Partnerschaft mit Air China Lufthansa wagt den überfälligen Schritt

Die vertiefte Partnerschaft mit der Staatslinie Air China ist die erste konkrete Idee, wie Konzernchef Carsten Spohr die Lufthansa Fluglinie retten will. Doch der Vorsprung zu den Golflinien bleibt brüchig.

Fahne der Lufthansa Quelle: dpa

Bei seiner Reform der Lufthansa setzt der neue Konzernchef Carsten Spohr zumindest örtlich auf Überraschungen. Am Mittwoch will der 47-Jährige seinen Umbauplan nicht in der Konzernzentrale am Frankfurter Flughafen präsentieren, sondern am Rand des Odenwalds. Das Schulungshotel der Fluglinie ist ein sicherer Hort, abseits aller Stürme durch wachsende Belastungen durch Politik, Billigflieger wie Easyjet und Ryanair oder Golfairlines wie Emirates aus Dubai oder Qatar Airways.

Wem die Deluxe-Herberge als Vorbote dafür erschien, Spohr könne in seinem gut neunmonatigen Rückzug aus der Öffentlichkeit seit der plötzlichen Kündigung seines Vorgänger Christoph Franz etwas weltfremd geworden sein, den korrigierte der Konzernlenker heute Morgen. In Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angelas Merkel unterzeichnete er die erste tiefe Partnerschaft einer westlichen Fluglinie mit einer Airline aus China.

Carsten Spohr: Pilot und Lufthansa-Kenner

Die wirkt auf den ersten Blick etwas konventionell. Denn die Partner planen ein Gemeinschaftsunternehmen, bei der sie Einnahmen und Ausgaben teilen. Nach dem Prinzip hat sich die Lufthansa bereits vor Jahren mit ihren Partnern All Nippon aus Japan oder United Airlines und Air Canada aus Nordamerika zusammengetan. Da ist der Schritt nach China überfällig. Denn die ersten Abkommen über Gemeinschaftsflüge schlossen Lufthansa und Air China bereits zur Jahrtausendwende.

Größere Dimension

Doch der Vertrag mit Air China hat eine viel größere Dimension als die beiden anderen Abkommen. Die Kontrakte mit All Nippon sowie United Airlines und Air Canada sollten vor allem das kaum noch wachsende Geschäft mit Flügen nach Japan sowie die USA und Kanada absichern. Dazu sind beide Märkte fast gar nicht bedroht durch die Konkurrenz der Golf-Airlines. Spohr China-Verbindung hingegen soll die Stellung Europas größter Fluglinie im wichtigsten Markt der Branche retten und helfen, gegen die Konkurrenz vom Golf Boden gut zu machen.

Zum einen legt der China-Verkehr zu. Die Zahl der Passagiere von und ins Reich der Mitte wächst nicht nur doppelt so stark wie in der Verkehr mit westlichen Ländern. In den Maschinen sitzen mehr als in anderen Märkten gut zahlende Premium-Passagiere.

Die Sparprogramme der Lufthansa

Mehr Geschäftsreisende

Wegen des starken wirtschaftlichen Wachstums und der zunehmenden Zahl von Niederlassungen westlicher Unternehmen jetten hier mehr Geschäftsreisende als anderswo. Dazu kommen mehr gehobene Touristen. Chinas Mittelklasse beginnt erst in den Westen zu reisen. Bei diesen Trips in den Rest der Welt legt sie einen vergleichsweise hohen Wert auf Komfort wie Lounges, Vorrang an den Sicherheitskontrollen, schnellere Umsteigezeiten sowohl in Europa als auch in China. Und sie schätzt maßgeschneiderten Service der Flughäfen, wie ihn Frankfurt bietet. Wer diese Kunden einmal an Bord hatte und überzeugen könnte, verliert sie weniger schnell an die Konkurrenz.

Zweiter und fast noch wichtigerer Punkt für die Lufthansa: In China kämpft sie die entscheidende Schlacht gegen die Golfairlines. Bei den Flügen nach China bietet die Lufthansa – im Gegensatz zu Routen nach Singapur oder Thailand - ihren Passagieren von und nach Europa einen deutlichen Vorteil in Form kürzerer Reisezeiten.

Wer zwischen Frankreich, Deutschland oder Großbritannien einerseits und China andrerseits reist, ist über die großen Umsteigeflughäfen in den Emiraten Dubai, Abu Dhabi oder Katar bis zu einem Drittel länger unterwegs. Dazu wird er mitten in der Nacht aus seinem Business-Class-Bett gescheucht, während er bei Lufthansa, Air France oder British Airways durchschlafen kann. Das wissen sowohl Manager, die nach der Landung mit ihren Kunden verhandeln müssen ebenso zu schätzen wie viele Touristen - und zahlen dafür.

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