Pilotenstreik in Frankreich Warum es Air France noch schlechter geht als Lufthansa

Auch in Frankreich legen die Piloten den Dienst nieder. Und so sehr die anhaltenden Pilotenstreiks die Lufthansa hierzulande belasten: Beim Erzrivalen Air France sind die Probleme deutlich größer.

Im Vergleich zu den Streiks bei Air France ist die Lufthansa bei den letzten Streiks sehr gut davon gekommen Quelle: REUTERS

Wenn Carsten Spohr Montagmorgens aus seiner Wahlheimat München zu seinem Schreibtisch in Frankfurt reist, hat er derzeit wenig Grund zur Freude. Am Dienstag folgt der vierte Pilotenstreik in zweieinhalb Wochen und auch bei anderen Berufsgruppen wie den Flugbegleitern rumort es. Spohrs Sparanstrengungen bekommen wachsenden Gegenwind, etwa weil bei der Wiener Tochter Austrian Airlines die Gerichte gerade zentrale Teile des Sparprogramms kassiert haben.

Trotzdem wirkt der Lufthansa-Chef dieser Tage alles andere als entmutigt. Denn seine Versuche, die renitenten Flugzeugführer unter Druck zu setzen, zeigen zumindest kleine Erfolge. So fiel vorige Woche der Streik  in München weniger schlimm aus als erwartet. Offenbar sehen Teile der Belegschaft die Forderungen der Piloten zunehmend kritisch.

Was Piloten bei Lufthansa, Condor & Co. verdienen
Pilot müsste man sein: Die ganze Welt sehen und dafür noch ordentlich Geld bekommen. Doch Pilot ist nicht gleich Pilot. Zwischen den einzelnen Fluggesellschaften gibt es ein deutliches Preisgefälle. Laut Pilotenvereinigung Cockpit bekommt ein Erster Offizier oder Kopilot anfangs ein Monatsgehalt zwischen 1500 Euro und 5000 Euro brutto. „Ein Kapitän – das wird man nach etwa 3 bis 20 Jahren als Erster Offizier – erhält je nach Luftverkehrsgesellschaft ein Anfangsgehalt zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro“, so die Gewerkschaft. Quelle: dpa, Handelsblatt, Unternehmen Quelle: dpa
RyanairDie Piloten des irischen Billigfliegers gehören im Vergleich eher zu den Niedrigverdienern der Branche. 25.000 Euro bezahlt Ryanair seinen Kopiloten zu Beginn. Flugkapitäne ab dem 12. Berufsjahr erhalten anfangs 53.000 Euro. Ihr Maximalgehalt beläuft sich auf 85.000 Euro. Quelle: dpa
Air BerlinDie zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft zahlt seinen Kopiloten zum Einstieg 45.000 Euro. Piloten bekommen bei Air Berlin zu Beginn 80.000 und in der Spitze bis zu 115.000 Euro. Quelle: dpa
Condor5050 Euro bekommt ein Condor-Kopilot zum Einstieg im Monat. Das macht eine jährliche Gesamtvergütung von 60.600 Euro. Ein Kapitän verdient zunächst 8700 Euro im Monat beziehungsweise 104.400 Euro im Jahr. In der Spitze kann sein Gehalt auf 135.600 Euro klettern. Quelle: dpa
British AirwaysDas Einstiegsgehalt der BA-Co-Piloten liegt bei 61.000 Euro. Piloten ab dem 12. Berufsjahr erhalten zunächst 77.000 Euro im Jahr. Im Laufe der Zeit kann ihr Gehalt auf bis zu 181.000 Euro steigen. Quelle: REUTERS
LufthansaLufthansa-Kapitäne gehören zu den Bestverdienern und können in der Spitze ein Jahresgehalt von bis zu 255.000 Euro bekommen – Zulagen inklusive. Schon zum Einstieg verdient ein Erster Offizier / Kopilot rund 55.500 Euro, mit Zulagen bis zu 73.000 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Flugkapitäns ab dem 12. Berufsjahr beträgt 120.000 Euro. Quelle: dpa

Um das weiter zu treiben, will der 47-Jährige dieser Tage seinen 110.000 Beschäftigten mal vorrechnen, wie groß – oder besser wie klein – die Belastungen bei der Altersvorsorge sind, die er seinen wichtigsten Angestellten abtrotzen will. Kernaussage: Am Ende sind nur die in diesem Jahr neu eingestellten Piloten und damit weit weniger als 100 Mitarbeiter betroffen. Und die konnte das nicht überraschen, weil die Änderungen seit Jahren angekündigt waren und Lufthansa im Grunde nur eine Entwicklung nachholt, die fast alle anderen Arbeitnehmer in Deutschland bei ihrer Rentenversicherung bereits hinnehmen mussten. Trösten mag Spohr auch, dass andere noch viel größere Probleme haben.

KLM-Chef will auf Wachstum verzichten

So starten die Piloten beim französisch-niederländischen Erzrivalen Air France-KLM heute einen noch viel größeren Ausstand. Dabei fallen gut die Hälfte der Flüge aus - wesentlich mehr als zuletzt bei der Lufthansa-Gruppe. Die französischen Piloten bestärkt offenbar, dass die Regierung immer noch fast 16 Prozent der Aktien hält und sich gegen strikte Sparmaßnahmen wehren wird.

Dazu ist die Lage noch drängender als bei der Lufthansa. Zwei Milliarden Euro Verlust hat Air France-KLM im vergangenen Jahr eingefahren. Vor allem der französische Teil des Flugbetriebs unter der Marke Air France macht Minus. Also muss Konzernchef Alexandre de Juniac notgedrungen auch noch viel größere Veränderungen anstoßen.

Einerseits will er weitgehend auf Wachstum verzichten. Das trifft die Piloten unmittelbar. Wegen des heutigen Senioritätsprinzips müssen junge Piloten bei geringem Wachstum länger darauf warten, Kapitän zu werden oder ins Cockpit der begehrten Langstreckenflüge wechseln zu dürfen.

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