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Privatsender fordern gemeinsame Aufsicht Gebühren-Kontrolleure zu inkompetent für Prüfauftrag

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Endlose Zahlenkolonnen - keine Klarheit


Die beliebtesten Moderatoren 2012
Nach dem kleinen Aussetzer im letzten Jahr hat Günther Jauch wieder den Titel als Deutschlands TV-„Über-Moderator“ erstritten. Das hat er sicher nicht zuletzt auch seiner neuen Polittalk-Sendung zu verdanken. In der Umfrage werden ihm vor allem Überzeugungskraft und Kompetenz zugeschrieben. Auch in Sachen Glaubwürdigkeit und Sympathie kann ihm aber kaum einer das Wasser reichen. Jauch schafft es zudem, sich nicht in einem Maße vor die Kamera zu drängen, dass die Zuschauer seiner überdrüssig werden. Quelle: dpa
Aufholbedarf hat Günther Jauch offenbar noch als Polittalker. Zwar holt er auch in dieser Kategorie den ersten Platz und hängte mit Sandra Maischberger die First Lady der politischen Talkrunde ab. Gegenüber beispielsweise Peter Hahne (Platz 2, links im Bild) fehlt es ihm allerdings noch an dem letzten Quäntchen Fachkompetenz. Hahne kann aber auch lebensnah talken, wie sein Gespräch mit dem „Wetten, dass...“-Unfallopfer Samuel Koch belegt. Quelle: dpa
Den dritten Platz unter den beliebtesten Polittalkern macht mit ihrer gleichnamigen Talkshow ARD-Moderatorin Anne Will (R). Und nicht nur das: Die Zuschauer wünschen sich von ihr sogar mehr Bildschirmpräsenz. Quelle: dpa
Den ersten Platz in der Kategorie „ Show-Moderation“ hat Günther Jauch sich wieder zurückgeholt, nachdem Thomas Gottschalk im letzten Jahr überraschend auftrumpfte. Er erreicht in diesem Jahr einen Score von 8,2 Punkten und lässt damit Hape Kerkeling mit einem Wert von 8,0 hinter sich. Das hat Jauch vor allem seiner Glaubwürdigkeit und Sympathie zu verdanken. Denn unter dem Gesichtspunkt „Kernkompetenz Show“ liegt Kerkeling vor ihm. Quelle: dapd
Der dritte Platz im Show-Bereich ging an Jörg Pilawa. Hinter ihm kraxelte Barbara Schöneberger von Platz fünf auf Platz vier, muss sich diesen aber mit Ex-Stefan-Raab-Sklave und „1, 2 oder 3“-Moderator Elton teilen. Quelle: dpa
Ist es sein verschmitztes Grinsen? Auch Jauchs Attraktivitäts-Wert im Mafo-Ranking ist stark gestiegen und liegt nun immerhin bei 6,4 Punkten. Bei den Befragten gilt der Moderator außerdem als besonders humorvoll und gebildet. Doch Jauch muss auch eine Niederlage einstecken. Im letzten Jahr beurteilten ihn noch mehr als 40 Prozent der Zuschauer als schlagfertig. Nur noch 30 Prozent sehen das in diesem Jahr genauso. Mit anderen Worten: Jauch darf gegenüber seinen politischen Gästen auch gern mal die verbale Keule auspacken. Quelle: dpa
Der einzige Held des Moderatoren-Rankings ist Jauch natürlich nicht. Auch Jörg Pilawa bekommt langsam wieder Oberwasser - und ist daher auch außerhalb des TV-Studios gern gesehener Gast, zum Beispiel als Werber für die Welthungerhilfe. Nachdem er im vergangenen Jahr von ARD zum ZDF wechselte, hat er sein Image wieder verbessern können. Nun machte Pilawa sogar den ersten Platz unter den Talkshow-Moderatoren. Silber geht in dieser Rubrik an Barbara Schöneberger zusammen mit Markus Lanz. Quelle: dpa

Ebenfalls von außen prüfen die Landesrechnungshöfe die Sender und ihre Töchter, ob sie die Gebühren effizient einsetzen. Zwischen der KEF und den Rechnungshöfen – der eine bewertet, wie viel Geld die Sender wollen, der andere, wie sie damit umgegangen sind – gibt es personelle Überschneidungen: KEF-Vorsitzender Heinz Fischer-Heidlberger ist zugleich Präsident des Bayerischen Obersten Rechnungshofes. Selten gehen die Höfe ans Eingemachte: Die Bayern schauten sich etwa 2011 die Finanzierung der Serie „Dahoam is dahoam“ einmal genauer an und machten dem Bayerischen Rundfunk anschließend detaillierte Sparvorgaben.

