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Post-Chef Appel Wie ein Express-Paket auf Weltreise

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Mut zum Fehler

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Jing jeng Quelle: REUTERS
Qian ming Quelle: AP
Shang wu can

Dafür kann er auch auf Ruhm verzichten. Als er 2005 als Leiter der Speditionssparte den Kauf des britischen Konkurrenten Exel verantwortete, schlug er den Chefposten der zusammengelegten Bereiche aus. Ein Risiko für die Karriere. Doch Appel hielt den Exel-Chef wohl für die bessere Wahl – wie es ihm schon oft um die Sache ging. Seine Wissenschaftskarriere als Neurobiologe hängte er nach seiner Promotion an den Nagel, weil es den Leuten "nicht um Erkenntnisgewinn ging, sondern darum, als Erster auf dem Paper zu stehen".

Vorgänger Klaus Zumwinkel entdeckte das Talent Appels, als dieser noch als McKinsey-Berater bei der Post unterwegs war. Beide treffen sich bis heute regelmäßig. Von Zumwinkel habe er gelernt, auf Argumente zu hören, Meinungen auch zu ändern und Mut zu haben, Fehler zu machen. Die erfolgreichen Zukäufe unter Zumwinkel würden daher das US-Desaster rechtfertigen. "Nur wer keine Entscheidungen trifft, kann Fehler vermeiden", sagt Appel.

Er gibt sich kumpelhaft - und bleibt beim "Sie"

Die Einweihung des neuen Logistikzentrums im Hafen von Shenzhens zollfreier Sonderzone ist ein weiteres Expansionsprojekt. Auf der Fahrt dorthin kippt der Zeitplan: Stau auf der Schnellstraße. Als DHL-Manager Leung auf dem Beifahrersitz im Audi nach 20 Minuten Stillstand sichtlich nervös wird, fragt Appel: "Wie geht es eigentlich Ihren Kindern?"

Der entspannte Umgang mit Stresssituationen ist eine Spezialität Appels, berichten Vertraute. Dann wechsele der Post-Chef zu belanglosen Themen oder löse die Anspannung mit einer Portion Humor, den ihm nur wenige zutrauen. Als einer seiner Mitarbeiter vor der Grenze zwischen Hongkong und Shenzhen aus dem Auto aussteigen muss, weil er vergessen hatte, sein Visum zu verlängern, spöttelt Appel: "Dann sehe ich Sie wohl erst in Deutschland wieder."

Leicht verspätet erreicht Appel dann das Logistikzentrum, das die Post mit Immobilienentwickler China Merchants Group (CMG) eröffnet – letzter Programmpunkt des Tages. Ein Mitarbeiter reicht ihm den Zettel mit dem Ablauf. "Ich soll also den roten Knopf drücken", sagt Appel. "Aha."

Eröffnung zwischen Marschmusik und Konfettiregen

Der Ablauf ist chinesische Routine. Frauen in roten Seidengewändern stecken Appel für das Foto eine Blume ins Knopfloch. In der heißen und stickigen Halle muss er Konfettiregen und Marschmusik über sich ergehen lassen. Appel lobt die "hohe Wirtschaftskraft der Region" und das "hohe Potenzial" für die Logistikhalle. Eine Vertreterin des Großkunden Philips wünscht DHL "Marktführerschaft und Erfolg in China".

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Bei den Fragen der lokalen Presse fühlt er sich dann aber doch sichtlich unwohl. Er sitzt zwischen Vertretern seines Geschäftspartners und Kollegen der DHL-Division. Doch es fehlt ein Dolmetscher, der ihm die Fragen und die Antworten der Anwesenden übersetzt. Er dreht seine vor ihm stehende Mineralwasserflasche, schaut mal rechts, mal links, knibbelt am Etikett, faltet und öffnet seine Hände. Hier kann Appel nur dabeisitzen, nicht agieren. Aber er lässt es über sich ergehen. Seine Mannschaft aus China wird wohl wissen, was sie tut.

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