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Post-Chef Frank Appel Das Image des Musterknaben ist angekratzt

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Post bleibt unter den Erwartungen

Bis eine neue IT in der Frachtsparte läuft, könnten noch Jahre vergehen. Zurzeit steht nicht einmal fest, wer das neue System liefern soll. Die Post halte auch Ausschau nach Alternativen, sagt Appel.
Auch die Kontraktlogistik erfüllt noch nicht die Erwartungen. Die Sparte, in der Lagerleistungen und Zuliefererdienste gebündelt sind, steckt in einem Umbau. Das drückte den Gewinn im Halbjahr um elf Prozent auf rund 170 Millionen Euro. Spätestens 2016 muss der Umbau Ergebnisse bringen. Bis 2020 soll die Sparte eine Milliarde Euro abwerfen, so Appels ambitionierter Plan.

Als die Post im Jahr 2000 an die Börse ging, versprach Appels Vorgänger und Ex-McKinsey-Kollege Klaus Zumwinkel eine neue Zukunft. Der Staatskonzern würde sein Briefmonopol verlieren, das jedoch mit neuen Unternehmen im Fracht-, Logistik- und Expressgeschäft mehr als wettmachen. Richtig in Erfüllung ging diese Prophezeiung bis heute nur in der Expresssparte mit zeitgenauen Lieferungen für Firmenkunden, die aus der US-Firma DHL hervorging. Die angepeilte Marge von zehn Prozent wird längst übertroffen.

Der Bereich ist Appels wichtigste Stütze für den Gewinn, noch vor dem Brief- und Paketbereich. Doch neben den Abschreibungen in der Frachtsparte hat der Vorstand auch für die beiden Gewinnbringer Einmaleffekte in der Höhe von 200 Millionen Euro angekündigt - für Pensionsrückstellungen und neue juristische Risiken, heißt es dazu aus der Zentrale nur vage. Auch damit hat Appel Analysten und Aufsichtsräte überrascht.

Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

Immerhin sind im Paketbereich keine großen Umstrukturierungen nötig. Das wichtigste Ziel für die Sparte hat der Vorstand beim Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi durchsetzen können: Das Lohnniveau in der Sparte wird sich in den kommenden Jahren deutlich absenken. Möglich machen das die neuen Tochterfirmen im Paketbereich, in denen die Post ihre Zusteller nicht nach dem Haustarif bezahlen muss.

Im schrumpfenden Briefmarkt setzt Appel auf einen bewährten Kurs: Erhalt der monopolartigen Stellung dank bester Kontakte zur Politik. Wie gut ihm das gelungen ist, zeigt die angekündigte Portoerhöhung von 62 auf 70 Cent für einen Standardbrief im kommenden Jahr. Bis zu 350 Millionen Euro Mehreinnahmen könnte die dem Konzern bringen.

Profitables Beinahe-Monopol

Möglich machte das die Bundesregierung zusammen mit der Bundesnetzagentur. Bis zu diesem Jahr konnte die Post das Porto nur jährlich in kleinen Schritten und auf Antrag anheben. Die kommende Preiserhöhung aber gilt gleich für drei Jahre und fiel entsprechend üppig aus. Außerdem muss sich die Post bei ihren Forderungen nicht mehr nur an der Inflation orientieren, sondern darf auch die Kennzahlen europäischer Konkurrenten ansetzen. Das schafft neue Spielräume.

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Wie viel die Post daran genau verdient, bleibt ihr Geheimnis. Schon vor Jahren hat Appel auch das Paketgeschäft in die staatlich gehätschelte Sparte gepackt. Nicht einmal Analysten wagen Schätzungen, wie viel der 1,2 Milliarden Euro Gewinn aus dem Briefbereich stammt.

Die Strategie bringt Appel unter Dauerbeschuss. Konkurrierende Paketdienste werfen ihm vor, mit den Briefgewinnen die Paketzustellung zu subventionieren. Briefbeförderer beklagen, die Post missbrauche ihre Marktmacht, um Wettbewerber mit Rabatten für Großversender fernzuhalten. Das Bundeskartellamt wirft ihr vor, den Wettbewerb zu behindern. Bisher kam Appel glimpflich davon. Als das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in diesem Sommer die Portoerhöhungen zwischen 2003 und 2005 als zu großzügig einstufte, brachte das dem Kläger nur ein paar Tausend Euro.

Der Beinahe-Monopolstatus hilft der Post so, die ausbleibenden Gewinne im Frachtgeschäft noch länger auszuhalten. Eine Milliarde Euro bringt er aber nicht.

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