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Österreich 2G-Regel am Skilift: „Oberstes Ziel muss sein, dass eine Wintersaison stattfinden kann“

Unbeschwerter Skiurlaub? Nach der deutschen Reisewarnung bangt die österreichische Tourismusbranche um die Wintersaison. Quelle: dpa

Österreich inszeniert sich als sicheres Urlaubsland, aber die deutsche Reisewarnung macht die Strategie vorerst zunichte. Das Alpenland fürchtet nun Stornierungen – und will mit einer 2G-Kontrolle auf den Pisten den Image-GAU verhindern.

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Österreich vermeldete zuletzt mit fast 12.000 Neuinfektionen pro Tag einen neuen Rekordwert seit Beginn der Pandemie. Die Prioritäten der Politik im Nachbarland sind dennoch klar geregelt: „Das oberste Ziel muss sein, dass eine Wintersaison stattfinden kann“, teilte Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) vor wenigen Tagen mit. Dazu sei es wichtig, „eine Einstufung als Risikogebiet und Reisewarnungen zu vermeiden“, so Köstinger.

Diese Strategie der österreichischen Tourismusministerin hat Deutschland am Donnerstag durchkreuzt. Das Auswärtige Amt erließ für Österreich eine Reisewarnung, die seit Sonntag gilt. Damit müssen Menschen, die nicht vollständig geimpft sind, nach der Rückkehr nach Deutschland zehn Tage in Quarantäne. Ein Freitesten ist frühestens nach fünf Tagen möglich. Geimpfte und Genesene müssen sich bei der Rückreise digital registrieren.

Für den österreichischen Skitourismus könnte die Reisewarnung kurz vor Saisonbeginn ungelegener nicht kommen – zumal sie die Werbestrategie von Österreichs Skigebieten torpediert. Seit Wochen inszenieren Touristiker Österreich als sicheres Urlaubsland. Damit wollen sie auch das Behördenversagen beim Corona-Superspreader-Event in Ischgl zu Anfang der Pandemie vergessen machen. Doch bei genauerem Hinsehen stellen sich durchaus Fragen, wie durchdacht diese Sicherheitsstrategie tatsächlich ist.

Ob die Reisewarnung für Österreich nun zu einer Stornowelle führt, konnten Fachverbände am Freitag noch nicht beantworten. „Natürlich gibt es in Bereichen wie dem Familienurlaub zu Weihnachten massive Befürchtungen wegen Stornierungen“, teilte die österreichische Hoteliervereinigung der WirtschaftsWoche mit. Touristen aus Deutschland sind mit einem Anteil von 37 Prozent bei den Übernachtungen die mit Abstand wichtigste Urlaubergruppe in Österreich. Dass Geimpfte und Genesene trotz der Reisewarnung keine Einschränkungen zu befürchten haben, ist für Österreichs Hoteliers nur ein schwacher Trost. „Weihnachtsurlaub findet meist mit Kindern statt“, heißt es von der Hoteliervereinigung. Da Kinder unter zwölf Jahren derzeit nicht geimpft werden können und nach der Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne müssen, könnte dies zu Stornierungen führen.

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    Auf den ersten Blick ist Urlaub in österreichischen Hotels sicherer als an vielen anderen Orten. So dürfen Touristen seit dieser Woche in dem Alpenland nur noch in Hotels einchecken, wenn sie genesen oder geimpft sind. Für das Personal in den Hotels gilt diese strenge Vorschrift allerdings nicht. Impfzwang gibt es keinen in der Touristik-Branche. Allerdings gilt in Österreich von Montag an ein Lockdown für Ungeimpfte. Wer keine Impfung hat, darf das Haus oder Wohnung künftig nur noch aus dringenden Gründen verlassen – etwa für Einkäufe des täglichen Bedarfs, für den Weg zur Arbeit oder den Besuch beim Arzt



    Dass Tourismusgebiete wie das Land Salzburg eine der höchsten Inzidenzen Österreichs aufweisen, dürfte auf Gäste zudem wenig einladend wirken. Die österreichische Hoteliervereinigung betont hingegen, dass die Durchimpfungsrate in der Qualitätshotellerie bei 80 Prozent liege und nur zwei Prozent der Infektionen in Hotels stattfinden würde.

    Für Skifahrer dürfte die Saison auf Österreichs Pisten allerdings noch einige Unbekannte bereithalten. Das erfuhren diese Woche etwa Käufer von Skiliftkarten. Als Österreich diese Woche flächendeckend 2G-Bestimmungen einführte, waren davon auch die Liftkarten betroffen. Skiliftkarten erwerben dürfen seit dieser Woche ausschließlich Gäste, die entweder genesen oder geimpft sind. Problemtisch ist das vor allem für jene Skifahrer, die ihre Liftkarten bereits gekauft haben, als noch die 3G-Regelung galt. Ob sie den Kaufpreis rückerstattet bekommen, ist noch offen.

    „Wir arbeiten noch an einer Lösung, wie mit den unter 3G-Bedingungen gekauften Liftkarten zu verfahren ist. Einen generellen Anspruch auf Rückgabe gibt es nicht“, sagte Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der österreichischen Seilbahnen, gegenüber der WirtschaftsWoche. Dass zukünftig tatsächlich nur Geimpfte und Genesene Skiliftkarten erwerben können, würde beim Verkauf geprüft. Zudem kündigte Hörl an, dass es auch „fliegende Kontrollen“ in den Skigebieten geben werde, ob die Liftkarten auch tatsächlich von den Käufern genutzt und nicht etwa an Nicht-Geimpfte weitergegeben werden. Nähere Ausführungen, wie diese Kontrollen konkret ausgestaltet sein sollen, machte Hörl nicht.



    Ein noch ungelöstes Problem für den österreichischen Skitourismus sind zudem die Bestimmungen für Gäste aus Russland. Der in Russland verbreitete Corona-Impfstoff „Sputnik V“ wird in Österreich nicht anerkannt. Über Lösungen, wie die traditionell wichtige Urlaubergruppe doch an Liftkarten kommen kann, würde derzeit verhandelt. „Wir sind dazu in Gesprächen mit den Gesundheitsbehörden“, so Hörl. Als mögliche Lösungen sieht er „Nachimpfungen“ oder „PCR-Tests“, die für russische Gäste ausnahmsweise gelten könnten. Mit einer Lösung rechnet Hörl innerhalb der kommenden vierzehn Tage.

    Sorgenfalten verursacht der Sputnik-Impfstoff auch in österreichischen Hotels. Nach den derzeitigen Vorschriften dürfen die damit geimpften Touristen nicht in Hotels einchecken. Branchenkreise kritisieren die Verordnung als „realitätsfern“. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

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    Dass sich ein Corona-Ausbruch wie in Ischgl in den Skigebieten wiederholen könnte, schließt Seilbahn-Fachverbandsobmann Hörl aus. „Wir haben im letzten Winter gezeigt, dass Österreichs Skiorte sicher sind“, sagt Hörl und betont, dass diese Saison mit der 2G-Regelung noch sicherer sei. „Skifahren ist gesund“, so Hörl.

    Mehr zum Thema: Hier läuft es für die Tourismusbranche besser: Die lang erwartete Öffnung der USA beschert den Fluglinien den erhofften Schub beim Geschäft. In den USA und Europa wird schon wieder viel gebucht, in Asien deutlich weniger. Am meisten profitiert die Lufthansa.

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