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Post-Chef Appel Wie ein Express-Paket auf Weltreise

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Den Kunden das Leben einfacher machen

Die größten deutschen Arbeitgeber in China
Knorr-Bremse Quelle: Screenshot
Heraeus Quelle: Foto: Heraeus
Henkel Quelle: Pressebild
Evonik Quelle: Pressebild
Bertelsmann Quelle: dapd
Schenker Quelle: dapd
Freudenberg Quelle: Pressebild

Dazu gehört auch, dass Appel eine Woche zuvor die gelb-rote DHL-Uniform anzieht und sich einen Nachmittag lang an der Seite eines Zustellers durch den Stadtverkehr der 1500 Kilometer entfernten Millionenmetropole Shanghai kämpft. Der Mitarbeiter habe ihm gesagt, er trage die Pakete gerne aus, berichtet Appel in Shenzhen, weil er seinen Kunden so "das Leben einfacher macht". Appel zeigt mit seiner Hand ins Publikum: "Das machen Sie jeden Tag."

Pathetische Sätze, bewegende Worte, serviert mit unbeweglicher Körpersprache. Doch Appels hanseatisch-bodenständige Art kommt bei den zurückhaltenden Chinesen gut an. Der Applaus ist lauter als am Anfang. "Danke, dass Sie hier sind", "danke, dass Sie uns die Strategie näherbringen", "danke für die großartige Rede", sagen Mitarbeiter, nachdem sie aufgestanden sind und sich vorgestellt haben.

Von einem Termin zum Nächsten

Sie dürfen "Mister Appel" vier Fragen stellen: Welche Bedeutung der Kauf des holländischen Konkurrenten TNT durch den US-Logistikriesen UPS für DHL habe, will etwa eine junge Chinesin in souveränem Englisch vom Chef wissen. Ob DHL nicht wie UPS und FedEx stärker in Südchina investieren müsse, fragt ein Kollege. Appel antwortet: Die Integrationsarbeit werde UPS und TNT noch lange beschäftigen. Und Südchina könne aus Hongkong bestens bedient werden.

Mehr Zeit bleibt nicht. Das Treffen mit Managern eines wichtigen Großkunden ließ Appel zu spät kommen, nun beendet ein Folgetermin das Townhall Meeting nach nur einer Stunde. Der schwarze Audi wartet vor dem Hotel und fährt Appel zum Lunch mit dem Oberbürgermeister von Shenzhen. Wie ein Expresspaket auf Weltreise rauscht Appel durch die DHL-Stationen.

Für die dreiwöchige Verlagerung des Vorstandsbüros nach China wird Appel von seinem engsten Stab begleitet. Die Büroleiterin aus Bonn gehört dazu – Appels rechte Hand auf der Reise. Sie koordiniert Strategiesitzungen, Kunden-Meetings und Treffen mit Geschäftspartnern. Sie wacht über den Zeitplan und zieht die Strippen im Hintergrund, falls Unvorhergesehenes passiert. Ein Krisenszenario wurde vor der Abreise in Bonn durchgeplant. Im Notfall hätte Appel Termine gestrichen und wäre in ein DHL-Büro gefahren, um sich dort per Festnetztelefon oder Videokonferenz nach Bonn zu schalten. Doch zum Glück brennt die Hütte in der Zeit nicht.

