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Nürburgring-Verkauf „Ring“ wird zur Schicksalsfrage für Malu Dreyer

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Bedauern und Besserung geloben reicht nicht mehr

Problembauten am Nürburgring
Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex
Ring-Racer
Ring-Werk
Ring-Boulevard
Ring-Arena
Grüne Hölle
Hotels

Doch so logisch Dreyers Engagement einerseits ist, so hoch sind auf der anderen Seite auch die Risiken, die sie damit eingeht. „Die Fehler der Vergangenheit können wir leider nicht rückgängig machen“, betonte Dreyer bei ihrem Besuch gestern. Sie saß zwar unter Beck mit am Kabinettstisch, hatte als Sozialministerin allerdings nur wenige Berührungspunkte mit dem Thema. So konnte sie stets darauf verweisen, die Probleme geerbt zu haben, sie bedauern, Besserung geloben. Nun allerdings wird der Nürburgring zunehmend zu ihrer eigenen Schicksalsfrage: Indem sie sich selbst in einer beispiellosen PR-Offensive für Capricorn und dessen Konzept einsetzt, verknüpft sie auch ihr politisches Schicksal damit, dass die Capricorn-Pläne aufgehen. Wenn wieder etwas schief geht, steht Dreyer in der ersten Verantwortungsreihe. Und heikle Punkte gibt es gleich mehrere.

Capricorn, ein mittelständischer Automobil- und Motorsportzulieferer aus Düsseldorf, hat gute Ideen – muss aber erst noch beweisen, dass er sich am Nürburgring nicht verhebt. Der Zulieferer hat einen guten Ruf, baut Spezialteile, die im Auto von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel zum Einsatz kommen. Trotzdem ist das Unternehmen ein Nischenanbieter – und mit nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro Gruppenumsatz in den Sparten Automobil und Immobilien vergleichsweise klein. Zum Vergleich: Die führenden Zulieferer setzen ein Vielfaches um, Bosch etwa 2013 rund 46 Milliarden Euro, Conti gut 33 Milliarden Euro. Ganz zu schweigen von Automobilriesen wie Volkswagen (2013: 197 Milliarden Euro) oder Daimler (118 Milliarden Euro). Das sind die Dimensionen, in denen sich die deutschen Autoriesen bewegen.

Ergebnissteigerung nötig

Vergleichbare Finanzmittel, etwa um auf unvorhergesehene Entwicklungen und Belastungen zu reagieren, hat Capricorn nicht. Viel schief gehen darf daher nicht bei den Plänen des Mittelständlers, der im März nach monatelangem Ringen um die Finanzierung dank einer 45-Millionen-Zusage der Deutschen Bank für 77 Millionen Euro den Zuschlag bekam. Capricorn-Chef Robertino Wild gab sich beim Ministerpräsidentinnen-Besuch gestern optimistisch. „Operativ ist der Ring kein Sanierungsfall“, sagte Wild.

Doch Capricorn wird sich strecken müssen. Das geht aus einem vertraulichen Memorandum der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervor, die für Insolvenz-Sachwalter Jens Lieser (Koblenz) und Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt (Trier) den Verkaufsprozess betreute. Das Memorandum liegt der WirtschaftsWoche vor. KPMG kommt darin zu dem Schluss, dass Capricorn ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 12,8 Millionen Euro erreichen müsse. Machbar ist laut KPMG ein Ebitda von bis zu 13 Millionen Euro. Davon allerdings ist der Ring derzeit noch weit entfernt – für 2013 vermeldeten die Insolvenzverwalter ein Ebitda von drei Millionen Euro, dieses müsste demnach vervierfacht werden.

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