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Nürburgring Rätselraten um Bernie Ecclestone

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss sich ab Ende April wegen Bestechung vor dem Landgericht München verantworten, trotzdem betteln die Nürburgring-Insolvenzverwalter um ein Angebot des Briten.  Ecclestone aber lässt sie abblitzen – und die Verkäufer stehen vor einem Dilemma.

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Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss sich ab Ende April vor dem Landgericht München verantworten. Quelle: dpa

Kaum ein Rätsel der Formel 1 ist so klein und doch so groß wie Bernie Ecclestone. Nur 159 Zentimeter misst der Brite, wichtigster wie auch undurchsichtigster Akteur im weltweiten Motorsport-Wanderzirkus. Für überraschende Volten und eigenwillige Entscheidungen ist Ecclestone immer gut, selbst langjährige Weggefährten tun sich nicht selten schwer, den seit Jahrzehnten amtierenden Chefvermarkter der Rennserie  einzuschätzen. „Das ist eben Bernie“, lautet ein oft benutzter und meist mit leidvollem Unterton versehener Satz in Motorsportkreisen.

Die Nürburgring-Insolvenzverwalter Jens Lieser (Koblenz) und Thomas Schmidt (Trier) zerbrechen sich momentan ebenfalls den Kopf über Ecclestone. Das Duo steht bei der Suche nach einem Käufer für die Rennstrecken samt angeschlossenem Pleite-Freizeitpark mit dem Rücken zur Wand, Lieser und Schmidt hatten mangels zuschlagsfähiger Angebote sogar die Bietfrist verlängert. Dennoch sieht es bisher mit Angeboten mau aus, und auch die neue Frist läuft auch nur noch rund eine Woche. Die große Hoffnung der Insolvenzverwalter ist, dass Bernie Ecclestone doch noch ein gut dotiertes Angebot abgibt.

Ecclestone: Interesse ja, Angebot nein

Interesse hat Ecclestone bekundet, im Januar gab er WirtschaftsWoche und Handelsblatt ein Interview „Wir haben ein Angebot gemacht, und nun warten wir, ob es akzeptiert wird“, sagte Ecclestone damals. Nur: Ein verbindliches Angebot von Ecclestone gibt es nach Informationen der WirtschaftsWoche bisher nicht. Lieser und Schmidt buhlen mit ihrem Team nun eifrig um Ecclestone, der jedoch lässt sie links liegen – was die Insolvenzverwalter vor ein Dilemma stellt.

Mithilfe der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG suchen Lieser/Schmidt einen Käufer und haben einen so genannten Datenraum eingerichtet. Darin dürfen ausgewählte Bieter vertrauliche Geschäftsunterlagen der weitgehend landeseigenen Nürburgring GmbH inspizieren. Nach Informationen von Nürburgring-Mitarbeitern hat Ecclestone seit Januar Zugriff auf den Datenraum. Anscheinend gehörte der Brite zunächst nicht zu den fünf Bietern, die Ende des vergangenen Jahres für Datenraum zugelassen worden waren – ihm wurde offenbar exklusiv ein nachträglicher Zugang bereitgestellt. So berichtet es jedenfalls ein Nürburgring-Mitarbeiter.

Vergebliche Kontaktversuche

Welche Rennstrecken sich rechnen
14 Millionen Euro erlässt Bernie Ecclestone der Nürburgring GmbH. Normalerweise müssen die Streckenbetreiber dem Formel-1-Organisator Millionensummen dafür zahlen, dass die Königsklasse des Motorsports überhaupt antritt. Aber seit Sommer 2012 ist die Nürburgring GmbH insolvent, seit Mitte Mai stehen alle Vermögenswerte zum Verkauf. Wenigstens 120 Millionen Euro sind in dem Bieterverfahren aufgerufen, in das nun auch der ADAC eingestiegen ist. Quelle: AP
60 Millionen Euro erwirtschaftet ein Formel-1-Lauf während eines Wochenendes im Umkreis der Strecke. Nicht zu vergessen die Tickets für normale Besucher (ab 109 Euro) und VIPs. Eine Lounge für 80 Personen kostet für das Wochenende 110.000 Euro. Quelle: dpa
34 Millionen Euro haben private Investoren aufgebracht, um einen ehemaligen Nato-Stützpunkt im Teutoburger Wald ins Drive Resort Bilster Berg zu verwandeln – ein Renn-, Test- und Erlebniszentrum für Autohersteller und Auto-Enthusiasten. Für 1200 Euro pro Stunde können sie die 4,2 Kilometer lange Gesamtstrecke mieten, für 300 Euro nur den Offroad-Parcours. Dennoch ist die Anlage bis zum Jahresende fast schon ausgebucht. Für 2013 sind Einnahmen von 4,6 Millionen Euro eingeplant.
Die Teststrecke Boxberg.

