WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Numbrs-Chef Martin Saidler „Der Verkauf an eine Bank kommt nicht infrage“

Numbrs-Gründer Martin Saidler Quelle: Presse

Lange Zeit war es ruhig um die Banking-App Numbrs. Gründer Martin Saidler erklärt im Interview, wie die App wachsen soll und womit Numbrs langfristig Gewinne erzielen will.

1999 gründet Martin Saidler Centralway Numbrs, damals noch als Risikokapitalgeber. Erst ab 2014 konzentriert sich Numbrs auf das Geschäft mit einer Banking-App, in der Nutzer alle ihre Konten bei verschiedenen Banken nebeneinander anzeigen lassen können. Zuletzt allerdings ist es still geworden um das Schweizer Fintech. Andere Finanz-Start-ups wie die Smartphonebank N26, Klarna oder Savedroid sammelten Kunden und bestimmten die Diskussion. Bei Numbrs dagegen war von Entlassungen und Umstrukturierungen zu hören. Tatsächlich, erklärt Martin Saidler im Interview, habe sich das Unternehmen zunächst auf den Ausbau der Plattform konzentriert. Nun erklärt er, mit welchem Geschäftsmodell er wachsen und das Unternehmen profitabel machen will.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass die Berliner Smartphonebank N26 Probleme mit dem Kundenservice und mit unerlaubt eröffneten Konten hat. Belasten solche Fälle das Image der gesamten Fintech-Branche?
Ich glaube nicht, dass sich dieses Thema lediglich auf Fintechs beschränkt. Wenn überhaupt gelten die Zweifel der gesamten Finanzindustrie. Je mehr sich das Geschäft ins Internet verlagert, desto anfälliger wird es für Hackerangriffe oder technische Probleme. Aber das kann jeden treffen, da sind Fintechs kein Sonderfall. Wir bei Numbrs setzen alles daran, solche Risiken zu minimieren.

Sehen Sie sich eher als Fintech oder als Bank?
Wir sind keine Bank, sondern ein Technologieunternehmen mit einem reinen Softwareprodukt. Der Vergleich mit einer Bank ist daher falsch. Aber wir müssen künftig besser kommunizieren, dass wir keine Bank sein wollen. Das wollten wir nie sein und sind wir auch nicht. Wir haben ja auch keine Banklizenz.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Numbrs?
Wir wollen die beste mobile Banking-App auf dem Markt sein. Unseren Kunden bieten wir eine Übersicht über alle Konten, egal bei welcher Bank.

Davon gibt es aber mittlerweile viele. Warum sollte ich ausgerechnet Numbrs nutzen?
Der große Vorteil ist, dass unsere Nutzer sämtliche Bankverbindungen zusammen in einer App abrufen können...

...aber das machen doch viele Banken auch. Fast alle bieten das mittlerweile an.
Das stimmt, damit sind wir leider nicht allein. Aber wir sind der einzige bankenunabhängige Anbieter.

Was meinen Sie damit?
Wir sind ein neutraler Anbieter. Ich würde nicht wollen, dass eine Bank meine gesamten Kontodaten und Bewegungen kennt. So ein Einblick birgt Interessenkonflikte. Ich schätze, dass viele Kunden diese Funktion deshalb auch in den Apps der Banken nicht so oft benutzen.

Und bei Numbrs sind die Daten sicherer?
Wir sind keine Bank und haben auch keine Banklizenz. Deshalb bestehen auch keine Interessenkonflikte. Die Sicherheit der Daten steht für uns stets im Fokus.

Wie stellen Sie die sicher?
Wir haben in den vergangenen Jahren massiv in die Weiterentwicklung unserer Software investiert und haben mittlerweile rund 140 Mitarbeiter, fast alle Softwareentwickler, Designer oder Datenexperten. Davon ist kein einziger Banker. Unser Produkt ist nutzerfreundlich, neutral und sicher. Wir wollen jetzt den Markt wieder angreifen und uns aufs Wachstum fokussieren.