Stärken und Schwächen der Post
Stärke 1: Volle KassenDer Verkauf der Postbank machte es möglich: Weil der Deal den Bonnern vor drei Jahren 4,9 Milliarden Euro in die Kassen spülte, besitzt der Dax-Konzern heute unter dem Strich ein Geldpolster von 938 Millionen Euro. Die Mittel nutzt er vor allem für Investitionen in effizientere Briefzentren und für den Ausbau des asiatischen Express- und Frachtgeschäfts. Umfangreiche Zukäufe wie unter dem einstigen Vorstandschef Klaus Zumwinkel, die insbesondere in den USA mit Milliardenverlusten endeten, soll es dagegen nicht mehr geben. Außerdem flossen vergangenes Jahr 2,37 Milliarden Euro Cash in die Kasse - 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
Schwäche 1: Teures EU-UrteilDamit hatte Post-Chef Frank Appel (Foto) nicht gerechnet: Ende Januar entschied EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, dass die Bonner ungerechtfertigt erhaltene Staatsbeihilfen an den Bund zurückzahlen sollen - und zwar in einer Höhe von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro. Der Dax-Konzern habe nicht nur staatliche Beihilfen erhalten, um die hohen Pensionslasten des einst von Beamten geführten Staatsunternehmens auszugleichen. Mit derselben Begründung habe ihr die Regulierungsbehörde auch ein höheres Briefporto gewährt, was einer doppelten Begünstigung gleichgekommen sei. Die Post wird in den nächsten Monaten zahlen müssen, klagt aber gegen Brüssel. Quelle: dpa
Stärke 2: Starker AnkeraktionärÜber die bundeseigene Bank KfW besitzt der Bund - als einziger meldepflichtiger Aktionär - immer noch 30,5 Prozent aller Aktien. Die Ratingagentur Standard & Poor's wertet das positiv. Weil im Ernstfall wohl der Staat eingreifen würde, sinkt laut S&P das Insolvenzrisiko. Quelle: obs
Stärke 2: Stabilisiertes BriefgeschäftLange Zeit sah es so aus, als ob das Internet dem traditionellen Briefgeschäft die Ertragsgrundlage rauben könnte. Beispiele aus den USA, den Niederlanden oder Italien zeigten, dass der konkurrierende E-Mail-Verkehr den Zustellern hohe Verluste bescherte. Auch für die Bonner Briefträger halbierte sich der Betriebsgewinn (Ebit) seit 2004. Doch nicht nur der Umsatzschwund wurde inzwischen erfolgreich gestoppt, auch die Betriebsergebnisse stabilisierten sich knapp oberhalb der Milliarden-Euro-Grenze. Quelle: AP
Ausgleich bringt der Internethandel, der in Deutschland jährlich im zweistelligen Prozentbereich wächst. Laut HGB-Bilanz verlor die Post 2011 beim Umsatz zwar 162 Millionen Euro im klassischen Briefgeschäft, das nur noch 5,36 Milliarden Euro erlöste. Das deutsche Paketgeschäft aber, das etwas irreführend unter der Marke „DHL“ von der Brief-Sparte geführt wird, wuchs um 243 Millionen auf 2,77 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Schwäche 2: InnovationsflopUm der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen. Bislang aber zählen Marktforschungsinstitute gerade einmal 200.000 Nutzer pro Monat. Zudem stehen Konkurrenten mit Dumpingpreisen vor dem Start. Quelle: dapd
Schwäche 3: Hohe Konzernkosten389 Millionen Euro kostete den Konzern 2011 sein Headquarter, kaum weniger als im Jahr zuvor. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich 2011 mit Verwaltungsaufwendungen von 109 Millionen Euro. Quelle: ZB

Besuch zwischen Tourismus und Terminen

Die Arbeitstage von Appel unterscheiden sich hier kaum vom Bonner Alltag. Er steht morgens um sechs Uhr auf und frühstückt im Hotel. Letzte Anrufe erledigt er gegen 22 Uhr. In Shanghai nutzt er ein Büro in einer DHL-Niederlassung, oft erledigt er Dinge aber im Hotel. Am Wochenende nimmt er sich frei für ein wenig Tourismus.

Pünktlich um 6.45 Uhr wartet die Limousine vor dem Hotel Intercontinental in Hongkong. Es gewittert, Regen rauscht vom Himmel, drückende 28 Grad. Im angenehm klimatisierten Auto greift Appel sich auf den ersten Metern der Fahrt ins rund eine Autostunde entfernte Shenzhen ein Schinken-Sandwich. Sieben eng getaktete Termine stehen heute an.

Wie jeden Morgen öffnet der frühere McKinsey-Berater im Auto sein iPad, auf dem er seine Dokumente speichert, setzt die Lesebrille auf und checkt seine E-Mails. Nur 20 bis 25 erhält er pro Tag. Enge Mitarbeiter wissen, dass er lieber telefoniert als mailt. Wer ihn sprechen will, lässt sich besser einen Telefon-Termin geben.

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