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Post-Chef Appel Wie ein Express-Paket auf Weltreise

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Appel spielt Fußnote

Post-Chef Appel beim siebten Termin des Tages Quelle: Presse

Der 50-Jährige fummelt sein zehn Jahre altes Nokia-Handy aus der Innentasche seines dunklen Sakkos. Die graue Farbe ist teilweise abgeplatzt. "Das brauche ich nur alle vier Tage aufladen", sagt Appel schmunzelnd und ist sichtlich stolz auf seine Rarität. Mitarbeiter rollen die Augen, wenn sie den antiken Apparat sehen. Aber Appel schwört auf die genial einfache Menüführung. Zudem dient es ihm als Wecker. Mehr braucht er nicht.

Auf der Autofahrt durch China wirkt Appel entspannt, wägt aber seine Worte immer ab. Er erzählt über sich – ein bisschen. Er spricht über seine Familie – und bittet, sie nicht zu erwähnen. Er wirkt kumpelhaft – doch bleibt er selbst bei engen Mitarbeitern beim "Sie". Ein kleines Video von ihm per iPhone filmen – tabu. Appel spielt lieber Fußnote. Doch das ist er gerade nicht.

Als ihn ein Mitarbeiter zu Beginn des Townhall Meetings wegen seines Doktors in Neurobiologie als "smart" und "intellektuell" vorstellt, wandert sein Blick auf den Boden. Gleichwohl weiß Appel, dass einem Chef in China gehuldigt werden muss: "Mir wird hier der rote Teppich ausgerollt." Die DHL-Manager des Landes stehen am Flughafen Spalier. Er wäre auch mit weniger Aufmerksamkeit zufrieden. Doch das ist chinesische Kultur.

Welle kommt in China an

Dennoch glaubt Appel an die weltweit einheitliche Konzern-DNA, die auf Respekt und Leistung gründe. "Wir sind zunächst Mensch und dann Deutsche und Chinesen", ist Appels Philosophie. Seit 2009 rückt die von ihm initiierte "Strategie 2015" daher neben Profitabilität auch Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit in den Fokus. Appel ist überzeugt, dass seine Ansätze in Asien Früchte tragen: "Wir haben vor vielen Jahren in Bonn einen Stein in den Teich geworfen und sehen jetzt, dass die Welle in China ankommt." Appels Nachname bedeutet phonetisch ins Chinesische übersetzt "friedliches Wellenrauschen".

"Die Zeit" bezeichnete ihn jüngst als einen Anti-Alpha, als einen Beta-Buben, der sich eher in der Rolle eines Konzern-Dieners sieht: weltoffen, zurückhaltend, idealistisch. Zusammen mit Managern wie Kasper Rorsted, Chef des Düsseldorfer Konsumgüterkonzerns Henkel, entwickle sich eine neue Generation von Entscheidern. Auch Rorsted verlegte vor einem Jahr die Henkel-Zentrale für kurze Zeit nach China.

Beide sind befreundet. Als Appel den "Zeit"-Artikel las, rief er Rorsted an. Die Beschreibung schmeichelte ihm, weil er sich gerne in dieser Rolle wiederfindet. Appel hält den Begriff des Chief Executive Officer für überholt. Er spricht vom Chief "Energy" oder "Enabling" Officer. Er wolle die Energie des Unternehmens erhöhen.

20 Prozent des Konzernumsatzes kommen aus Asien

Das scheint in Asien der Fall zu sein. Die drei DHL-Divisionen Express, also das Geschäft mit dem schnellen Dokumenten- und Paketversand, Spedition und Lieferkettenmanagement genießen dort einen guten Ruf bei Kunden und Arbeitnehmern, sagen Branchenexperten. Fast 20 Prozent des Konzernumsatzes stammen aus Asien, mehr als 30 Prozent sollen es bis 2017 sein. DHL Express erreicht dies schon jetzt. Den avisierten Betriebsgewinn (Ebit) für 2012 erhöhte der Konzern vergangene Woche trotz abkühlender Konjunktur sogar leicht auf 2,7 Milliarden Euro – Hauptkonkurrent UPS senkte jüngst seine Prognose.

Den Grundstein in China legten Appels Vorgänger 1980 mit dem Start eines Joint Ventures mit dem Transportunternehmen Sinotrans. Insgesamt hat DHL hier mehr als zwei Milliarden Euro in den Ausbau der Drehkreuze investiert. In den drei Wochen eröffnete Appel drei weitere Megabauten: unter anderem den drittgrößten Hub für DHL Express nach Leipzig und Cincinnati in den USA und ein riesiges Umschlagzentrum in Hongkong. Nebenbei jettete Appel zu den DHL-Dependancen in Peking, Chengdu und Taipeh.

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