Wie viele Nutzer hat Numbrs?
Mittlerweile wurde unsere App zwei Millionen Mal heruntergeladen und unsere Nutzer verwalten rund 1,5 Millionen Bankkonten über die Numbrs App.

Wie viele Nutzer wollen Sie bis Ende des Jahres erreicht haben?
Wir nennen keine konkreten Zahlen, aber wir planen schon mit einer massiven Erhöhung der Nutzerzahlen. Vor allem mit unseren Zusatzfunktionen wollen wir Kunden gewinnen.

Welche sind das?
Zum Beispiel unsere Analysefunktion, beruhend auf modernster Machine-Learning-Technologie. Die funktioniert wie eine Art Haushaltsplan. Unsere App wertet die Daten zu Ein- und Ausgaben von sämtlichen Konten vollautomatisch aus. Der Kunde muss also nicht, wie bei anderen Angeboten, seine Ausgaben manuell eingeben. Auch Details werden erfasst, zum Beispiel bei welcher Fluggesellschaft ich einen Flug oder wo ich meine Reise gebucht habe.

Dann weiß Numbrs ja ziemlich viel über mich. Sind meine Daten überhaupt sicher?
Numbrs hat keinen direkten Zugriff auf die Daten, da diese von den Banken pseudonymisiert und verschlüsselt auf unsere Plattform gelangen. Wir kennen nicht mal den Namen der Kunden.

Analysieren können Sie die Transaktionen aber trotzdem?
Die einzelnen Zahlungen schon, ja. Wir können zum Beispiel sehen, ob bei Aldi oder Rewe eingekauft wurde, aber eben nicht, wer dort eingekauft hat.

Das klingt alles ganz bequem. Aber wie verdienen Sie damit Geld?
In unsere App ist eine Art Store integriert, ein Laden, über den die Kunden Bankprodukte kaufen können. Wer ein neues Konto braucht, eine Kreditkarte oder eine bestimmte Versicherung, bekommt die in unserer App. Aktuell sind es 30 Banken und Versicherungen, die ihre Produkte bei Numbrs anbieten, darunter die Deutsche Bank, die Santander Bank, die Allianz oder Axa. Das ist unser Geschäftsmodell, damit verdienen wir Geld.

Das heißt, Sie bekommen eine Provision, wenn ein Kunde über die App ein Konto eröffnet oder eine Kreditkarte beantragt?
Genau. Das funktioniert, weil wir eben ein neutraler Anbieter sind, der eine breite Palette an Produkten im Sinne der Kunden anbieten kann.

Wird das Angebot von den Kunden angenommen? Wie viele Produkte haben Sie auf diese Weise schon verkauft?
Wir wollen aktuell noch keine konkreten Zahlen nennen, weil wir noch am Anfang stehen. Aber das Feedback der Kunden ist sehr positiv.

Aber lässt sich damit genug Geld verdienen, um 140 Mitarbeiter und eine Technologieplattform zu bezahlen?
Wir wollen natürlich so bald wie möglich schwarze Zahlen schreiben. Das wird allerdings realistischerweise noch einige Zeit dauern. Im Moment machen wir keinen Gewinn. Und sobald wir Gewinne machen, werden wir diese für Innovationen gleich wieder reinvestieren.

Wollen Ihre Investoren nicht bald Gewinne sehen?
Wir haben namhafte Investoren wie Sir Ronald Cohen (Mitgründer von Apax Partners), auch der Staatsfonds aus Dubai ist bei uns investiert. Allen Investoren war von Anfang an klar, dass es Zeit brauchen wird, profitabel zu werden.

Sie könnten auf einen Schlag profitabel werden, indem Sie Numbrs an eine Bank verkaufen.
Das kommt für uns nicht infrage! Ein Verkauf an eine Bank ergibt keinen Sinn, da wir damit unser auf Unabhängigkeit basierendes Geschäftsmodell aufgeben würden.

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%