Ein Sonderrecht für König Bernie? Das wäre nur schwer mit den europarechtlichen Vorgaben zu vereinbaren, nach denen der Verkaufsprozess transparent sein muss und keine Bieter bevorzugt oder benachteiligt werden dürfen. Die Insolvenzverwalter äußern sich auf Nachfrage nicht dazu. So weit, so pikant. Peinlich für die Verkäufer ist dagegen, dass Ecclestone sich bisher überhaupt nicht im Datenraum blicken ließ. Auch nicht seine Mitarbeiter, auch nicht von ihm beauftragte Anwälte oder Wirtschaftsprüfer. Stattdessen lässt Bernie die Insolvenzverwalter und Karl-Josef Schmidt, den Geschäftsführer der Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH, eiskalt abblitzen.

Wie ein Mitarbeiter berichtet, versuchen die Nürburgring-Leute seit gut zwei Wochen vergeblich, Ecclestone zu erreichen, bekommen ihn aber nicht einmal ans Telefon. Die Insolvenzverwalter äußern sich auf Nachfrage auch hierzu nicht. Aus Ecclestones Umfeld ist zu hören, er sei mittlerweile „genervt“ von den ständigen Avancen.

Krisen-PR in eigener Sache

Das wirft die Frage auf: Wie ernst meint es Ecclestone tatsächlich mit seinem Kaufinteresse? Warum redet er nicht einmal mit den Nürburgring-Verkäufern, warum schaut er nicht in den Datenraum? Warum gibt er kein verbindliches Gebot ab? Wer sich auf die Suche nach einer Lösung für diese Fragen begibt, findet interessante, aber auch widersprüchliche Anhaltspunkte. Und steht am Ende doch vor einem kleinen, großen Rätsel. Bernie.

Krisen-PR in eigener Sache spielte sicherlich eine Rolle, als Ecclestone sein Interesse via Interview öffentlich machte – kurz bevor die Zulassung Anklage gegen ihn wegen Bestechung bekannt wurde. Ecclestones Ankündigung bescherte ihm noch ein paar positive Schlagzeilen in Deutschland. Ab 24. April werden sie weniger freundlich sein, dann ist der Prozessauftakt vor dem Landgericht München terminiert. Ecclestone und seine Familienholding Bambino sollen dem ehemaligen Risikovorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, im Zusammenhang mit dem Verkauf des 46-Prozent-Pakets der BayernLB an der Formel 1 Schmiergeld in Höhe von 44 Millionen Dollar gezahlt haben.  Gribkowsky war deshalb bereits 2012 in München zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Kauft die Formel 1 den Nürburgring?

Problembauten am Nürburgring
Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex
Ring-Racer
Ring-Werk
Ring-Boulevard
Ring-Arena
Grüne Hölle
Hotels

2006 ging das BayernLB-Pakekt für 820 Millionen Dollar an die Private-Equity-Gesellschaft CVC, die Ecclestone wohlgesonnen gegenüberstand. Die Ankläger werfen Ecclestone nun vor, das Schmiergeld bezahlt zu haben, um seine Machtposition zu sichern, indem die Anteile unter Wert an eine ihm gewogene Forma gingen. Ein Vorwurf, den Ecclestone vehement bestreitet. Der Brite räumt zwar ein, dass er Gribkowsky Millionen zukommen ließ, behauptet allerdings, der habe ihn bei den britischen Steuerbehörden anschwärzen wollen. All das wird das Landgericht München öffentlich verhandeln.