Zwar finden sich in den Kontrollberichten der KEF endlose Zahlenkolonnen über Programmstunden und Personalkosten. Doch weder in den KEF-Wälzern noch in den Gutachten der Rechnungshöfe, die Ministerpräsidenten und Landtagen vorgelegt werden, finden sich präzise Angaben darüber, was Gebührenzahler wissen wollen: was Talkshow-Moderatoren wie Günther Jauch oder Vorzeige-Journalisten wie Claus Kleber verdienen, wie viel Gebührengeld für den Kauf teurer Sportrechte etwa für Olympia, Fußballweltmeisterschaft oder Champions League draufgeht. Auch Informationen darüber, welche Produktionsunternehmen für wie viel Geld welche Aufträge von ARD und ZDF erhalten, sucht man vergeblich.

ZDF-Intendant Thomas Bellut begründet die Verschwiegenheit vor allem damit, dass sein Sender in Konkurrenz stünde und dem Wettbewerb keinen Vorteil bieten wolle. „Herr Bellut übersieht nur eins: Er verfügt über öffentliche Gelder, da darf der Beitragszahler doch wohl erfahren, was damit geschieht“, rügt VPRT-Mann Schmid.

Muskeln gezeigt

Bei wichtigen und millionenschweren Verträgen sind tatsächlich oft nicht einmal die zuständigen Rundfunk- und Verwaltungsräte voll im Bilde. Für gewiefte Intendanten war es etwa ein Leichtes, gewünschte prominente Moderatoren an den Gremien vorbei zu engagieren. So geschehen 2004 bei der Verpflichtung von Harald Schmidt für die ARD. Der schloss seinen Vertrag mit der Filmeinkaufstochter Degeto, die von allen ARD-Anstalten gemeinsam finanziert wird. Das hatte aus Sicht der Intendanten einen charmanten Vorteil: Keiner der beteiligten Sender musste gegenüber seinen Gremien Rechenschaft ablegen.

Selten nur begehren diese, von Jauch einst als „Gremlins“ verspottet, öffentlich sichtbar gegen Entscheidungen der Intendanten auf. Zugeschlagen hat vor einigen Jahren der Verwaltungsrat des WDR, der die Arbeit des Intendanten überwacht, als es um die Verlängerung eines Vertrags mit dem Profi-Boxstall Sauerland ging. Von 2013 bis 2015 sollte der den Kampfsportlern mehr als 50 Millionen Euro einbringen. Sender und Boxer waren sich längst einig, ehe das Kontrollgremium mit einem Jahr Verspätung einen Blick auf den Kontrakt werfen durfte – und endlich einmal die Muskeln anspannte. Die Verwaltungsräte halbierten die Laufzeit des Vertrags und strichen die Gage zusammen. Der Boxer-Stopp blieb jedoch die Ausnahme.

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Als das ZDF 2011 für offiziell nie bestätigte 54 Millionen Euro die Rechte an der Champions League kaufte, lobte dies der Fernsehratsvorsitzende Ruprecht Polenz ausdrücklich – der solche Deals kritisch kontrollieren sollte. Löste der Kauf auch früher schon Kritik aus, müssen sich ARD und ZDF darauf einstellen, dass mit Einführung des neuen Rundfunkbeitrags ihr Kontrollsystem noch stärker infrage gestellt wird. Tabea Rößner, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag: „ARD und ZDF wissen, dass der Legitimationsdruck hoch ist und weiter steigen wird. Mit solchen Fällen wie den Vorgängen um ,Wetten, dass..?‘ machen sie sich angreifbar.“

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