Personenverkehr Bahn-Konkurrent startet schneller als erwartet

Schon im August war klar: Die Deutsche Bahn bekommt auch auf Fernstrecken Konkurrenz. Die Kölner MSM-Gruppe schickt ihre Züge nun aber schneller als gedacht auf die Schiene.

Gute Zugbegleiter, schlechte Infos
Sauberkeit der Bahnhöfe (2,3)Zwei Drittel der Befragten sind mit der Sauberkeit deutscher Bahnhöfe zufrieden: 52,7 Prozent der Befragten bewerteten die Sauberkeit als gut, 14,2 Prozent als sehr gut. Durchschnittlich erhalten die deutsche Bahnhöfe in puncto Sauebrkeit die Schulnote 2,3. Am saubersten scheint es im Osten zu sein, dort gab es im Schnitt eine 1,9. Ganze 30,7 Prozent bewerteten die Sauberkeit mit „sehr gut“, lediglich 9,1 Prozent vergaben in Westdeutschland diese Note. Doch auch die dortigen Bahnhöfe müssen sich mit der schlechtesten Durchschnittsnote von 2,5 nicht verstecken. Quelle: dapd
Ausstattung der Züge (2,4)40 Jahre hat die IC/EC-Flotte der Deutschen Bahn durchschnittlich auf dem Buckel. Das spiegelt sich auch in den Umfrage-Ergebnissen wieder: Während die ICE-Ausstattung durchschnittlich eine 2,2 erhielt, war es bei den restlichen Zugarten lediglich eine 2,7. Während 69,9 Prozent der Befragten die ICE-Ausstattung mit „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten, waren es bei den ICE und EC lediglich 44,1 Prozent. Vergangenes Jahr hat die Deutsche Bahn immerhin 27 neue Doppelstock-Züge für den Fernverkehr bestellt, die ab Ende 2013 auf den Schienen rollen sollen. Im Schnitt reichte es für alle Züge immerhin für die Note 2,4. Quelle: dpa
Sauberkeit der Zugtoiletten (2,8)Die Zugtoiletten müssen laut VCD dringend sauberer werden. Weniger als die Hälfte der Befragten sieht die Toiletten der Fernverkehrszüge nämlich als sauber an – 47,5 Prozent gaben ihnen die Noten „sehr gut“ oder „gut“. Deutlich unter dem Durchschnitt liegen die IC/EC-Toiletten mit 37,3 Prozent und der Note 3,1. Die ICE-Toiletten bewerteten 52,3 Prozent positiv (Note 2,7). Deshalb fordert der VCD, dass die Toiletten in kürzeren Abständen und auch während der Fahrt gereinigt werden. Quelle: AP
Zugbegleiter (2,1)Die Mehrheit der Befragten findet das Personal in Fernverkehrszügen kompetent und freundlich. 24,4 Prozent bewerteten es mit „sehr gut“, 53,7 Prozent mit „gut“ – insgesamt gab es eine 2,1. Diese Durchschnittsnote gab es für alle Fernverkehrszüge, also IC, EC und ICE. Quelle: dpa
Servicepersonal für Speisen und Getränke (2,3)Das Zugpersobnal, das sich in Fernverkehrszügen um Essen und Trinken kümmert schnitt zwar auch gut ab, aber einen Tick weniger als die Zugebegleiter. Sie erhielten eine Durchschnittsnote von 2,3 Prozent. Die Kellner, Köche und Barkeeper in IC und EC schnitten jedoch mit 2,5 schlechter ab, als ihre Kollegen im ICE (2,3). Quelle: AP
Verständlichkeit der Durchsagen am Bahnhof (2,5)17,9 Prozent der Befragten erlebten zwischen April und September eine verspätete Abfahrt, in der Hauptverkehrszeit waren es sogar 27,9 Prozent. Die Lautsprecherdurchsagen, die darauf hinweisen, sind jedoch oftmals nicht verständlich. Der VCD nennt dafür entweder eine zu laute Geräuschkulisse oder schlechte Lautsprecher als Gründe. Immerhin 57,5 Prozent verstehen die Durchsagen in Deutschland gut oder sehr gut – dafür gibt es die Gesamtdurchschnittsnote 2,5. Am besten verstehen Bahnreisende die Durchsagen in Norddeutschland, dort gaben ihnen 63,3 Prozent der Befragten die Noten „gut“ oder „sehr gut“ (Durchschnittsnote 2,4). Schlechter zu verstehen, sind die Durchsagen im Westen mit der Note 2,6: 55,6 Prozent verstehen sie dort zwar gut oder sehr gut, 44,4 geben ihnen jedoch nur die Noten „befriedigend“ oder schlechter. Quelle: dpa

Die Deutsche Bahn hatte wenig Zeit zu reagieren: Ende August kündigte die Kölner MSM-Gruppe, die bis dato Bahnreisen organisierte, an, ab Ende 2012 eine Fernverkehrsstrecke zu betreiben. Dreimal am Tag sollten Züge von Köln nach Hamburg und Berlin fahren - und das günstiger als bei der Bahn. Das Startticket werde 19,90 Euro kosten, sagte MSM-Chef Niko Maedge. Allerdings handele es sich dabei um ein variables Preissystem - "wie bei Billigairlines" - je nach Auslastung könne der Preis angepasst werden.

Günstiger und schneller

Bei der Bahn kostet das günstigste Ticket zehn Euro mehr - die Anzahl der Tickets ist begrenzt und sie gelten nicht für alle Züge. Ein Punkt für MSM. Der Startschuss für den Bahnkonkurrenten fällt "auf jeden Fall im Frühherbst", so Maedge. Einen genauen Termin wolle das Unternehmen noch nicht nennen. Die neuen Fernzüge haben auch anderweitig die Nase - wenn auch nur geringfügig - vorn. Der ICE der Deutschen Bahn braucht von Köln nach Berlin vier Stunden 34, der MSM-Zug ist drei Minuten schneller. Für weniger Geld schneller ankommen, klingt nicht schlecht. Die Züge sollen Intercity-Niveau haben und werden in Hannover geteilt, ein Teil fährt nach Hamburg, der andere nach Berlin. Zunächst will MSM jeweils drei Hin- und Rückfahrten täglich anbieten. „Vor allem an verkehrsstarken Tagen wie freitags und sonntags wollen wir öfter fahren“, sagt MSM-Geschäftsführer Niko Maedge zu WirtschaftsWoche Online. Auf der Fahrt zwischen Hannover und Hamburg halten die Züge auch in Celle und Lüneburg. Die Züge sollten reservierungspflichtig sein und einen Gastronomieservice anbieten. „Wir wollen eine Sitzplatzgarantie geben und komfortables Reisen ermöglichen“, sagte Maedge.

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Die Bahn-Tochter DB Fernverkehr dürfte den Betriebsstart der MSM-Züge spüren: Je höher die Einnahmen eines Verkehrsunternehmens sind, desto eher bekommt es den Zuschlag für die Nutzung verschiedener Trassen. Anders gesagt hat die Mehrheit der Passagiere Vorang. Wenn mehr Passagiere schneller und günstiger ans Ziel wollen und von der Bahn auf MSM umsteigen, könnte die Deutsche Bahn an verkehrsschwachen Tagen aus dem Fahrplan fallen.

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