Trotz positiver PR-Effekte: Völlig aus der Luft gegriffen war das Nürburgring-Interesse offenbar auch nicht. Wie die WirtschaftsWoche aus Londoner Formel-1-Kreisen erfuhr, ist allerdings nicht Ecclestone persönlich der Interessent, sondern die Formula One World Championship Limited, eine der Gesellschaften der Formula One Group.

Malone-Einstieg wirft Fragen auf

Sie habe dieses Interesse auch bereits angemeldet und führe Gespräche mit den "relevanten Parteien", hieß es in London – wobei unklar blieb, welche Parteien das sein sollten. Einblick in den Datenraum habe sie noch nicht genommen, angeblich aber über Dritte Informationen erhalten. Fragen bleiben allerdings auch hier offen – und mit aller Konsequenz scheint auch die Formel-1-Gesellschaft den Kauf nicht zu verfolgen. Ein verbindliches Kaufangebot hat die Formula One World Championship Limited nach Informationen der WirtschaftsWoche ebenfalls nicht abgegeben.

Ob es noch dazu kommt, ist fraglich. Denn inzwischen gibt es noch eine weitere große Unbekannte: CVC spricht mit dem US-Unternehmer John Malone darüber, Anteile an der Formel 1 an dessen Kabelnetzbetreiber Liberty zu verkaufen. Steht auch Malone hinter dem Nürburgring-Deal? Gegen den Willen des voraussichtlichen neuen Großaktionärs dürfte der Kauf nicht zu machen sein.

Alles läuft auf zwei Bieter hinaus

Lieser und Schmidt, die beiden Insolvenzverwalter, müssen angesichts dieser Gemengelage schon ziemlich verzweifelt sein, wenn sie sich weiter an ein etwaiges Angebot Ecclestones klammern  und dem Briten hinterherlaufen wie ein Esel der Mohrrübe. Bisher haben sie allerdings kaum Optionen. Alles läuft auf nur zwei Bieter hinaus.  

Die BayernLB und die Formel 1

Der Düsseldorfer Mittelständler Capricorn – ein Automobil- und Motorsportzulieferer – hat zwar gute Ideen, wie man den Nürburgring weiterentwickeln kann, muss sich aber  strecken, um überhaupt eine Finanzierung für den Kauf gestemmt zu bekommen. Ob das klappt, ist unklar. Rund  50 Millionen Euro hat Capricorn offenbar geboten. Die Finanzierung wiederum ist beim zweiten Interessenten überhaupt kein Problem, dem Finanzkonzern HIG Capital mit Hauptsitz in Miami und Europazentrale in London. 13 Milliarden US-Dollar verwaltet das Unternehmen nach eigenen Angaben.

