Privatpleitier Vural Öger Die Hölle des Löwen

In der Vox-Show „Höhle der Löwen" machte er Jagd auf Start-Ups. Nun ist der Reiseunternehmer Vural Öger pleite. Auf seinen Insolvenzverwalter kommt reichlich Arbeit zu.

Vural-Öger Quelle: Ursula Düdpa

Millionen von Gastarbeitern und Touristen reisten mit ihm in die Türkei, später versuchte er sich als Abgeordneter des EU-Parlaments und testete Jungunternehmer in der TV-Sendung „Höhle der Löwen". Nun hat der Unternehmer Vural Öger beim Amtsgericht München Privatinsolvenz angemeldet. Ein Verfahren zeichnet sich ab, bei dem es vor allem darum gehen wird, Vermögenswerte für die Gläubiger zurück zu holen.

So hat Öger ab Herbst 2015 Immobilien und Unternehmensanteile an Geschäftspartner, Familienangehörige und Banken übertragen. Darunter befanden sich laut „Spiegel Online“ unter anderem seine Privatvilla in Hamburg, Anteile seiner Beratungs- und Investmentgesellschaften, ein Bürogebäude in Hamburg und Grundstücke im türkischen Bodrum.

Das Problem dabei: In unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Verkäufen und Übertragungen hatten Ögers Reiseunternehmen V.Ö.T. Travel und  Öger Türk Tur Insolvenz angemeldet. Damit dürfte auch eine spätere Privatinsolvenz Ögers absehbar gewesen sein und die Frage steht im Raum, ob Öger sein Privatvermögen gezielt vor dem Zugriff der Gläubiger schützen wollte. Im Umfeld Ögers weist man das entschieden zurück. So seien die Unternehmensbeteiligungen, die übertragen wurden, de facto wertlos. Die türkische Immobilien seien an eine Bank gegangen, an die die Häuser als Sicherheit verpfändet waren. Zudem habe „Öger alles versucht, um die Insolvenzen abzuwenden“.

Klar ist: Im Pleitefall können Insolvenzverwalter Geschäfte des Schuldners rückabwickeln. Das Instrument sind dabei so genannte Anfechtungsklagen, die aber oft über Ausgleichszahlungen und freiwillige Rückübertragungen des Schuldners vermieden werden. „Da sind wir dran“, sagte Ögers Insolvenzverwalter Matthias Hofmann von der Münchner Kanzlei Pohlmann Hofmann der WirtschaftsWoche. Öger habe bereits „zugesagt, Gespräche mit einzelnen Geschäftspartnern zu vermitteln, damit eine Lösung zu möglichen Anfechtungsvorgängen erarbeitet werden kann“, so Hofmann. In Deutschland kann das relativ zügig gehen. Heikel dürfte es für Hofmann werden, mögliche Ansprüche auf Vermögenswerte im Ausland – insbesondere in der Türkei – durchzusetzen.

Doch der Jurist gilt als Spezialist für komplexe Verfahren. So war Hofmann etwa gemeinsam mit seinem Kanzleikompagnon Rolf G. Pohlmann zuletzt bei der Abwicklung des Skandal-Fondsvertriebs dima24 im Einsatz.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%