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Plan der Deutschen Bahn „Wir haben den politischen Willen, in die Infrastruktur massiv zu investieren“

Andreas Scheuer: Deutsche Bahn stellt Verbesserungsmaßnahmen vor Quelle: dpa

Die Spitze der Deutsche Bahn hat beim erneuten Krisentreffen mit dem Bundesverkehrsministerium ein Maßnahmenpaket vorgestellt. Es enthält aber vor allem bereits bekannte Maßnahmen wie zusätzliche Mitarbeiter.

Die Deutsche Bahn will mit einem Maßnahmenpaket die Pünktlichkeit ihrer Züge und den Service verbessern. Das sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Donnerstag in Berlin nach einem erneuten Treffen mit der Bahn-Spitze. So sollen auf besonders stark befahrenen Strecken Engpässe, die sich auf das gesamte Netz auswirken, durch ein besseres Management verringert werden. Daneben sollen Züge schneller gewartet und Kunden besser über Verspätungen oder Gleiswechsel informiert werden. Rund 80 Bahnhöfe sollen dazu in den kommenden Monaten mit neuen Anzeigen, Monitoren und Tafeln ausgerüstet werden.

Zu dem Paket gehören allerdings vor allem Maßnahmen, die bereits bekannt sind – zum Beispiel, dass die Deutsche Bahn in diesem Jahr 22.000 zusätzliche Mitarbeiter einstellen will (vor allem Lokführer, Fahrdienstleister und Instandhalter). Außerdem sollen täglich mindestens 225 ICE-Züge einsatzbereit sein, das sind fünf Prozent mehr als bislang. Neu ist, dass die Bahn sich stärker als bisher darauf konzentrieren will, Engpässe an besonderes neuralgischen Punkten im Netz zu verringern, wie etwa um Hamburg, Würzburg und Mannheim.

Scheuer zeigte sich zufrieden über das vorgelegte Paket. Er hatte nach einem ersten Treffen mit der Bahn am Dienstag gesagt, für Bahnkunden solle es bis zum Sommer spürbare Verbesserungen geben. Der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene, Dirk Flege, hatte schon vor dem Treffen darauf hingewiesen, dass die Bundesregierung ohne eine Stärkung des Schienengüterverkehrs ihre verkehrs- und umweltpolitischen Ziele nicht erreichen werde. „Ich verstehe die Klagen über schlechte Pünktlichkeitswerte im Personenverkehr. Nach meinem Eindruck aber konzentriert sich die politische Debatte zu sehr auf die Probleme der im Fernverkehr Reisenden“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Nur wenn die Bundesregierung den Schienenverkehr insgesamt stärke, könne eine Trendwende gelingen.

Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Scheuer dämpfte nach dem Treffen Erwartungen. Die Pünktlichkeit der Züge könne nicht so schnell von 75 auf 95 Prozent gesteigert werden, weil es Kapazitätsengpässe gebe. Das Ziel, die Verspätungen auf unter ein Fünftel zu drücken, will der Konzern erst 2025 erreichen. Für das laufende Jahr sei eine Verbesserung um 1,6 Prozentpunkte auf 76,5 Prozent realistisch.

Offen ist nach wie vor die Finanzierung der zusätzlichen Investitionen. Für Personal, Fahrzeuge und das Schienennetz fehlen dem Staatskonzern nach dessen Berechnungen gut elf Milliarden Euro bis 2023.

Das Thema Finanzierung stehe laut Scheuer am 30. Januar, beim nächsten Treffen, auf der Agenda. Bahnchef Richard Lutz erwägt den Verkauf der internationalen Nahverkehrstochter Arriva, um einen Teil der Lücke zu schließen. Dies ist jedoch in Politik und Aufsichtsrat der Bahn umstritten. „Wir haben den politischen Willen, in die Infrastruktur massiv zu investieren“, sagte Scheuer. Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht zusätzliche Milliarden, etwa für die Modernisierung der Flotte und des Netzes.

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