HIG bietet mit Banker und Graf

Formel-1-Chef Ecclestone angeklagt
Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC Bernhard "Bernie" Ecclestone, erhoben. Der Prozess könnte im Herbst beginnen. Ecclestone soll den ehemaligen BayernLB Gerhard Gribkowsky mit mehr als 33 Millionen Euro geschmiert haben. Eine Verurteilung könnte das Ende seiner Karriere bedeuten. Ecclestone selbst ist der Ansicht, dass er nur eine Haftstrafe das Aus für ihn bedeuten würde. Dann müsse er wohl zwangsläufig abdanken. Gegen Gribkowsky... Quelle: dapd
.... ist bereits ein Urteil ergangen. Der ehemalige BayernLB-Manager wurde zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Inhaber Bernie Ecclestone kassiert und nicht versteuert. Gribkowsky wollte zunächst nichts sagen, doch dann legte er nach acht Monaten Schweigen ein umfassendes Geständnis vor dem Landgericht München ab. Mittlerweile hat er aus dem Gefängnis heraus sein Vermögen freigegeben. Die BayernLB sammelt die Millionen ein und wird somit für den von Gribkowsky verursachten Schaden entschädigt. Es geht um 30 Millionen Euro: Immobilien, Uhren und 900 Flaschen Wein miteingerechnet. Gribkowsky erhofft sich dadurch eine kürzere Haftdauer. Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft gegen Holger Härter (Porsche)Urteil: Härter muss einen Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 3500 Euro bezahlen. Richter Roderich sagte, Härter habe bei Kreditverhandlungen mit der französischen Bank BNP Paribas 2009 unvollständige und unrichtige Angaben gemacht. Bei den Verhandlungen ging es um einen 500-Millionen-Euro-Kredit. Zu der Zeit versuchte der Sportwagenbauer den ungleich größeren Volkswagen-Konzern zu schlucken. Mit der Strafe blieb das Gericht hinter dem von den Strafverfolgern geforderten Strafmaß zurück. Die Staatsanwälte hatte ein Haftstrafe von mindestens einem Jahr gefordert,, die bei einer Bewährungsauflage von einer Million Euro zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe hätte ausgesetzt werden können. Kreditbetrug kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. Quelle: dpa
Piech und Porsche im VisierDie juristischen Nachwehen des Machtkampfes zwischen Porsche und VW treffen nun auch die Spitzen des bekanntesten deutschen Autoclans: Die Staatsanwälte in Stuttgart haben neuerdings Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche (beide Foto) im Visier. Die Ermittlungen erfassen den kompletten früheren Aufsichtsrat der Porsche-Dachgesellschaft PSE. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen alle Mitglieder des Gremiums, die zur heißen Phase des Machtkampfes 2008/2009 als Kontrolleure der PSE beteiligt waren. Grund sei der Verdacht auf Beihilfe zur Marktmanipulation, mit der Anleger womöglich getäuscht worden seien. Laut Geschäftsbericht mit Stand Ende Juli 2008 gehörten damals außerdem Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dazu sowie Hans Baur, Ulrich Lehner, Wolfgang Leimgruber, Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche, Hans-Peter Porsche, Hansjörg Schmierer, Walter Uhl und Werner Weresch. Zudem nimmt die Behörde einen weiteren damaligen Porsche-Manager ins Visier: Auch gegen den Ex-Unternehmenssprecher Anton Hunger wird wegen desselben Verdachts ermittelt. Hintergrund ist der spektakulär gescheiterte Versuch von Porsche, die Macht beim wesentlich größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass damals Anleger und Finanzwelt gezielt hinters Licht geführt wurden, als 2008/2009 die heiße Phase der Übernahmeschlacht tobte. In diesem Zusammenhang läuft auch eine Klage gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking... Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Wendelin Wiedeking, PorscheVorwurf: Verdacht auf Manipulation des AktienmarktesFast drei Jahre ermittelte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den einstigen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand des Autobauers, Holger Härter. Im Dezember 2012 erhoben die Staatsanwälte schließlich Klage gegen Wiedeking. Der Vorwurf: Informationsgestützte Markmanipulation. Er habe die Börse im Verlauf der Übernahmeschlacht nicht korrekt über seine Pläne und den aktuellen Stand der Ding informiert. Der Vorwurf der Veruntreuung wurde allerdings fallen gelassen. Wiedeking und Härter hatten sich mit gewagten Aktienoptionsmodellen verspekuliert, was den Sportwagenbauer Milliarden gekostet hat. Allerdings soll die Situation nicht existenzgefährdend gewesen sein, daher wurde von der Anklage in diesem Punkt abgesehen. Das Landgericht Stuttgart muss nun in den nächsten Monaten entscheiden, ob es die Klage zulässt. Quelle: dpa
Staatsanwaltschaft gegen Michael Rook (Media Markt)Instanz: Landgericht AugsburgAnklage: Bestechung und Bestechlichkeit - Annahme von Schmiergeld. Ein anderer Angeklagter hat Ende Juni den Empfang von Schmiergeld gestanden und den Ex-Deutschland-Geschäftsführer der Elektronikmarktkette Media Markt, Michael Rook, wegen der Annahme von Schmiergeld mitbeschuldigt. Er und weitere Ex-Top-Manager von Media Markt hatten Schmiergelder für die Vergabe von DSL-Anschlüssen erhalten. Dadurch seien der Wettbewerb ausgehebelt und die Konkurrenten beschädigt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind mehr als vier Millionen Euro geflossen. Der Ex-Deutschland-Chef von Media Markt soll in 182 Fällen bestochen worden sein. Aktueller Stand: Die Staatsanwaltschaft glaubt den Beteuerungen Rooks nicht und beantragt eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Für den Ex-Regionalmanager beantragte der Staatsanwalt vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. (November 2012) Quelle: dpa
Leo Kirch gegen die Deutsche BankVorwurf: Kirch und seine Familie werfen der Deutschen Bank vor, dass der ehemalige Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer mit einem Interview am 4. Februar 2002 im Nachrichtensender Bloomberg den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe mitverursacht hat. Dauer/Instanz: Kirch reichte 2002 die erste Klage ein. Im Dezember 2012 fällt das Oberlandesgericht München das Urteil. Urteil: Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht München Guido Kotschy verurteilte die Deutsche Bank auf Schadenersatz. Die Höhe ließ er offen. Die Summe solle von zwei Gutachtern bestimmt werden. Die Kirch-Seite hatte die Bank in diesem Verfahren auf mehr als zwei Milliarden Euro verklagt. Eine Revision gegen das Urteil ist nicht zugelassen. Die Aussagen Breuers in dem umstrittenen Interview seien kein Unfall gewesen, so Kotschy. Quelle: dpa

