Post-Streik Einigung möglich, trotz zäher Verhandlungen

Geld, Arbeitszeiten, Jobsicherheit - darum geht es in der schwierigen Post-Tarifrunde. Die Verhandlungen dauerten den ganzen Samstag bis in die Nacht. Am Sonntag rückt eine mögliche Einigung nun langsam näher.

Eine Einigung im Tarifstreit scheint möglich. Quelle: dpa

Im Tarifstreit zwischen der Post und der Gewerkschaft Verdi ist auch am dritten Tag des Verhandlungsmarathons kein Durchbruch in Sicht. "Ein Kompromiss scheint zwar möglich, es wird aber noch intensiv diskutiert", sagte ein Verdi-Sprecher am Sonntag nach Verhandlungen von über 36 Stunden. Ein Sprecher der Post betonte dagegen, es seien bereits viele Punkte besprochen worden, daher sei für ihn ein Scheitern kaum noch vorstellbar. Die Gespräche zwischen den beiden Parteien wurden am Freitag nach einem knapp vierwöchigen Streik wieder aufgenommen und waren ursprünglich auf zwei Tage angesetzt. Die Verhandlungen laufen nun jedoch zäher als erwartet. Verdi hat mehrfach betont, dass solange gestreikt werde, bis eine Einigung mit der Post gefunden sei.

Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis und Post-Personalchefin Melanie Kreis müssen sich mit zahlreichen Themen befassen - von Arbeitszeitregelungen über Lohnerhöhungen bis hin zum Kündigungsschutz. Zudem läuft die Gewerkschaft Sturm gegen neue Subunternehmen, in denen die Post Beschäftigten niedrigere Löhne zahlt, als sie im Konzern üblich sind.

Zentraler Streitpunkt ist die Ausgliederung regionaler Paketgesellschaften bei schlechterer Bezahlung. Dort arbeiten rund 6500 Menschen, ihre Zahl soll steigen. Verdi lehnt das strikt ab.

Die Regionalgesellschaften sind aber nur ein Punkt von vielen. Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Geld und eine Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich für die Postler. Sie bietet ein Entgegenkommen an, falls die Post die Paketgesellschaften in den Haustarif aufnimmt. Das weist der Konzern als „nicht verhandelbar“ zurück, wie Vorstandschef Frank Appel vor Verhandlungsbeginn noch einmal bekräftigt hatte.

Außerdem geht es um eine mögliche Verlängerung des Kündigungsschutzes, der zum Ende des Jahres ausläuft. Alle Teilfragen würden im Gesamtpaket verhandelt, hieß es bei Verdi.

Der inzwischen fast vierwöchige unbefristete Streik sorgt inzwischen zunehmend für Beschwerden von Kunden. In manchen Städten bleiben Briefe nach Schilderungen von Betroffenen wochenlang liegen. Stark betroffen ist demnach zum Beispiel Berlin. Klagen kommen vor allem von Online-Händlern, deren Lieferungen verspätet das Ziel erreichen und die Probleme mit ihren Kunden bekommen.

Post-Streik: Was Sie jetzt wissen müssen

In der Bevölkerung findet der Ausstand einer Umfrage zufolge insgesamt weiter Rückhalt. Wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer am Freitag veröffentlichten Befragung ermittelte, haben 63 Prozent der Bundesbürger Verständnis für den Arbeitskampf. Nur 29 Prozent lehnen ihn kategorisch ab.

Dabei hat fast die Hälfte der Bundesbürger inzwischen die Auswirkungen des Streiks persönlich zu spüren bekommen. Insgesamt 42 Prozent der 1370 Befragten gaben an, durch den Tarifkonflikt bereits wichtige Post zu spät erhalten zu haben.

Der inzwischen vierwöchige Poststreik ging während der Verhandlungen weiter. Die Post setzte am Sonntag nach Auskunft eines Sprechers punktuell in einigen Regionen erneut Aushilfskräfte ein, um liegengebliebene Briefe und Pakete zuzustellen.

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