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Post-Chef Appel Wie ein Express-Paket auf Weltreise

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3000 Mitarbeiter und 200 Kunden

Appel lobbyiert beim Oberbürgermeister von Shenzhen, Xu Qin Quelle: Presse

Appel fliegt First Class. Dabei verzichtet er auf die Bord-Unterhaltung und Wein zum Essen. Seine Devise: "Essen, schlafen, arbeiten." Sobald er in den Flieger steigt, dreht er seine Uhr auf die Zielzeit und zwingt sich auf Flügen nach Asien zur frühen Bettruhe und auf Routen nach Amerika zum langen Arbeiten. Er nutzt die Zeit auch gerne zur Lektüre von Management-Literatur.

Für Appel ist die Reise ein "voller Erfolg". Er hat rund 3000 Mitarbeiter gesehen, sich mit 200 Kunden sowie Post-Regulierern getroffen. Seine Visitenkarten mit chinesischen Schriftzeichen musste er nachdrucken lassen. Die Aufmerksamkeit in der lokalen Presse war schon zu Beginn enorm. Inzwischen hat sich bei Politikern herumgesprochen, dass es das Image schmückt, sich mit dem Chef von DHL sehen zu lassen. Um zwölf Uhr trifft er sich in einem Fünf-Sterne-Hotel in Shenzhen zum Mittagessen mit dem Bürgermeister der Stadt.

DHL wappnet sich für schlechte Zeiten

Der Termin wird kurzfristig in das Programm gedrückt. Doch Lobbyarbeit ist wichtig. Der chinesische Staat verbietet ausländischen Firmen den Transport eiliger Sendungen innerhalb Chinas. Appel äußert offiziell Verständnis dafür. Doch der Post-Chef bleibt hartnäckig. Die Logistikkosten lägen im bevölkerungsreichsten Land der Welt bei mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts – deutlich höher als in Deutschland. Solche Argumente sollen Behörden überzeugen, künftig auch Lizenzen für den heimischen Expressmarkt anzubieten.

Denn auch DHL in China muss sich für schlechtere Zeiten wappnen. Wenn Konzerne wie Hewlett-Packard oder Philips, die in China produzieren und teilweise per DHL verschicken, husten, kann sich die Post-Tochter schnell anstecken. Abschwünge erwischen Logistiker mit doppelter Wucht. Und die Euro-Krise wirft auch in China Schatten.

Leute wie Kelvin Leung sollen es dann richten. Der DHL-Speditionschef in Nordasien ist in Hongkong geboren. Er kennt die Lage. Fabriken wandern zusehends in Städte im Westen des Riesenreichs wie Chengdu (Appel: "eine Stadt wie Seattle mit viel Grün"). Lastwagen mit Nummernschild von Shenzhen dürfen dort etwa keine Waren ausliefern. Firmen müssen sich neu anmelden. "Wir haben gute Kontakte zu den Zollbehörden", sagt Leung. "So können wir Probleme schnell angehen."

Appel setzt auf internationale Experten

Für Appel sind lokale Manager die besseren Problemlöser. In den USA erlitt die Post beim Versuch, auf dem Express-Inlandsmarkt Fuß zu fassen, ein 7,5 Milliarden Euro teures Fiasko. Schuld daran waren auch Deutsche mit ihrer Arroganz, alles besser zu wissen. "So etwas darf sich nicht wiederholen", sagt Appel. Er besetzte daher den Vorstand mehrheitlich mit internationalen Experten. Dabei folgt er der Devise: "Stelle immer nur Leute ein, für die du selbst gerne arbeiten würdest."

Bei Vorstandssitzungen, so berichten Insider, übernimmt Appel die Rolle des Moderators. Um die Treffen während der drei China-Wochen nicht ausfallen zu lassen, kommen sämtliche Post-Vorstände für zwei Tage nach Shanghai und nutzen die Reise für Asientermine. So trifft Brief-Vorstand Jürgen Gerdes Führungskräfte der Sparte Global Mail, die den internationalen Briefversand organisiert. Natürlich hat Appel in den Vorstandsmeetings das letzte Wort, berichten Insider, doch er selbst sagt, er könne "mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen gut zusammenarbeiten".

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