WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Pay-TV-Anbieter vor der Wende Macht Sky Bezahlfernsehen endlich profitabel?

Seite 2/3

Gerade mal zehn Prozent der deutschen Haushalte

Zwar haben Sky und Sullivan noch ein gutes Stück Weg vor sich. Doch Sonia Rabussier hält den Erfolg für möglich: „Sullivan ist dabei, den Turnaround bei Sky zu schaffen“, prophezeit die Commerzbank-Analystin. „Wenn es jemandem gelingt, Sky unterm Strich profitabel zu machen, dann ihm.“ Sullivan mag das schmeicheln.

Doch offiziell hält er den Ball lieber flach: „Wir sind ein kleines Unternehmen, aber wir wachsen schnell. Noch erreichen wir gerade mal zehn Prozent der deutschen Haushalte; wir erwarten jedoch, dass diese Zahl deutlich steigen wird.“ Und längst hat er es sich abgewöhnt, wie seine zahlreichen Vorgänger von den Abo-Zahlen zu schwadronieren, die Sky brauche, um Gewinne zu erzielen. Er bleibt lieber vage.

Die wichtigsten Anbieter im Online-Fernsehen

Sullivan will vor allem eines nicht einleuchten: In Großbritannien feiert BSkyB seit Jahren Erfolge. In Deutschland ist das Interesse an Medien groß und das an Technik nicht minder. Und da soll kein Platz sein für profitable Pay-TV-Anbieter?

Kampf um Abos und gegen den Ruf

Knacken will Sullivan den Markt vor allem mit langem Atem. Er will erst einmal Reichweite schaffen und Kunden ködern. Klappt das und bleiben genug bei der Stange, folgen die Erträge von selbst, so die Hoffnung. Sky braucht Masse – weltweit gieren Medienkonzerne danach. Und auf dem Weg dahin, das zeigen die steigenden Abo-Zahlen, hat er ein besseres Händchen als seine Vorgänger, indem er just an den Stellschrauben fuhrwerkt, die am unglamourösesten sind: Kundenservice, neue Technik und Steigerung der Zahl der Vertriebspartner.

„Im Pay-TV ist es einfach, kurzfristige Entscheidungen zu treffen, die am Ende aber weder für das Unternehmen noch für die Kunden von Vorteil sind“, sagt Sullivan. „Stattdessen muss man in Produkte, Programme und die Nutzer-Erfahrung investieren. Danach braucht es eben seine Zeit, bis die Kunden das wertschätzen lernen.“ Deshalb steckt Sky Geld in seine Kunden-Callcenter, die vorher einen miesen Ruf hatten, weil das Unternehmen lange das Sparbrötchen gab. „Heute gewinnen wir Preise für unser Kunden-Management“, sagt Sullivan.

Für alle Nutzer scheint das indes nicht zu gelten: Seit dem Anpfiff der laufenden Bundesliga-Saison Anfang August beschweren sich landesweit Kneipenbesitzer, denen Sky teils deftige Preiserhöhungen von mitunter mehr als 50 Prozent abverlangt. Viele haben bereits gekündigt.

Teure Tore: Sky zahlt der Bundesliga 486 Millionen Euro Quelle: REUTERS

Intern setzte Sullivan von Beginn an Zeichen. Er treibt im Frühjahr 2010 seine Leute dazu an, eine Sky-App für Apples iPad zu programmieren, das im Sommer auf den Markt kommt. Bis zum Start des Tablets haben sie nur sechs Wochen Zeit. Sullivan will, das Sky Deutschland dabei ist.

Fragt ihn die Runde beim großen, inzwischen abgeschafften 30-Mann-Wochenmeeting: Schaffen wir das? Erste Antwort: Es wird eine Menge Geld kosten und zweitens viel Zeit. Für Sullivan kein Hinderungsgrund: „Try it.“ Und wenn es nicht klappt? „It’s okay, try it“. Es klappt.

„Auf diese Weise haben wir der Branche gezeigt, dass wir Neues entwickeln, statt an alten und überholten Technologien und Services festhalten zu wollen“, sagt Sullivan. Gleichzeitig massiert er das Ego der Mitarbeiter, denen jahrelang in den Ohren klang, sie säßen in einer Investitionsruine. Er treibt sie an zu zeigen, was sie draufhaben.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%