Die diskreten Private-Equity-Investoren trauen sich zu, den Nürburgring-Komplex erfolgreich zu managen. Da ist die Nordschleife von 1927, vom früheren Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart ehrfurchtsvoll als „Grüne Hölle“ bezeichnet. Aber auch die 1984 erbaute Grand-Prix-Strecke, auf der unter anderem die heutigen Formel-1-Rennen stattfinden. Da ist aber auch ein Freizeit- und Businesszentrum, das die rheinland-pfälzische Landesregierung unter der Führung von Kurt Beck (SPD) bis 2009 in die Eifel betonieren ließ, mit Freizeitpark und Achterbahn, Hotels, Restaurants, Disco. Die 330 Millionen Euro teuren Spaßbauten sollten der Wirtschaftsförderung dienen, rissen aber den regionalen Wirtschaftsmotor Nürburgring in die Pleite.

HIG will den „Ring“ mit zwei Partnern auf Vordermann bringen, dem Investmentbanker Meyrick Cox sowie Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff. Beide sollen Mitgesellschafter werden. Cox, der selbst Renn-Erfahrung hat und ein Haus am Nürburgring besitzt, arbeitete in führenden Positionen für die Investmentbanken Goldman Sachs, Rotschild und Moelis. Zu seinen bekannteren Deals zählt die Beratung beim Verkauf des schwedischen Autoherstellers Volvo von Ford an den chinesischen Hersteller Geely im Jahr 2010.

ADAC dementiert angebliche Unterstützung

Zudem hat Cox exzellente Verbindungen in die Formel 1. Er soll über einen in den USA ansässigen Trust selbst einen Anteil an der Rennserie halten, er sitzt dem Vernehmen nach auch in einem F1-Beratergremium. Und er beriet CVC beim Einstieg in die Rennserie – es war just der Kauf der Anteile von der BayernLB 2006. Oeynhausen-Sierstorpff hat am „Bilster Berg“ im Teutoburger Wald eine Rennstrecke bauen lassen, das Geld dafür hat er über einen geschlossenen Fonds ausschließlich aus privaten Quellen eingesammelt. Leute, die wissen, was an einer Rennstrecke läuft.

