Nürburgring-Verkauf Warten auf die EU-Kommission

Am Nürburgring wird alles für die Machtübernahme des Käufers Capricorn vorbereitet. Dabei hat die EU-Kommission den Deal noch gar nicht durchgewinkt – und das Beihilfeverfahren birgt noch Brisanz, wie neue Beschwerden an die Kommission zeigen.

Problembauten am Nürburgring
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Kommenden Mittwoch steigt das große PR-Spektakel am Nürburgring. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kommt an den „Ring“, ein mehr als vier Stunden dauernder Besuch, in dem die Regierungschefin die Firmengebäude von Käufer Capricorn und dessen Mitbieter GetSpeed besichtigt. Gleich zwei Pressegespräche sind angesetzt, außerdem eine Führung durch die Bauten an der Rennstrecke, ein Empfang mit Bürgern der Region. Capricorn-Chef Robertino Wild wird sein Konzept vorstellen. Und auch der neue Geschäftsführer, den Capricorn bereits für die derzeitige, weitgehend landeseigene Betriebsgesellschaft berufen durfte, wird mit der Ministerpräsidentin diskutieren.

Kein Zweifel: Am Nürburgring wird alles für die Machtübernahme des Automobil- und Motorsportzulieferers Capricorn vorbereitet. Der Mann, der diese stoppen will, wird am Mittwoch knapp 800 Kilometer Luftlinie entfernt sitzen und eine Gremiensitzung an einer Business School im britischen Newcastle leiten: Meyrick Cox, ehemaliger Investmentbanker und selbst einer der Kaufinteressenten für den Nürburgring. „Die enorme Präsenz von Frau Dreyer spricht nicht gerade für fehlende politische Einflussnahme“, sagt Cox und bedauert, nicht selbst an den Nürburgring kommen zu können: „Es ist höchste Zeit, dass Capricorn offene Antworten zu seiner Finanzierung und zu seinen Plänen gibt.“

Vier Beschwerden an die EU-Kommission

Cox fühlt sich ausgebootet. Am 11. März hat Capricorn zusammen mit GetSpeed den Zuschlag für den Nürburgring vom Gläubigerausschuss der insolventen, zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz gehörenden Nürburgring GmbH bekommen. Ab 1. Januar 2015 soll das Motorsport-Mekka dem Düsseldorfer Mittelständler gehören, für 77 Millionen Euro Kaufpreis plus die Zusicherung, Investitionen in Höhe von weiteren 25 Millionen Euro in die Eifel holen zu wollen. Nur einen Haken hat die Sache noch: Die EU-Kommission muss den Verkauf erst durchwinken. Und in diesem Punkt steckt einige Brisanz.

Das Nürburgring-Desaster

Die Zustimmung der Kommission will Cox durchkreuzen und hat deshalb eine Beschwerde bei der nach Brüssel geschickt. Er hatte gemeinsam mit dem US-Finanzinvestor HIG Capital sowie Marcus Graf Oeynhausen-Sierstorpff, dem Chef der Test- und Präsentationsstrecke „Bilster Berg“ im Teutoburger Wald, für den Nürburgring geboten. Mit seiner Beschwerde steht Cox keinesfalls alleine da, es ist nur die jüngste von mittlerweile vier Eingaben, die sich bei der Kommission stapeln. Zum Jahreswechsel hatten sich bereits der ADAC und der gemeinnützige Verein „Ja zum Nürburgring e.V.“ an die Kommission gewandt, zuletzt mit dem US-Unternehmen Nexovation ein weiterer unterlegener Bieter. Sie alle glauben, dass der Verkaufsprozess den europarechtlichen Anforderungen nicht genügt.

Nun heißt es für alle Beteiligten: Warten auf die Kommission. Diese hatte 2012 ein Beihilfeverfahren eingeleitet, Grund waren Investitionen des Landes Rheinland-Pfalz in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro, die nach Auffassung der Kommission wohl unzulässig waren. Insolvenz-Sachwalter Jens Lieser (Koblenz) und Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt (Trier) haben deshalb mit Unterstützung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Mai 2013 einen Verkaufsprozess gestartet. Die Logik dahinter: Wenn ein beihilfebelastetes Unternehmen in einem offenen, transparenten, bedingungs- und diskriminierungsfreien Prozess verkauft wird, dann wird die wettbewerbsverzerrende Beihilfe vom Markt kompensiert. Genügt der Verkaufsprozess diesen Anforderungen allerdings nicht, gehen die Beihilfen auf den Käufer über.

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