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Pay-TV-Anbieter vor der Wende Macht Sky Bezahlfernsehen endlich profitabel?

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Ein Verbündeter mit tiefen Taschen

Aus der App entwickelt Sky bald das Zusatzangebot Sky Go. Analystin Rabussier: „Das war der Gamechanger für Sky.“ Die Kunden sind seitdem am Bundesliga-Samstag nicht länger ans Wohnzimmer gefesselt und können den TV-Kick auf Tablet oder Laptop überall mit hinnehmen. Sullivan schätzt seine Kunden offenbar richtig ein, die Nachbarn, Verwandten, Freunden nur zu gern das Sky-Programm auf dem schicken neuen Gerät vorführen – für Sky ist das besser als teure Werbung.

Sullivan führt weitere Technik-Neuerungen ein. So vervielfacht er die Zahl der Kanäle, die im hochauflösenden HD-Verfahren viel schärfere Fernsehbilder zeigen: „Damals hatten wir sieben HD-Kanäle, im Vergleich zu anderen Märkten war das verschwindend wenig.“ Heute sind es über 80.

Die bekanntesten Musik-Portale im Internet
Amazon startet Prime Music in Deutschland und Österreich - als Bestandteil von Amazon Prime ohne zusätzliche Kosten. Quelle: obs
Apple Music Quelle: dpa
Die seit März 2012 existierende Plattform Spotify bietet mehr als 30 Millionen Songs an. Eine Gratis-Version erlaubt das Anhören der Musik mit Werbeunterbrechungen. Zusätzliche Premiumfunktionen wie das Downloaden von Liedern sind wie bei den meisten Streaming-Angeboten kostenpflichtig. Nach eigenen Angaben hat Spotify mehr als 75 Millionen Nutzer, 20 Millionen von ihnen zahlen. Der Streaming-Dienst ist in 58 Ländern verfügbar. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich
Die Streaming-Plattform Deezer ist vor allem in Frankreich sehr beliebt. 2007 startete sie als erster Gratis-Streamingdienst auf dem Markt. Heute kostet eine Mitgliedschaft, wie auch bei vielen anderen Diensten, Geld. Kostenlos gibt es nur ein Radio-Angebot und Lied-Ausschnitte. Die Plattform ist mittlerweile in mehr als 180 Ländern verfügbar. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich Quelle: Screenshot
Mit Ampya versucht die ProSiebenSat.1 Media seit 2011 auf dem boomenden Markt der Streaming-Dienste Fuß zu fassen. Beflügelt durch viel Werbung auf den TV-Kanälen des Medienunternehmens zählt Ampya zu den bekanntesten Diensten in Deutschland. 2014 wurde Ampya von Deezer mit dem Ziel übernommen, in Europa noch weiter zu wachsen. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich Quelle: Screenshot
Seit 2012 ist WiMP aus der Bethaphase heraus. Gegründet wurde der Musikstreamingdienst in Norwegen, wo sein Mutterkonzern "Aspiro" sitzt. WiMP gibt es bis jetzt in fünf Ländern zu hören: Deutschland, Norwegen, Dänemark, Schweden und Polen. "Aspiro" spielt schon mit dem Gedanken WiMP auch in Finnland, Portugal, Österreich und der Schweiz zu etablieren. Mit einer hohen Sound-Qualität (gegen Aufpreis) und einem eigenen Redaktionsteam, das Musik empfiehlt, will sich WiMP von der Konkurrenz abheben. Preis: 4,99 bis 19,90 Euro monatlich
Napster startete als Musiktauschbörse und wurde schnell zur Plattform für illegale Raubkopien. Auf rechtlichen Druck der Musik-Industrie wurde die Plattform 2001 geschlossen. Der legale Streaming-Dienst gleichen Namens bietet mehr als 25 Millionen Songs und ist damit einer der größten überhaupt. Nach einer kostenlosen Testphase gibt es den Dienst allerdings nur noch gegen Geld. Preis: 7,95 bis 9,95 Euro monatlich Quelle: AP

Schließlich begegnet Sullivan der Gefahr, dass Sky den wichtigsten TV-Trend der Dekade verpasst: Internet-Fernsehen auf Abruf. „Wir hatten keine Infrastruktur dafür, sondern nur lineare Sender, die nach einem starren Programmschema abliefen.“ Also investiert er Geld, verschafft seinen Kunden die Möglichkeit, Spielfilme und Serien dann anzuschauen, wann sie es wollen – auch als Antwort auf neue Konkurrenten wie die US-Online-Videothek Netflix, die Mitte September in Deutschland startete.

Zugleich sorgt er dafür, dass die Sky-Programme von immer mehr Kunden gesehen werden können. Seine Vorgänger hatten vermieden, bei Kabelnetzbetreibern Klinken zu putzen, einem der wichtigsten Transportwege für TV-Signale. Sullivan schließt Vertriebsallianzen mit Kabel Deutschland und Unity Media – und 2013 mit der Telekom, was Sky einen Abo-Schub einträgt. „Das war ein Einmaleffekt“, sagt Analystin Rabussier. „Jetzt muss Sky beweisen, dass es auch aus eigener Kraft weiter Kunden hinzugewinnen kann.“

Die Argumente für die Vertriebspartner liefern die Inhalte, vor allem die Fußballbundesliga. Entsprechenden Aufwand trieb Sullivan, um Sky 2012 die Übertragungsrechte aller 612 Spiele der ersten und der zweiten Liga zu sichern. Für das nötige Kleingeld – im Schnitt zahlt Sky der Liga bis Mitte 2017 pro Saison rund 486 Millionen Euro – bürgt Murdoch.

Die bisherige US-Mutter ist es auch, die die Finanzierung des Deutschland-Ablegers auf langfristig sichere Füße stellt. Bis 2018 ist Sky abgesichert und kann investieren, woran sich auch nach der geplanten Übernahme durch BSkyB nichts ändern dürfte. Sky, damit rechnen Beobachter, wird von der Allianz profitieren, der auch Sky Italia angehören soll.

Erfolg mit Netflix-Serie

Gemeinsam könnten die Partner mehr eigene Filme und Serien produzieren lassen, an denen sie alle Rechte halten. Denn ob es auf Dauer ausreicht, die Streifen bei den Hollywoodstudios einzukaufen, die sich die gewünschte Exklusivität für die Ausstrahlungsrechte angesichts steigender Nachfrage immer teurer bezahlen lassen, daran zweifeln Branchenexperten.

Der Kampf um diese Inhalte wird immer härter.

Dienstleister



So hält zwar ausgerechnet Sky auf Dauer die deutschen Erstausstrahlungsrechte an der US-Polit-Serie „House of Cards“, die der Konkurrent Netflix produzierte und die diesem reichlich Renommee verschaffte.

Doch Netlix-Chef Reed Hastings kündigte bereits an, weiter kräftig in eigene Sendungen wie den Abenteuer-Streifen „Marco Polo“ zu investieren, die er exklusiv seinen Abonnenten zeigen will.

Hastings kann Eigenproduktionen in mehr als 50 Ländern zeigen und profitiert von Skaleneffekten, die Sky so nicht hat.

Voraussichtlich 2016 wird zudem die Deutsche Fußball-Liga erneut die Bundesliga-Rechte ausschreiben. Nicht nur Commerzbank-Expertin Rabussier hält es für möglich, dass Sky dann auch Konkurrenz durch völlig neue Mitspieler wie Google oder Amazon drohen: „Da kann es nicht schaden, mit BSkyB einen Verbündeten mit tieferen Taschen zu haben.“

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