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ProSiebenSat.1-Vorstand Christian Wegner "Freie Werbeplätze sind unser Zaubertrank"

Das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 will nach dem Einstieg beim Musikanbieter Deezer weitere Online-Händler kaufen. Digitalvorstand Christian Wegner erklärt, wie die eigenen TV-Sender dabei helfen.

Die bekanntesten Musik-Portale im Internet
Amazon startet Prime Music in Deutschland und Österreich - als Bestandteil von Amazon Prime ohne zusätzliche Kosten. Quelle: obs
Apple Music Quelle: dpa
Die seit März 2012 existierende Plattform Spotify bietet mehr als 30 Millionen Songs an. Eine Gratis-Version erlaubt das Anhören der Musik mit Werbeunterbrechungen. Zusätzliche Premiumfunktionen wie das Downloaden von Liedern sind wie bei den meisten Streaming-Angeboten kostenpflichtig. Nach eigenen Angaben hat Spotify mehr als 75 Millionen Nutzer, 20 Millionen von ihnen zahlen. Der Streaming-Dienst ist in 58 Ländern verfügbar. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich
Die Streaming-Plattform Deezer ist vor allem in Frankreich sehr beliebt. 2007 startete sie als erster Gratis-Streamingdienst auf dem Markt. Heute kostet eine Mitgliedschaft, wie auch bei vielen anderen Diensten, Geld. Kostenlos gibt es nur ein Radio-Angebot und Lied-Ausschnitte. Die Plattform ist mittlerweile in mehr als 180 Ländern verfügbar. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich Quelle: Screenshot
Mit Ampya versucht die ProSiebenSat.1 Media seit 2011 auf dem boomenden Markt der Streaming-Dienste Fuß zu fassen. Beflügelt durch viel Werbung auf den TV-Kanälen des Medienunternehmens zählt Ampya zu den bekanntesten Diensten in Deutschland. 2014 wurde Ampya von Deezer mit dem Ziel übernommen, in Europa noch weiter zu wachsen. Preis: kostenlos bis 9,99 Euro monatlich Quelle: Screenshot
Seit 2012 ist WiMP aus der Bethaphase heraus. Gegründet wurde der Musikstreamingdienst in Norwegen, wo sein Mutterkonzern "Aspiro" sitzt. WiMP gibt es bis jetzt in fünf Ländern zu hören: Deutschland, Norwegen, Dänemark, Schweden und Polen. "Aspiro" spielt schon mit dem Gedanken WiMP auch in Finnland, Portugal, Österreich und der Schweiz zu etablieren. Mit einer hohen Sound-Qualität (gegen Aufpreis) und einem eigenen Redaktionsteam, das Musik empfiehlt, will sich WiMP von der Konkurrenz abheben. Preis: 4,99 bis 19,90 Euro monatlich
Napster startete als Musiktauschbörse und wurde schnell zur Plattform für illegale Raubkopien. Auf rechtlichen Druck der Musik-Industrie wurde die Plattform 2001 geschlossen. Der legale Streaming-Dienst gleichen Namens bietet mehr als 25 Millionen Songs und ist damit einer der größten überhaupt. Nach einer kostenlosen Testphase gibt es den Dienst allerdings nur noch gegen Geld. Preis: 7,95 bis 9,95 Euro monatlich Quelle: AP

Herr Wegner, ProSiebenSat.1 hat mit Ampya einen eigenen Musikstreaming-Dienst aus dem Boden gestampft. Nun wird er von Konkurrent Deezer übernommen, haben Sie die Konkurrenz doch unterschätzt?

Im Gegenteil. Wir haben in gerade mal einem Jahr mit Ampya eine starke Musikmarke mit einem soliden Abo-Geschäft aufgebaut. Das ist auch Deezer nicht verborgen geblieben. Mit unserer strategischen Allianz gehen wir hier nun gemeinsam einen Schritt weiter. Wir bringen das operative Ampya-Geschäft in die Partnerschaft ein und beteiligen uns im Gegenzug an dem internationalen Streaming-Dienst.

