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PwC Wirtschaftsprüfer stehen vor tiefgreifendem Wandel

Das größte deutsche Prüfungs- und Beratungsunternehmen PwC expandiert – auch im Ausland. Gleichzeitig aber will Chef Winkeljohann kleinere Standorte dicht machen.

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PwC will kleinere Standorte schließen und Angestellte an größeren Standorten arbeiten lassen Quelle: dapd

Der Job des Wirtschaftsprüfers und Steuerberaters gilt als krisensicher. Das schützt die Mitarbeiter aber nicht vor einschneidenden Änderungen. Da ist zum einen der Preiskampf im nur noch schwach wachsenden Geschäft mit der jährlichen Prüfung von Unternehmensbilanzen, der zu Sparmaßnahmen zwingt. Hinzu kommt die europaweite Regulierung, die den schnelleren Wechsel von Prüfungsmandaten erzwingt. Beides führt dazu, dass die ohnehin schon an monatelange Einsätze weit entfernt von ihren Heimatstandorten gewohnten Prüfer jetzt noch flexibler werden müssen.

Berater sollen zukünftig an größeren Standorten arbeiten

Das zeigt sich beim Prüfungsriesen PwC, der sieben von 30 deutschen Standorten schließen will. Betroffen sind 241 PwC-Mitarbeiter, davon etwa ein Viertel mit dem öffentlich anerkannten und aufwendigen Wirtschaftsprüfer- oder Steuerberaterexamen. Weitere 600 Mitarbeiter aus den Zentralbereichen IT, Buchhaltung, Personal und Öffentlichkeitsarbeit sollen von Frankfurt nach Düsseldorf verlagert werden, ganz einfach, weil die Mieten am Rhein billiger sind. Unter den Mitarbeitern der Servicebereiche sind allerdings so gut wie keine Berufsträger. Erstmals berichtet über die Schließungen hatte das FINANCE Magazin. Am Donnerstagabend dann stellte PwC-Chef Norbert Winkeljohann die Pläne Journalisten vor. Umgesetzt wird das alles recht rasch – bis Ende 2016.

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    Stellen streichen will Winkeljohann dabei allerdings nicht. Alle betroffenen Mitarbeiter sollen an anderen Standorten weiter beschäftigt werden. Die Karlsruher etwa wechseln nach Stuttgart, die Oldenburger nach Bremen. Gestrichen werden auch die PwC-Standorte Magdeburg, Siegen, Freiburg und Mainz. Es dürfte aber klar sein, dass nicht alle den Wechsel mitmachen können, etwa weil sie aus familiären oder finanziellen Gründen an ihre Heimat gebunden sind. Nicht allen kleineren Standorten geht es an den Kragen. So bleibt die PwC-Niederlassung in Kassel bestehen, weil sich das Unternehmen dort nachhaltiges Geschäft verspricht.

    Umziehen oder gehen

    Es dürfte nicht die letzte Verlagerungsaktion gewesen sein, die PwC umsetzen wird. Der von der EU erzwungene Wechsel bei großen Prüfungsmandaten könnte weitere Umzüge notwendig machen. Am Standort Hannover etwa sind viele PwC-Fachleute stationiert, die sich um die Jahresabschlussprüfungen des Topkunden Volkswagen kümmern. Fällt dieses Mandat an einen anderen Prüfer, dürfte der Personalbedarf am Standort Hannover deutlich sinken. PwC müsste dann Kapazitäten in Regionen verschieben, in denen es neue Mandanten gewinnt. Arbeitslos werden die Prüfer und Berater also auf absehbare Zeit nicht, sie müssen aber ihre Lebens- und Arbeitsmittelpunkte deutlich verschieben oder den Arbeitgeber wechseln, um in der angestammten Region bleiben zu können.

    Digitalisierung verändert auch die Prüferbranche

    Damit nicht genug. Auch die Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeit verordnet der Prüferbranche einen tiefgreifenden Wandel. Neue Wundermaschinen sind nicht nur in der Lage, Standardaufgaben wie den Versand und die Verarbeitung von Saldenbestätigungen bei Bilanzprüfungen abzuwickeln. Auch gibt es schon Computerprogramme, die komplexe juristische Verträge analysieren und auf Rechtsrisiken hinweisen können.

    In der Prüferbranche gefragt sind daher nicht mehr nur Wirtschaftswissenschaftler und Juristen, sondern auch technikaffine Mitarbeiter aus der Mathematik sowie den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Auf den steigenden Bedarf an Absolventen aus diesen sogenannten MINT-Fächern hat auch schon Martin Plendl hingewiesen, Chef des PwC-Konkurrenten Deloitte. Um sich auf neue Digitaltechniken vorzubereiten, kooperiert PwC unter anderem mit dem US-Internetriesen Google.

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      Schrumpfen wird PwC durch die Standortschließungen jedoch nicht. So wurde die Strategieberatungsfirma Booz&Company und der Datenexperte cundus übernommen. Zudem treibt Deutschlandchef Winkeljohann den Aufbau eines europäischen Prüfungs- und Beratungskonzerns voran. Dem Zusammenschluss beigetreten sind bereits die Niederlande, Belgien und Österreich. Auch die Türkei mit 35 Partnern und 1400 Mitarbeitern kommt dazu.

      In Deutschland wurden im zurückliegenden Geschäftsjahr 1721 neue PwC-Mitarbeiter eingestellt, im Vorjahr waren es 1500. Der Umsatz wuchs um 6,3 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro, das stärkste Wachstum kam aus der Steuer- Rechts- und Unternehmensberatung. Das stagnierende Prüfungsgeschäft legte immerhin um 1,3 Prozent zu.

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