Für viel Unmut bei dem Bietertrio sorgte deshalb die Einschätzung eines Nürburgring-Mitarbeiters, wonach HIG kein überzeugendes Nutzungskonzept für den Komplex habe, sondern das bisherige Geschäft im Wesentlichen weiterbetreiben wolle. „Da ist ziemlich viel geschrieben worden, was faktisch falsch ist“, heißt es aus Verhandlungskreisen. HIG will im Falle eines Zuschlags offenbar gut 20 Millionen Euro in den Nürburgring investieren. In welche Anlagen das Geld genau fließen soll, bleibt aber unklar. Dem Vernehmen nach scheint man sich bei HIG mit dem Konzept auch der Unterstützung des ADAC gewiss zu sein. Ein Sprecher des Automobilclubs dementierte auf Nachfrage jedoch – es gebe „keinerlei Kontakt“ zu HIG.

Große Vorbehalte, kleiner Kaufpreis

Von Höckernasen und "Kinky Kylie"
Red Bull: RB8 Der aktuelle Bolide hielt für den Doppel-Champion Vettel keine großen Überraschungen bereit. „Das Auto ist zum größten Teil aufgebaut auf dem letztjährigen Auto. Es sind kleine, aber feine Unterschiede“, erklärte der 24-Jährige zum Saisonstart. Das Auffälligste am blau-gelben Boliden ist die im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich veränderte Frontpartie, die ähnlich wie beim Ferrari einen mächtigen Höcker aufweist. Konstrukteurs-Genie Adrian Newey zeigte sich hingegen entnervt davon, dass die FIA ihm sämtliche Innovationen verböte. Quelle: dpa
Vettel steht aber als Fahrer auch nicht im Verdacht, nur durch ein überlegenes Auto siegen zu können. „Seb“ will übrigens auch seinem neuen Formel-1-Flitzer wieder einen Kosenamen verpassen. „Wir sind auf der Suche. Jegliche Bewerbungen sind willkommen“, sagte der Weltmeister aus Heppenheim. Der neue RB8 des Red-Bull-Teams wurde am 6. Februar via Internet vorgestellt. Zum ersten Titel fuhr der Hesse mit „Luscious Liz“ (üppige Liz) und „Randy Mandy“ (scharfe Mandy). In der Vorsaison hieß sein Siegerauto schließlich „Kinky Kylie“ (geile Kylie). Quelle: dpa
McLaren-Mercedes: MP4-27Beim Red-Bull-Herausforderer McLaren-Mercedes stellten zu Saisonbeginn Vizeweltmeister Jenson Button (links) und Teamkollege Lewis Hamilton den silberglänzenden MP4-27 auf der Bühne des Firmensitzes im englischen Woking vor. „Es ist ein fantastisches Auto“, meinte Hamilton damals. Hamilton liegt derzeit auf Platz 4 und Button auf Platz 6 in der WM-Wertung. Quelle: dapd
Für Jenson Button und Lewis Hamilton hat ihr neuer Formel-1-Wagen zumindest den Schönheitspreis schon sicher. „Das ist ein schönes Auto“, sagte Button zu Saisonbeginn. Notwendig waren die neuen Nasen-OPs durch eine Regeländerung geworden, wonach die Spitze des Wagens tiefer liegen musste, die Chassis-Höhe aber unverändert blieb. So soll bei Karambolagen ausgeschlossen werden, dass Fahrer im Cockpit von der Nase eines anderen Autos getroffen werden können. Hinzu kam für die Designer, dass der sogenannte „Blown Diffusor“, bei dem Luft aus dem Auspuff auf den Diffusor für eine verbesserte Aerodynamik geleitet wurde, verboten worden ist. Quelle: dpa
Williams: FW34Williams hatte sein neues Auto für die laufende Saison ohne großes Tamtam vorgestellt: Der Brasilianer Bruno Senna (links), der 18 Jahre nach seinem legendären Onkel Ayrton bei dem britischen Traditionsteam angeheuert hat, und Teamkollege Pastor Maldonado stellten sich damals in der Boxengasse von Jerez für einige Minuten zum Fototermin, nachdem ein paar Mechaniker den FW34 unspektakulär aus der Garage geschoben hatten. Quelle: dpa
Auch der Williams trägt wie fast alle neuen Boliden einen auffälligen Höcker auf der Fahrzeugnase. Quelle: dpa
Ferrari: F2012 Die „Rote Göttin“ ist für Motorsport- und Design-Enthusiasten stets eines der Präsentationshighlights. Doch in diesem Jahr hatte sich auch Ferrari beim Design seines neuen Formel-1-Autos für die gewöhnungsbedürftige Optik mit einem Knick auf Höhe der Vorderachse entschieden. Das Team selbst gab zu, dass der Höcker nicht gerade „ästhetisch“ sei. „Er sieht sehr anders aus als in den vergangenen beiden Jahren“, meinte der spanische Pilot Fernando Alonso bei der Vorstellung zum Saisonstart. Stallkollege Felipe Massa fand den Wagen insgesamt „aggressiv“. Quelle: dpa

