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Panama-Schiffe Vom Kanal auf den Schiffsfriedhof

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Reeder in der Krise

Vor allem die Schiffsvermieter kann das in wirtschaftliche Schwierigkeiten stürzen. Die sogenannten Charterreedereien betreiben in der Regel keine eigenen Routen, sondern vermieten ihre Frachter samt Personal an andere Reedereien. Doch die nehmen die Kähne nur zu Tiefstpreisen.

Der Schiffsvermieter Rickmers aus Hamburg hat erst kürzlich drei der Panamax-Schiffe für nur 4750 Dollar pro Tag vermietet, berichtet der Branchendienst Alphaliner. Das ist ein neuer Tiefpunkt in der Preisentwicklung. Rickmers macht damit ein dickes Minus: Die Kosten, die Schiffe zu betreiben, liegen laut Alphaliner bei 6700 Dollar pro Tag.

Lange können sich die Unternehmen das nicht leisten. „Am stärksten betroffen sind die Reedereien, wo die Charterverträge jetzt auslaufen. Es wird schwer, neue Beschäftigung für diese Schiffe zu finden“, sagt Hartmut Heckert, Schifffahrtsexperte der Unternehmensberatung KPMG.

Die Vorgeschichte des Panama-Kanals

Mit den Charterreedereien geraten die Banken in die Krise. Bemerkbar macht sich das in den Bilanzen großer Schiffsfinanzierer wie der HSH Nordbank. Sie muss bis 2018 verkauft oder abgewickelt werden. Viele Banken bewerten die Schiffe in ihren Portfolios noch immer viel zu hoch. Erst Ende März brummte die EU-Bankenaufsicht der Bremer Landesbank eine 700 Millionen Euro schwere Abschreibung auf ihr Schiffsportfolio auf. Die Bank muss nun gerettet werden. Doch die Mehrheitseigentümerin, die niedersächsische Landesbank NordLB, hat selbst mit problematischen Schiffsfinanzierungen zu kämpfen.

Bremen dürfte nicht der letzte Fall einer Bank gewesen sein, die Probleme mit der Finanzaufsicht kommt. Die Schifffahrtskrise verschlimmert sich, vor allem für die Panamax-Frachter. „Die Schiffe haben in den vergangenen Jahren ihre Kosten nicht immer einspielen können. Und das wird jetzt noch schwieriger“, warnt Professor Lemper. „Für die Banken ist es ein erhebliches Risiko, wenn die Charterraten weiter absinken“, sagt KPMG-Experte Heckert.

Die Konsequenz: „Wenn die Raten nicht steigen, könnte das mittelfristig bedeuten, dass man die Schiffe aus wirtschaftlicher Sicht schon relativ jung verschrotten muss“, so Lemper.

Bereits jetzt wandern selbst Schiffe, die gerade mal 14 Jahre alt sind, auf den Schrottplatz. Insgesamt seien seit Jahresanfang elf Panamax-Schiffe auf den Schiffsfriedhöfen gelandet, berichten die Branchenanalysten von Clarkson Research. Doch damit gibt es noch immer rund 800 Schiffe der Größenklasse, die auf den Weltmeeren nach Beschäftigung suchen.

Mit einer Alternative zur Verschrottung versucht es die Reederei NSB aus Buxtehude. Sie hat sich ein Verfahren patentieren lassen, mit dem Panamax-Schiffe verbreitert werden können. Dazu wird das Schiff in der Werft der Länge nach aufgeschnitten und auseinandergezogen. Drei Schiffe hat NSB nach diesem Prinzip bereits umgebaut.

Die Kapazität der MSC Geneva konnte NSB so von 4.872 Standardcontainern auf fast 6.300 Standardcontainer steigern. Doch weitere Verbreitungen seien erst mal nicht geplant, sagt ein Sprecher. Die Konkurrenz zeige zwar Interesse, hat aber noch keine Aufträge erteilt. Es fehlt wohl am Geld.

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