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Online-Video Wie YouTube-Netzwerke funktionieren

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Überhöhte Erwartungen an die Netzwerke

Doch die Möglichkeiten der Netzwerke werden von vielen angehenden YouTubern überschätzt. „Viele Leute denken, wenn sie einem Netzwerk beitreten, dass sie innerhalb von drei Monaten eine halbe Million Abonnenten bekommen“, sagt die YouTuberin Marie Meimberg. „Sie glauben, dass sie von Leuten wie Y-Titty oder Gronkh gepusht werden, doch das ist eine Utopie“.

Der Großteil der mehr als 2500 Mediakraft-Künstler befindet sich im so genannten Talentpool. Dabei ist durch ein „Milestone-Programm“ geregelt, was das Netzwerk für sie leistet. Wenn bestimmte Abonnentenzahlen erreicht sind, bekommen die YouTuber beispielsweise Zugriff auf Musikdatenbanken oder Einladungen zu Workshops. Je erfolgreicher die Künstler werden, umso mehr Leistungen bekommen sie.

Mediakraft-Konkurrent TubeOne verfolgt eine andere Strategie. „Wir wollen nicht in die Breite gehen und kümmern uns dafür intensiver um die Künstler“, sagt TubeOne-Chef Jan Rode. „Das funktioniert nicht, wenn man tausende kleine Künstler hat“. Das Netzwerk bekäme hunderte Anfragen im Monat, nehme aber nur eine Handvoll Künstler unter Vertrag.

Lohnendes Geschäft

Die wohl wichtigste Aufgabe der Netzwerke ist es, die Reichweite zu vermarkten. Sie bündeln verschiedene Kanäle thematisch und können so zu Themen wie Kosmetik, Mode oder Videospielen interessierten Werbekunden millionenfache Abrufe garantieren. Neben den vorgeschalteten Spots vermitteln die Netzwerke auch product placements. Vor einem Jahr wurde Mediakraft Schleichwerbung vorgeworfen.

Seither werden bezahlte „Produktplatzierungen“ als solche gekennzeichnet.

Das Geschäft lohnt sich, die erfolgreichsten deutschen YouTuber nehmen durch Werbung fünf- bis sechsstellige Summen im Monat ein. Für ihre Leistungen behalten Netzwerke wie Mediakraft davon etwa 30 Prozent ein.

Dienstleister



Inzwischen sind sich jedoch viele Videomacher ihrer Bedeutung bewusst und verlangen höhere Anteile. Einige versuchen es auch auf eigene Faust. „Gefühlt musste man in einem Netzwerk sein, um als YouTuber großen Erfolg zu haben“, sagt Meimberg. Sie hat selbst ein halbes Jahr für Mediakraft gearbeitet und inzwischen mit anderen YouTubern den Verein 301+ gegründet, um sich zu vernetzen.

Viele der oft sehr jungen YouTuber haben zudem recht unbedarft Verträge unterschrieben. „Wer einem Netzwerk beitritt, muss sich vorher klarmachen, dass der Laufzeiten hat wie ein Handyvertrag“, sagt Meimberg. Sie rät daher, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Man sollte sich vorher besser informieren, was die Netzwerke bieten und verschiedene Angebote einholen. Außerdem könne man auch ohne erfolgreich Videos machen, sagt Meimberg. „Manch einer ist mit einem Anwalt und Steuerberater vielleicht besser aufgestellt“.

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