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Post-Streik Deutschland wird zum "Streikland"

Briefe wird es heute nur in wenigen Briefkästen geben. Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Streiks bei der Post aus. Der Arbeitgeber-Präsident warnt: Die vielen Streiks gefährden den guten Ruf der deutschen Wirtschaft.

In dem Post-Tarifkonflikt geht es um Bezahlung und Arbeitszeit für rund 140.000 Beschäftigte bundesweit. Quelle: dpa

Nachdem zum Wochenanfang der Ausstand in den Briefverteilzentren gestartet war, sollen jetzt Schritt für Schritt Briefträger und Paketboten eingebunden werden. Am Dienstag waren nach Gewerkschaftsangaben rund 8000 Beschäftigte unbefristet in den Streik getreten. Inzwischen befänden sich 14 500 Beschäftigte des Bonner Konzerns - darunter 6500 Zusteller - im Dauerstreik, teilte Verdi mit. Die Post nannte jedoch nur eine Zahl von 11 000 Mitarbeitern. Bestreikt werden derzeit bundesweit 83 Briefverteilzentren. Dabei blieben nach Angaben der Post rund 7 Millionen Briefsendungen oder 11 Prozent aller zugestellten Briefe liegen.

Die Post gab sich gelassen. "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir die Auswirkungen für unsere Kunden aufgrund unserer Ausgleichsmaßnahmen weiterhin gering halten. Etwa 88 Prozent der Briefe und 93 Prozent der Pakete kämen pünktlich an."

Hintergrund des Tarifkonflikts ist die Ausgründung von 49 regionalen Paketgesellschaften. Verdi sieht darin einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Management. In diesen Unternehmen arbeiten bereits mehr als 6000 Paketboten, die nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche. Verdi will erreichen, dass sie tariflich unter das Dach der Post zurückkehren.

Andrea Kocsis, Verdi-Verhandlungsführerin und Vize-Chefaufseherin des Bonner Konzerns, sagte der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“, der Ausstand werde fortgesetzt, solange sich das Unternehmen nicht bewege.

Post-Streik: Was Sie jetzt wissen müssen

Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer sieht durch die vielen Streiks in Gefahr den Ruf der deutschen Wirtschaft. Vor allem in ehemaligen Staatsbetrieben oder früher öffentlich finanzierten Unternehmen wie der Post seien die Gewerkschaften oft gar nicht an einer raschen Lösung von Tarifkonflikten interessiert, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) der „Passauer Neuen Presse“: „In diesen Bereichen gibt es leider aufseiten der Gewerkschaften immer noch keine ausgeprägte Verhandlungskultur.“

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Zum laufenden Post-Streik und zum inzwischen in die Schlichtung eingetretenen Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sagte er: „Es ist fatal, wenn die Zuverlässigkeit der deutschen Wirtschaft von unseren Kunden zukünftig schlechter bewertet wird. Deutschland wird plötzlich als Streikland wahrgenommen.“ Es gebe außerdem die Tendenz, dass Tarifverhandlungen instrumentalisiert werden, um andere Ziele als Lohnerhöhungen zu erreichen. Dies wird etwa der GDL in ihrer Abgrenzung zur größeren, konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft vorgeworfen.

Währenddessen scheint sich beim Post-Streik vorerst keine Bewegung abzuzeichnen: Post-Chef Frank Appel hatte in der „Bild“-Zeitung die Frage gestellt, ob Verdi mit den Streiks „vorrangig Eigeninteressen oder die wirklichen Interessen der Arbeitnehmer“ verfolgt. Andrea Kocsis, Verdi-Verhandlungsführerin und Vize-Chefaufseherin des Bonner Konzerns, sagte der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“, der Ausstand werde fortgesetzt, solange sich das Unternehmen nicht bewege.

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