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Päckchen bringen Gewinn Post profitiert von E-Commerce-Boom

Die Deutsche Post machte 2013 einen satten Gewinn. Konzernchef Frank Appel will die Aktionäre daran beteiligen. Die Bonner profitieren besonders von der steigenden Lust der Deutschen auf Internet-Shopping.

Die Stärken und Schwächen der Deutschen Post
QuartalsgewinneDer vom Internetboom profitierende Paketversand in Deutschland und das florierende Expressgeschäft haben der Deutschen Post einen deutlichen Gewinnzuwachs beschert. Das operative Ergebnis des Konzerns stieg im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 619 Millionen Euro. Der Konzerngewinn fiel mit 422 Millionen Euro sogar mehr als doppelt so hoch aus wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zu der Verbesserung trugen allerdings auch Einmaleffekte bei. Gleichzeitig hob die Deutsche Post DHL die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht nach oben an. Der Umsatz des Logistikkonzerns ging von April bis Juni um 0,6 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro zurück. Quelle: dpa
Stärke: ProfitabilitätAlle Sparten der Deutschen Posten arbeiten profitabel. Für 2013 rechnet Konzern-Chef Appelt mit einem Gewinn von 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro. Besonders stark ist das Briefgeschäft, das 2012 gut ein Drittel am Gewinn ausmachte. Quelle: REUTERS
Stärke: Monopol-Stellung im BriefmarktDie Post hält 90 Prozent Marktanteil im deutschen Briefgeschäft. Damit ist sie unangefochten die Nummer eins. Das Briefgeschäft soll 2013 zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro Gewinn abwerfen. Quelle: AP
Stärke: Paket-GeschäftDie Post ist zwar Marktführer im Briefgeschäft, doch da immer mehr Privat- und Geschäftsleute die elektronische Kommunikation per E-Mail vorziehen, schrumpft der Markt für Papierbriefe seit 2000 stetig. Dafür läuft das Geschäft mit der Paketzustellung dank Internethandel umso besser. Millionen von Kunden bestellen Päckchen online - und schicken sie deutlich öfter als den Versandhändlern lieb ist wieder zurück. Quelle: dpa
Schwäche: E-PostbriefUm der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Der E-Postbrief lässt sich außerdem ausdrucken und per Briefträger zustellen. Bislang nutzen ihn rund eine Millionen Privatkunden, 4000 Mittelständler und 150 Großkunden - deutlich weniger erhofft. Auch beim elektronischen Briefverkehr der Bundesbehörden kam die Post nicht zum Zug. Diese elektronische Nachrichten müssen nach dem De-Mail-Standard verschlüsselt sein, den die Deutsche Telekom und 1&1 anbieten. Quelle: dapd
Schwäche: Cashflow Obwohl die Post 2012 deutlich mehr Gewinn machte als im Vorjahr, wuchs die Nettoverschuldung auf rund zwei Milliarden Euro. Der Grund: Die Post musste Pensionsverbindlichkeiten von rund zwei Milliarden Euro finanzieren. Hinzu kam eine Umsatzsteuernachzahlung in Höhen von 482 Millionen Euro sowie eine Beihilferückforderung  von rund 300 Millionen Euro. Die Beihilfen hatte der Staat nach der Post-Privatisierung für Beamtenpensionen gewährt, doch die EU-Kommission hielt sie für zu hoch. In den ersten sechs Monaten des Jahres hat die Post ihren Cashflow gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich verbessert. Er stieg von von -767 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012 auf 99 Millionen Euro in 2013. Die Nettoverschuldung ist allerdings auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen. Quelle: dpa
Schwäche: Teilweise ungedeckte Pensionsverpflichtungen14,7 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen kommen auf die Post zu, mehr als 2,5 Milliarden Euro sind nicht gedeckt. Das heißt diese Summe ist weder in der Bilanz erfasst noch durch externes Fondsvermögen abgedeckt. Quelle: dpa

Die Aktionäre der Post dürften zufrieden sein: Deutsche-Post-Chef Frank Appel hat am Mittwoch gute Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt. Die Deutsche Post verzeichnete einen operativen Gewinn (Ebit) von 2,86 (2,66) Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Gewinn von über zwei (1,6) Milliarden Euro. Konzernchef Frank Appel will die Aktionäre daran beteiligen: Die Aktionäre sollen eine von 70 auf 80 Cent erhöhte Dividende erhalten. Mit der seit Januar geltenden Portoerhöhung im Rücken will der Konzern im laufenden Jahr den operativen Gewinn auf 2,9 bis 3,1 Milliarden Euro steigern.

Der Briefbereich der Post, zu dem auch das Paketgeschäft gehört, profitiert vor allem vom steigenden E-Commerce-Markt. Während das Briefvolumen seit Jahren zurückgeht, werden immer mehr Pakete verschickt – ob mit Schuhen, Büchern oder neuerdings mit Lebensmitteln. Die Post habe 2013 erstmals in Deutschland mehr als eine Milliarde Pakete ausgeliefert, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Um in diesem Bereich weiter zu wachsen, baute die Post ihre Sortierkapazität um neun Prozent aus und kündigte 20.000 neue Paketshops an. 2012 übernahmen die Bonner den Online-Supermarkt Allyouneed, der aus einem Zentrallager in der Nähe von Kassel Milch, Butter, Äpfel oder Nudeln deutschlandweit verschickt. Damit der Kunde sein Paket nicht erst am nächsten Tag beim Nachbarn oder an der Paketstation abholen muss, hat die Post nach Berlin, dem Ruhrgebiet, Berlin und München einen Feierabendlieferservice auch in Hamburg und Stuttgart eingerichtet, bei dem Kunden zwischen der Zustellung am frühen und späten Abend wählen können. Teilweise kann die Lieferung sogar am gleichen Tag zugestellt werden.

Bis 2015 rechnet die Post mit einem Wachstum im deutschen Paketmarkt von fünf bis sieben Prozent. Dass die Pakete in naher Zukunft von Drohnen ausgetragen werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich und dürfte ein gelungener PR-Gag von Amazon gewesen sein. Wenige Tage später testete auch  die Post erfolgreich eine Paket-Drohne. Technisch machbar ist das Ganze, wird wenn aber wahrscheinlich eher genutzt, um eilige Lieferungen wie beispielsweise Medikamente in abgelegene Regionen zu transportieren.

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