Zur Person

Können Sie damit Spotify paroli bieten? Selbst Apple und Google tun sich schwer.

Die langjährige Expertise von Deezer vereint mit unserer Marketing-Power bilden die besten Voraussetzungen, Platz 1 in Deutschland, dem drittgrößten Musikmarkt der Welt, zu erklimmen. Und das ist das gemeinsame Ziel. Deezer ist bereits in mehr als 180 Ländern verfügbar und verzeichnet mehr als 16 Millionen aktive User monatlich. Das Angebot umfasst rund 30 Millionen Songs.

Zudem haben wir mit Starwatch das viertgrößte deutsche Label im Portfolio und auch unsere Video Community MyVideo hat eine sehr gute Reputation im Musik-Business. Da gibt es viele Synergien, noch dazu mit unseren TV-Sendern im Rücken. Nicht zu vergessen: Im Mobilfunk haben wir mit Vodafone einen starken Partner an unserer Seite. Deezer wird diese Kooperation von Ampya übernehmen und weiter fortführen. Sie sehen, wir haben die besten Start-Voraussetzungen.

Sie bieten Musik, Videospiele, Online-Handel – keine Angst sich zu übernehmen?

Nein. Aber das geht natürlich nur, wenn man exzellente Teams für jedes Geschäft hat – und das haben wir.

Sie werben für immer mehr Internet-Firmen, mit wie vielen haben Sie eine Umsatz- oder Firmenbeteiligung?

Derzeit sind es rund 60 Unternehmen. Pro Stunde dürfen wir ja zwölf Minuten Werbung senden, die kann kein TV-Unternehmen bis zur letzten Sekunde kapitalisieren. Vor vier Jahren haben wir dann jungen Unternehmen, die sich Fernsehwerbung noch nicht leisten können, Kooperationen angeboten und bekommen im Gegenzug für unsere Medialeistung eine Minimum-Garantie sowie eine Umsatz- oder Unternehmensbeteiligung. Wir führen sie damit an das Medium Fernsehen heran und fördern damit zugleich auch die Start-up-Kultur in Deutschland.

Wie bei Zalando?

Genau, das war das erste große Beispiel. Damit haben wir auch das Paradigma gebrochen, dass für Internet-Firmen nur Online-Werbung funktioniert. Diesem Beispiel sind inzwischen viele weitere gefolgt. Unsere Strategie ist es, unabhängiger von klassischen Werbeeinnahmen zu werden und in neue digitale Geschäftsmodelle zu investieren. Die freien Werbeplätze sind dabei unsere wichtigste Ressource, unsere internen Dollars oder unser Zaubertrank.

Das Geschäft mit dem Musik-Streaming

Wie viele Minuten haben Sie für die Zusatzwerbung frei?

Das schwankt je nach Sendeplatz.

Gibt es keine Konkurrenz mit den zahlenden Kunden?

Das klassische TV-Geschäft geht klar vor. Wir stimmen uns da eng mit den Kollegen unserer Vermarktungstochter SevenOne Media ab. Teilweise sind mehrere in der gleichen Branche, sprich es sind oftmals direkte Konkurrenten, denen sie Media-Leistungen anbieten. Da sind wir agnostisch, wie sonst bei der klassischen TV-Werbung auch. Sie werden bei uns jedoch keine Spots von Unternehmen direkt hintereinander ausgestrahlt sehen, die untereinander im direkten Wettbewerb stehen.

Im Vorjahr gab es viele Zukäufe, in diesem Jahr auch?

Wir wachsen sowohl organisch als auch durch Zukäufe. Unsere Strategie ist es verstärkt cluster zu bauen, also mehrere Firmen aus einem Segment zu kaufen oder selbst aufzubauen, die sich optimal ergänzen und im Ganzen mehr sind als die Summe ihrer Teile. So wie im Reisebereich, in dem wir Portale wie weg.de, Wetter.com, Billiger-Mietwagen und MyDays bündeln.

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