Doch auch HIG wäre keine rundum unproblematische Lösung. Für die rot-grüne Landesregierung in Mainz um Kurt Becks Nachfolgerin Malu Dreyer (SPD) und die stellvertretende Ministerpräsidentin Eveline Lemke (Grüne) wäre es politisch kaum zu vermitteln, dass die für 330 Millionen Euro errichteten Neubauten am Nürburgring mitsamt dem Tafelsilber Rennstrecken für weit weniger Geld an einen Finanzinvestor gehen. In der Region kochen bei HIG schon die Gemüter hoch – der Begriff „Heuschrecke“ macht die Runde.

Auch die Belegschaft ist alles andere als glücklich. „HIG wäre die schlechteste aller Lösungen“, sagt ein Mitarbeiter der WirtschaftsWoche. In Gesprächen mit den Nürburgring-Mitarbeitern sei HIG mitunter sehr aggressiv aufgetreten. Zudem habe man stramme Renditevorstellungen. „Da sollen pro Jahr 15 bis 20 Prozent Profit rauskommen.“ Eine Bestätigung dafür war allerdings nicht zu bekommen. Sicher ist nur, dass die bisher diskutierte Kaufpreissumme - 90 Millionen Euro, die aber nur beim Erreichen bestimmter wirtschaftlicher Ziele komplett gezahlt werden müssen – nicht zu erzielen sein wird. Das sei „auf jeden Fall zu hoch gegriffen“, hieß es in Verhandlungskreisen.

Bernie lässt sich Zeit, HIG drängt zur Eile

Der Zuschlag wird vor diesem Hintergrund eine schwierige Entscheidung für die Insolvenzverwalter Lieser und Schmidt. Offenbar arbeitet das Duo schon an einem geordneten Rückzug. Nach der ersten Verlängerung der Bietfrist deutete Lieser vergangene Woche im Südwestrundfunk bereits an, dass eine weitere Verlängerung folgen könnte. Intern wurde die Belegschaft nach Angaben eines Mitarbeiters sogar schon darauf vorbereitet, dass es mit einem Abschluss des Verkaufs noch bis Ende Oktober, vielleicht sogar bis Ende Dezember dauern könne.

Die Insolvenzverwalter stehen vor einem Dilemma. Sie brauchen Zeit, sie wollen mehr Auswahl, sie hoffen auf Ecclestone. Der lässt sich Zeit, doch das Bietertrio um HIG macht in den Verhandlungen Druck in die andere Richtung. Man sei „abschlussbereit“ und werde eine erneute Verlängerung auf keinen Fall dulden, hieß es in Verhandlungskreisen. „Wenn die Insolvenzverwalter das machen, sind wir draußen.“

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Wie ein Damoklesschwert schwebt zudem das Beihilfeverfahren der EU-Kommission über allem. Zuletzt hatten der Verein Ja zum Nürburgring e.V. und der ADAC zwei Stellungnahmen abgegeben, der rheinland-pfälzische Europaabgeordnete Werner Langen (CDU) forderte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia zudem auf, den Verkaufsprozess wegen Verstößen gegen Europarecht zu stoppen. Auch aus Brüssel könnte zeitnah noch eine Reaktion folgen. Bernie Ecclestone ist ein großes Rätsel, aber beileibe nicht das einzige.

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