Post-Streik Appel kritisiert Verdi

Die Gewerkschaft Verdi macht ihre Drohung im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post wahr: Gestreikt wird ohne Frist. Post-Chef Appel wirft der Gewerkschaft vor, aus Eigeninteresse zu handeln.

huGO-BildID: 35878818 Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, stellt am 12.03.2014 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) Unternehmensbilanz vor. Der Paketboom zu Weihnachten und eine gesunkene Steuerlast haben der Deutschen Post 2013 einen überraschend hohen Gewinnsprung beschert. Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Manche Briefkästen in Deutschland werden am Dienstag leerbleiben. Im Tarifkonflikt forderte die Gewerkschaft Verdi das Unternehmen zu einem einigungsfähigen Angebot auf. „Es ist jetzt an der Post, möglichst schnell einzulenken und uns ein Ergebnis, was wir auch annehmen können, vorzulegen“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Am Montagnachmittag hatten Beschäftigte in den Briefverteilzentren bundesweit einen unbefristeten Streik begonnen. Später sollten auch Briefträger und Paketboten einbezogen werden.

„Wir werden die Menschen Zug um Zug in diesen Arbeitskampf führen“, sagte Kocsis. Die Post sei konkurrenzfähig und mache Riesengewinne, so die Verdi-Verhandlungsführerin. „Die Post gewinnt Jahr für Jahr Marktanteile von diesem riesigen, wachsenden Paketmarkt dazu und deswegen hat die Post heute kein Problem mit den Mitbewerbern.“

Post-Chef Frank Appel zeigte sich hingegen zuversichtlich, dass das Unternehmen die Folgen des unbefristeten Streiks abfedern kann. „Wir hatten ja in diesem Jahr schon 28 Streiktage und können damit umgehen“, sagte er der Zeitung „Bild“. Der Manager kritisierte zugleich den Kurs der Gewerkschaft in dem Tarifkonflikt. Es stelle sich die Frage, ob Verdi „vorrangig Eigeninteressen oder die wirklichen Interessen der Arbeitnehmer“ verfolge. Appel kündigte an, hart zu bleiben.

Post-Streik: Was Sie jetzt wissen müssen

Die Forderungen der Gewerkschaft seien „leider kein Beitrag zur Lösung unseres Kernproblems“, sagte er der Zeitung. „Unsere Löhne liegen doppelt so hoch wie bei unseren Wettbewerbern – wenn wir so weitermachen, entstehen neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung nur noch bei der Konkurrenz.“

In dem Tarifkonflikt geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 140.000 Beschäftigten. Vor allem aber wird über die schlechtere Bezahlung bei 49 neu gegründeten regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung gestritten. Die dort angestellten rund 6000 Paketboten werden nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern erhalten die oft niedrigeren Löhne der Logistikbranche. Verdi will erreichen, dass sie tariflich unter das Dach der Post zurückkehren. Appel sagte dazu: „Wir verstehen nicht, was Verdi gegen 6000 unbefristete Arbeitsplätze hat, die nach Verdi-Tarifverträgen bezahlt werden und immer noch 50 Prozent über den Löhnen unserer Wettbewerber liegen.“

Die Post habe sich in sechs Verhandlungsrunden keinen Millimeter bewegt, kritisierte Verdi-Verhandlungsführerin Kocsis. Auch auf ein Ultimatum der Gewerkschaft war das Unternehmen in der vergangenen Woche nicht eingegangen.

Bei der Post arbeiten 138.000 Tarifbeschäftigte und 40.000 Beamte. Letztere streiken nicht. Daher hatte die Post auch bei wochenlangen Warnstreiks zuletzt einen Teil ihres Angebots aufrechterhalten können. Millionen Briefe und Pakete kamen allerdings deutlich verspätet an.

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