassen ausrichten, sie selbst hätten damit nichts zu tun gehabt, „ausschließlich der Treuhänder“ sei befugt gewesen, über die Anteile zu verfügen.
Dessen Namen allerdings wollten sie auf mehrfache Anfragen der WirtschaftsWoche nicht nennen. Mehr als „der Treuhänder ist eine unabhängige dritte Person“ teilten sie nicht mit. Die Geheimniskrämerei ist verständlich angesichts des Sprengstoffs, der in der Weiterveräußerung liegt. Wenn Lieser und Schmidt mitverhandelt, ja sogar mitentschieden haben sollten, an wen die Anteile gehen, würde dies das komplette europaweite Bietverfahren ad absurdum führen.
Weil die EU-Kommission wegen Investitionen des Landes Rheinland-Pfalz von rund einer halben Milliarde Euro in den Nürburgring schon 2012 ein Beihilfeverfahren eingeleitet hatte, musste der Verkauf europarechtskonform erfolgen, damit die Beihilfen nicht auf den Käufer übergehen. Einen europaweiten, offenen, transparenten und diskriminierungsfreien Bietprozess durchzuführen hat aber wenig Sinn, wenn der Verkäufer einen nicht solventen Bieter auswählt, später mittels eines Treuhänder die Kontrolle über die Anteile des Käufers zurückbekommt und diese dann unter der Hand weiter verkauft. Genau darauf deutet einiges hin.

Der Treuhänder, der Wilds Anteile übernommen hatte und den Lieser und Schmidt partout nicht preis geben wollen, ist nach den der WirtschaftsWoche vorliegenden Dokumenten die W Special Situations GmbH aus Frankfurt. Sie sitzt in denselben Büros wie die Kanzlei Weil, Gotshal & Manges. Zufälligerweise sind das genau die Anwälte, die die Insolvenzverwalter beraten. Auf ihrer Webseite bezeichnet sich die W Special Situations GmbH als „kooperierende Treuhandgesellschaft der international tätigen Restrukturierungskanzlei Weil, Gotshal & Manges“. Laut Handelsregister gehört die Treuhandfirma zu 100 Prozent der Special Opportunities Services GmbH aus München und diese wiederum zu je einem Viertel Jürgen Börst, Tobias Geerling, Uwe Hartmann – und Gerhard Schmidt. Alle vier sind Partner von Weil, Gotshal & Manges – und Schmidt zugleich Chef des Weil-Anwaltsteams, das Lieser und Schmidt berät.

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