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Paketdienste in der Coronazeit Wie Weihnachten, nur ohne Saisonkräfte

Paketflut: Weil die Deutschen viel Zeit zu Hause verbringen, bestellen sie mehr. DHL, Hermes und Co. haben so viel Arbeit wie zur Weihnachtszeit. (Archivbild) Quelle: dpa

Weil die Deutschen viel Zeit zu Hause verbringen, bestellen sie mehr. DHL, Hermes und Co. haben so viel Arbeit wie zur Weihnachtszeit. Nur wollen sie bisher keine zusätzlichen Kräfte anheuern. Das hat Folgen.

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Keine Weihnachtsmänner im Supermarkt, keine Lichterketten über den Straßen, keine Familien im Einkaufsstress: Es gibt wenig, was in der aktuellen Situation an Weihnachten erinnert. Tobias Meyer, Paketvorstand der Deutschen Post DHL, muss angesichts der aktuellen Situation in seinem Geschäft trotzdem an die Feiertage denken. Denn wie vor Weihnachten meldet der Mayer nun „einen sehr plötzlichen Anstieg“ von versendeten Paketen, vor allem aus dem Onlinehandel. Das sei schon „Vorweihnachtsniveau“, so Meyer.

Meyer scheint davon selbst überrascht. Erst hieß es, die Post sehe keine Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auf ihre Paketlieferzahlen. Auch bei der Konkurrenz zeigt sich der Effekt nicht so deutlich – allerdings haben die auch mehr Geschäftskunden und liefern weniger Pakete an Privathaushalte aus. In der Branche fürchten viele, dass der Bestellboom angesichts von schlechten Wirtschaftsprognosen und Kurzarbeit auch schnell wieder vorbei sein könnte.

Schon das zeigt, warum Meyers Weihnachtsvergleich hinkt. Die Hochsaison vor Weihnachten ist für die Paketdienste absehbar und auch planbar. Sie wissen, dass schon ab Mitte November die Mengen steigen und vor Weihnachten ihren Höhepunkt erreichen. Sie wissen, dass nach Weihnachten die Nachfrage auch rapide absinkt. Für diesen Zeitraum lohnt es sich, zusätzliche Fahrer und Fahrzeuge anzuheuern. Allein im vergangenen Jahr haben die großen Paketdienste wie DHL, Hermes oder DPD rund 20.000 zusätzliche Hilfskräfte angeheuert.

Das Coronavirus aber schafft andere Bedingungen: Niemand kann genau absehen, wie lange noch Ausgangsbeschränkungen gelten – oder ob die Menschen danach wirklich weiter im Internet shoppen. Schon jetzt ist das Lagebild sehr ungleich: Während einige Anbieter wie Amazon ganz klar profitieren, melden andere Onlineshops zurückgehende Bestellmengen. Bei einer Umfrage des Onlinehandelsverband bevh Mitte März gaben 41 Prozent der befragten Mitglieder an, dass sie schon Nachfragerückgänge verzeichnen.

Vor allem aber steigen nur die Bestellungen aus den privaten Haushalten. Die Nachfrage der Unternehmen ist eingebrochen. DPD, UPS und auch DHL liefern aber immer noch einen Großteil der Pakete an Unternehmen aus.

Unter diesen Bedingungen will kein Paketdienst bisher zusätzliches Personal anheuern. Die Deutsche Post DHL wechselt stattdessen Mitarbeiter aus anderen Konzernbereichen ein: Briefboten liefern aktuell Pakete aus, weil auch die Menge an Briefen sinkt. Auch Kollegen aus der Verwaltung oder dem Frachtbereich helfen bereits in den Sortierzentren oder liefern aus, sagt ein Sprecher. Bisher sei das ausreichend. „Wir werden sehen, ob diese Nachfrage bis nach Ostern anhält.“

Nur Amazon wirbt offensiv um Mitarbeiter – bisher allerdings vor allem in den USA. Dort sollen 100.000 zusätzliche Mitarbeiter angeheuert werden, in Deutschland immerhin 350. Gezielt soll das Unternehmen bereits auf Gastronomiekräfte zugehen, die nun angesichts der Maßnahmen nicht arbeiten können.

Doch bisher können die wenigen zusätzlichen Mitarbeiter den Ansturm nicht annähernd bewältigen, auch angesichts von Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln. So müssen die Mitarbeiter in den Sortierzentren beispielsweise mehr Abstand halten und getrennt in Schichten Pause machen.

Die Folge spüren die Onlinebesteller schon beim Blick in ihren Warenkorb: Viele Artikel sind gar nicht mehr auf Lager, bei anderen liegt die Lieferzeit bei Wochen statt wie gewohnt bei wenigen Tagen. Ändern wird sich das vorerst wohl nicht, vor allem, wenn die Bestellmengen weiter steigen. Das Coronavirus zwingt Onlinekäufer, sich in einer bisher ungewohnten Tugend zu üben: Geduld.

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Alarmstufe Gelb: Amazon bringt immer mehr Pakete in Deutschland selbst zu den Kunden. Das macht der Deutschen Post DHL zu schaffen. Durch die Coronakrise könnte der Onlineriese die Konkurrenz nun vollends abhängen.

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