WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Porträt von Prock-Schauer Da klaane Wolferl

Wolfgang Prock-Schauer braucht als neuer Chef von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin seine Erfahrung als Sanierer, diplomatisches Geschick und vor allem mehr Glück als in seinen alten Jobs.

Der neue Air Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer Quelle: dapd

Hohe Verluste, der Staat als unerwarteter Kostentreiber und ein schwer auszurechnender Großaktionär, der ein kleines Wunder erwartet – eigentlich muss sich Wolfgang Prock-Schauer kaum umstellen, wenn er die Führung von Air Berlin übernimmt. All das kennt der 56-Jährige bestens von seinen letzten beiden Sanierer-Jobs: von 2003 bis 2009 bei der indischen Jet Airways des exzentrischen Milliardärs Naresh Goyal und danach bis 2012 bei der britischen BMI, die die Lufthansa nach langem Hin und Her an British Airways verschleuderte. Doch der Job in Berlin ist eine Spur härter. Air Berlin residiert nicht nur in einem öden Bürohaus statt wie BMI in der pompösen Donnington Hall im britischen Derby. Die Berliner haben in gut 20 Jahren nie wirklich Geld verdient und überleben vor allem dank Hilfen der Staatslinie Etihad aus dem Emirat Abu Dhabi, die selbst nie Gewinne ausgewiesen hat, aber trotzdem ins Tagesgeschäft hineinregiert. Auch darum haben vor Prock-Schauer gut ein halbes Dutzend hochrangige Manager den Job abgesagt.

Vorbilder

Aus Sicht von Duzfreunden ist Prock-Schauer für etwas so Irrationales wie echte Vorbilder ein wenig zu sachlich. Eine Ausnahme ist Wolfgang Mayrhuber, Ex-Lufthansa-Chef und designierter Aufsichtsratsvorsitzender bei Europas größter Fluglinie. Die Wertschätzung des neuen Air-Berlin-Chefs rührt nicht nur daher, dass beide zu den wenigen Österreichern gehören, die außerhalb ihrer Heimat erfolgreich waren. Prock-Schauer schätzt Mayrhuber auch als Sanierungsexperte, seit dieser Anfang der Neunzigerjahre den ersten großen Umbau der Lufthansa leitete. Die beiden kennen sich seit fast 20 Jahren.

Darum holte Mayrhuber Prock-Schauer, als er 2009 einen Sanierer für die angeschlagene britische Tochter BMI suchte. Aber auch privat verstehen sie sich bestens. Auf einem Empfang des Weltluftfahrtverbandes Iata witzelte der eher klein geratene Prock-Schauer in einer Mischung aus Selbstironie und Frotzelei mit dem hochgewachsenen Lufthanseaten "I bin da klaane Wolferl, und er is da große Wolferl."

Vorlieben

Wiener Espresso So sehr Prock-Schauer anfangs als Bürokrat erscheint, am Ende ist er doch ein typischer Österreicher. Die vielen Stationen abseits der Heimat milderte der aus Horn im Waldviertel nördlich von Wien stammende Prock-Schauer nicht nur, indem er während seines Jobs bei Jet Airways in Indien mindestens einmal im Monat nach Österreich flog, wo seine Frau und die drei Kinder in der Donaustadt Klosterneuburg bei Wien leben. Er orderte auch regelmäßig heimische Edelkaffees, wie etwa den Wiener Espresso aus dem Kaffeehaus Julius Meinl, den er in größeren Mengen schwarz und ohne Zucker trinkt. Beim Rotwein ist er deutlich paneuropäischer: Neben Blauem Zweigelt und Blauburger aus seiner niederösterreichischen Heimat schätzt er auch italienische Chiantis.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%