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Online-Bewertungsportale Warum Tripadvisor und Holidaycheck so beliebt sind

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Deutsche Nörgler statt Euphorie

Einblicke in die Top-Hotels der Welt
Huka Lodge Quelle: Presse
The Point Saranac Lake New York State Quelle: Presse
Alila Villas Quelle: Creativ Commons - Molly Dasca
Upper House Quelle: Presse
Park Hyatt Sydney Quelle: Presse
Mandarin Oriental Quelle: Presse
Southern Ocean Lodge Quelle: Presse

Auch wenn sich Holidaycheck immer stärker international ausrichtet, hat das Unternehmen seine Stärken auf dem deutschsprachigen Markt. Zum einen profitieren die Schweizer von den Sprachkenntnissen. Auf Holidaycheck finden sich im Gegensatz zu Tripadvisor keine durch die Übersetzung schief geratenen Sätze. Auch aus europäischer Sicht übertrieben euphorische Berichte von Amerikanern á la „best restaurant in town“ für ein klassisches Steakhouse sind hier eher selten. Dafür müssen sich Nutzer von Holidaycheck häufig mit dem typischen deutschen Nörgler herumschlagen. Statt Bilder, die einen wirklich realistischen Eindruck von einem Hotel vermitteln, finden sich hier gerne Fotos von schmutzigen Waschbecken und abblätternder Farbe hinter der Dusche.

Tripadvisor und Holidaycheck treiben die Hotelerie

Beide Portale profitieren davon, dass sie nach der New-Economy-Krise am Ball geblieben sind. Gleichzeitig haben die Bewertungen im Internet insgesamt so stark zugenommen, dass sich die gesamte Hotellerie auf das neue Phänomen einstellen musste. „Der Transparenzwunsch der Gäste ist mit den Jahren immer stärker gewachsen“, sagt Tobias Warnecke, Referent beim Hotelverband Deutschland.

Anfangs sei der öffentliche Bewertungstrend von der Branche noch skeptisch beäugt worden. Wer will schon Nörgler? Und dann auch noch auf einer öffentlichen Plattform? Doch das Blatt hat sich gewendet. „Inzwischen haben die meisten begriffen, was für eine große Chance diese Plattformen darstellen“, sagt Warnecke. Schließlich seien fast 85 bis 90 Prozent der Bewertungen positiv und damit kostenlose Werbung. Und die negativen Bewertungen sind für Manager ein einfacher Weg, um im eigenen Unternehmen Missstände aufzuklären. Zur Auswertung stellen sowohl Tripadvisor als auch Holidaycheck und andere Tools zur Verfügung, mit denen sich Unternehmen in Echtzeit die Kommentare zu Ihrem Produkt anzeigen lassen können. Die Basisfunktionen sind in der Regel kostenlos. Weiterführende Tools lässt sich Tripadvisor bezahlen.

Heute muss der Gastronom und Hotelier also auch so etwas wie ein Social Media Manager sein. „Große Ketten haben das schon sehr gut im Griff“, sagt Warnecke. „Bei kleineren und mittelständischen Unternehmen müssen wir manchmal noch daran erinnern, dass es wichtig ist, sich auch um das virtuelle Hotel zu kümmern.“

Letztlich seien aber auch schlechtere Bewertungen oft positiv. „Sie tragen dazu bei, die Glaubwürdigkeit bei den Gästen zu erhöhen. Zudem sollten keine falschen Erwartungen geweckt werden, sodass der Hotelier von Beginn an auch nur das vermitteln sollte, was der Gast wirklich erwarten kann“, sagt der Fachmann. So könnte manch vermeintlich negative Bewertung, zum Beispiel Kinderlärm beim Frühstück, auf einen Geschäftsreisenden zwar abschreckend wirken, für eine Familie mit Kindern aber durchaus positive Signale haben.

Ärger mit Fake-Bewertungen

Ärger gebe es eigentlich nur dann, wenn sich die Unternehmer mit Fake-Bewertungen herumschlagen müssen. Dabei versuchen die Plattformen im Netz durchaus gegen zu steuern. „Die einzelnen Kommentare überprüfen wir gründlich“, sagt der Holidaycheck-Sprecher. „Dabei greifen 18 Filter, die die Postings auf ihre Sprache oder IP-Adresse kontrollieren.“ Bei Tripadvisor sollen es sogar über 100 Filter sein.

Im Wesentlichen werden die Kommentare dabei nach „Bad Words“ wie Beschimpfungen, pornografischen oder radikalen Begriffen durchsucht. Wird das System fündig, werden die Beiträge gelöscht. Auch IP-Adressen checken die Unternehmen über die Filter. Tauchen viele Bewertungen von einer Adresse auf, werden die Rechercheteams aktiv und überprüfen, ob der Kommentargeber auch wirklich Gast in dem entsprechenden Etablissement war. Gibt die Person keine Rückmeldung oder kann sie den Besuch nicht belegen, wird der Kommentar gelöscht, behaupten sowohl Holidaycheck als auch Tripadvisor.

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