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Prüfer auf dem Prüfstand Stiftung Warentest in der Kritik

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Glaubwürdigkeit in Gefahr

Gegen Ritter Sport kassierte die Stiftung Warentest vor Gericht eine Niederlage. Quelle: dpa

Doch diese Mechanismen können nicht verhindern, dass das Bild der unfehlbaren Warentester ins Wanken geraten ist. Immer häufiger wehren sich die Hersteller gegen die Urteile. Denn der Schaden einer schlechten Note ist enorm. Nicht nur lesen Tausende die Tests selbst. Die Ergebnisse werden auch von anderen Medien übernommen und zitiert. Wer in ihren Test schlecht abschneidet, muss sich Sorgen um seine Verkaufszahlen machen. Ein "mangelhaft" im Warentest-Urteil kann zum Misserfolg eines ganzen Produktes führen.

Auch die Warentest-Sprecherin weiß,  "dass die öffentliche Kritik, besonders von Anbietern, an unserer Arbeit zugenommen hat."

Zuletzt zog Ritter Sport gegen die Stiftung Warentest vor Gericht – und gewann. Nach einem Urteil des Landgerichts München dürfen die Prüfer der Stiftung Warentest dem Schokoladenhersteller nicht mehr vorwerfen, seine Produkte irreführend gekennzeichnet zu haben.

In einem Test von Vollmilch-Nuss-Schokoladen hatte die Stiftung der Ritter Sport-Tafel die Note "mangelhaft" gegeben, weil die Schokolade das Vanille-Aroma Piperonal enthalte, das künstlich hergestellt worden sei. Das Verpackungs-Versprechen "natürliches Aroma" sei also falsch und irreführend, so der Vorwurf.

Das sah das Landgericht anders, die Warentester erlitten eine bittere Niederlage. Aber: "Der Gerichtsstreit mit Ritter Sport ist noch nicht zu Ende", erklärt die Warentest-Sprecherin und verweist darauf, dass bereits Berufung eingelegt wurde.

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Dass die Stiftung Warentest mit aller Macht gegen das Gerichtsurteil vorgeht und sich gegen die Kritiker wehrt, ist kein Wunder. Bislang galten die Urteile der Organisation als nahezu unangreifbar. Macht und Einfluss der Warentester basieren einzig und allein auf ihrer Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen der Öffentlichkeit. Das ist bislang enorm.

Aus einer repräsentativen Umfrage, die der Wirtschaftswoche vorliegt, geht hervor, dass die Deutschen der Stiftung sehr viel mehr vertrauen als staatlichen Institutionen. 82 Prozent der Befragten bringen ihr sehr großes oder großes Vertrauen entgegen, wenn es um die Durchsetzung von Verbraucherinteressen geht. Zum Vergleich: Die Verbraucherzentrale kommt auf 77 Prozent, das Bundesamt für Verbraucherschutz auf 60 Prozent und Parteien auf gerade einmal 14 Prozent an positiven Stimmen.

Sollte dieses Vertrauen unter der anhaltenden Kritik und durch Fehlurteil leiden, wäre die Stiftung Warentest 50 Jahre nach ihrer Gründung in Gefahr. Kein Verbraucher braucht einen Wächter, dem nicht zu vertrauen ist.

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