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Plattformgeschäft trifft 10-Minuten-LieferdienstLieferando und Getir kooperieren

Lieferando startet eine Kooperation mit dem türkischen Lebensmittel-Lieferdienst Getir. Beide richten sich damit strategisch neu aus: Lieferando meint es ernst mit Lebensmitteln, Getir will Präsenz auf dem deutschen Markt.Stephan Knieps 17.11.2022 - 06:00 Uhr

Zukünftig können Lieferando-Nutzer auch auf das Lebensmittel-Angebot des Lieferdienstes Getir zugreifen – zumindest in den sieben deutschen Großstädten, in denen Getir aktiv ist.

Foto: imago images, Collage: Marcel Reyle

Die deutsche Essensbestellplattform Lieferando und der türkische Lebensmittel-Lieferdienst Getir kooperieren künftig. Das bestätigten beide Unternehmen der WirtschaftsWoche. Ab kommenden Montag soll die Zusammenarbeit zunächst in Berlin, Köln und Düsseldorf starten; bis Anfang Dezember soll die Kooperation auf die restlichen vier deutschen Großstädte ausgeweitet werden, in denen Getir seine Warenlager unterhält (Dortmund, Hamburg, München, Nürnberg). Interessierte Nutzer in diesen Städten sollen dann in der Lieferando-App unter „Lebensmittel“ auf das Angebot von Getir zugreifen können: rund 2000 Supermarktprodukte.

Die Auslieferung sollen die Getir-Kurierfahrer übernehmen – „innerhalb weniger Minuten“, wie Getir mitteilt. Liefergebühr und Produktpreise von Getir blieben dabei unverändert. Lieferando erhält eine Provision pro übermittelter Bestellung.

Die Kooperation kommt für beide Unternehmen zu einer Zeit wichtiger strategischer Neuausrichtungen. Lieferando erweitert damit seine Lebensmittel-Lieferungen um einen durchaus ambitionierten und erfahrenen Partner. Getir wiederum, erst seit Sommer 2021 in Deutschland am Start, dürfte von der Präsenz auf der App des deutschen Marktführers und von dessen Bekanntheitsgrad profitieren.

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Die Geschäftsmodelle beider Unternehmen überschneiden sich bislang kaum: Lieferando ist eine Plattform, auf der Kundinnen und Kunden Restaurantessen bestellen und sich liefern lassen können. Die Firma ist sozusagen die Deutschlandtochter des niederländischen, börsennotierten Konzerns Just Eat Takeaway (Umsatz 2021: 5,3 Milliarden Euro). Das 2015 in Istanbul gegründete Jungunternehmen Getir (türkisch für: bringen) unterhält dagegen zahlreiche kleine Warenlager in Innenstadtlagen, aus denen heraus die eigenen Kurierfahrer die Getir-Kunden innerhalb von rund 15 Minuten mit Supermarktartikeln beliefern. Nach einer Investitionsrunde im Frühjahr 2022 stieg Getirs Unternehmensbewertung auf mehr als zehn Milliarden Euro.

Neben dem Heimatmarkt Türkei ist Deutschland einer der wichtigsten Märkte für Getir. Das zeigt sich nicht nur an der Lieferando-Kooperation. Denn zurzeit befindet sich Getir in Verhandlungen über den Kauf des Berliner Schnelllieferdienstes Gorillas, wie die US-Nachrichtenagentur „Bloomberg“ vor rund vier Wochen als erste berichtete. Mit einer Entscheidung wird bis Anfang Dezember gerechnet. Gorillas, Anfang 2020 von Kagan Sümer gegründet, ist in 21 deutschen Städten aktiv – dreimal so viele wie Getir. Mit einer Übernahme könnte Getir auf einen Schlag seine Marktpräsenz in Deutschland deutlich erhöhen.

10-Minuten-Lieferdienste in der Krise

Allerdings kämpfen die Vertreter der 10-Minuten-Lieferdienste seit einigen Monaten mit Problemen. Kurz gesagt, wurde bei den meisten das Geld knapp, und die Investoren zeigten sich plötzlich deutlich weniger großzügig. Der finnische Lieferdienst Wolt musste seine deutschen Warenlager wieder schließen. Im Mai verkündeten sowohl Getir als auch Gorillas Entlassungen. Getir kündigte damals an, sich von 14 Prozent aller Mitarbeiter weltweit zu trennen (rund 4500 Mitarbeiter), Gorillas strich die Hälfte aller Stellen in der Verwaltung (knapp 300 Frauen und Männer) und kündigte zudem einen Rückzug aus mehreren Auslandsmärkten an.

Auch in Deutschland verkleinerte Gorillas seine Aktivitäten: Im August schloss der Anbieter fünf unrentable Lager in Münster, Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen. Nach WirtschaftsWoche-Informationen soll Getir nunmehr nur noch bereit sein, einen Preis zwischen 550 Millionen und 600 Millionen Euro für Gorillas zu zahlen. Auf dem Höhepunkt im vergangenen Jahr hatte die Gorillas-Bewertung noch die Marke von drei Milliarden Euro erreicht.

Lieferando dagegen hatte sich lange Zeit skeptisch gezeigt gegenüber Lebensmittel-Lieferungen. Lieferando-Gründer Jörg Gerbig, bei Just Eat Takeaway verantwortlich fürs Operative, nannte im Frühjahr 2021 im Gespräch mit der WirtschaftsWoche die 10-Minuten-Lieferung lediglich eine „potenzielle Markterweiterung“, die „punktuell sinnvoll sein“ könne. Kurz darauf startete Lieferando dennoch erste zaghafte Versuche in diesem Metier: Die Firma schaltete die Lebensmittel-Angebote der Tankstellenkette Shell, von Deutsche-Bahn-„Serviceshops“ sowie von Spar-Express-Märkten auf die App.

In diesem Jahr kamen weitere, ähnliche Kooperationen hinzu: in Darmstadt und Frankfurt können Lieferando-Nutzer Supermarktartikel aus drei Filialen des hessischen Lebensmittelhändlers Tegut ordern; in Norddeutschland kooperiert Lieferando seit ein paar Wochen mit der Bäckereikette „Dat Backhus“. Die nun startende Zusammenarbeit mit Getir dürfte die größte dieser Art für Lieferando sein.

46 Prozent der Deutschen erwarten Lieferung binnen einer Stunde

Offenbar hat auch Lieferando den Eindruck gewonnen, bei dieser Art von Zustelldienst etwas anbieten zu müssen. Laut einer repräsentativen GfK-Studie von Oktober (im Auftrag des US-Zahlungsdienstleisters Mastercard) haben 27 Prozent der Deutschen schon einmal Lebensmittel online bestellt. Zudem belegt die Studie in Teilen, wie die schnellen Angreifer Gorillas, Flink und Getir die Erwartungshaltung vieler Nutzer in Deutschland beeinflussen: Immerhin 46 Prozent der Befragten erwarten ihre Lebensmittellieferung zwischen 15 Minuten und maximal 60 Minuten nach Bestellung. Überdies ergab die Studie, dass rund 80 Prozent der Nutzer, die während der Coronapandemie das erste Mal Lebensmittel haben liefern lassen, auch heute weiterhin online ordern.

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In den kommenden Wochen, teilt Getir mit, werde die Zusammenarbeit mit Just Eat Takeaway sukzessive auf weitere europäische Märkte ausgeweitet. Genannt werden die Getir-Märkte Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien.

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