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Quartalszahlen Tesla: Die Pleite muss warten

Tesla-Quartalszahlen: Die oft beschworene Pleite bleibt aus Quelle: dpa

Hohe Verluste, aber steigende Produktionszahlen und Nachfrage sowie bessere Liquidität im laufenden Quartal – die oft beschworene Pleite des Elektroautoherstellers bleibt weiter aus.

So ungewöhnlich wie Tesla als Autohersteller agiert, sind auch die Präsentationen seiner Quartalsberichte. Während beispielsweise Apple-CEO Tim Cook und sein Finanzchef Luca Maestri sorgfältigst vorbereitete Statements rezitieren und danach ihnen nicht genehme Fragen rhetorisch kunstvoll umschiffen, schickt das Duo aus Elon Musk und Deepak Ahuja kurz vor der Präsentation einen schriftlichen Lagebericht heraus. Das gibt mehr Zeit für das, was viele CEOs lieber so kurz wie möglich halten: Das Beantworten von Fragen. Weil Musk kein begnadeter Redner ist und aus dem Stegreif formuliert, wirken seine Darlegungen oft chaotisch. Aber sie sind dadurch authentisch, unberechenbar und somit interessant.

Musk wirkte bei der Verkündung zwar wie so oft zerstreut und überarbeitet, hatte jedoch gute Laune. Während er über die Herausforderungen bei der Autofertigung fachsimpelte – der größte Engpass ist die Verfügbarkeit von Akkus – legte die Aktie seines Unternehmens im nachbörslichen Handel um streckenweise bis zu 11 Prozent zu, was den Unternehmenswert um rund fünf Milliarden Dollar erhöhte.

Denn Musk hatte durchweg Positives zu berichten. Tesla hat im zweiten Quartal zwar mit 743 Millionen Dollar den drittgrößten Verlust seiner Geschichte hingelegt. Doch der Umsatz ist parallel auf den Rekordwert von vier Milliarden Dollar gestiegen. Und die Gewinnzone ist in Sicht. Musk bekräftigte, dass er im dritten und vierten Quartal schwarze Zahlen erwarte. Im zweiten Quartal produzierte Tesla 53.339 Autos, lieferte jedoch nur 40.768 davon aus. Die Diskrepanz liegt wahrscheinlich daran, dass Tesla mit dem Verzögern das Maximum des an Zulassungszahlen gekoppelten US-Steuerrabatts um ein weiteres Quartal verlängern konnte.

Die Ausgaben im vergangenen Quartal waren so hoch, weil das Unternehmen keine Anstrengungen scheute, die Fertigung seines Massenmarktmodells Model 3 auf Touren zu bringen, inklusive dem Errichten eines Produktionszeltes auf dem Fabrikgelände in Fremont sowie dem Einfliegen von Ausrüstung seines deutschen Automatisierungsspezialisten Grohmann. Dafür hat Tesla die Produktion laut Musk ausweiten können, konnte die Ende Juni erreichte Fertigungskapazität von 5000 Model 3 pro Woche aber auch im Juli wiederholen. Allerdings ein halbes Jahr später als in Aussicht gestellt.

Für Ende August peilt der Unternehmenschef eine Model 3 Wochenproduktion von 6000 Stück an, die bis Jahresende auf 10.000 erhöht werden soll. Und er versprach ab dem dritten Quartal einen positiven Cash Flow. “Wir könnten neues Kapital an den Märkten aufnehmen, müssen und wollen es aber nicht”, bekräftigte Musk. Tesla hatte Ende Juli noch 2,2 Milliarden Dollar auf der hohen Kante.

Das Ausweiten der Produktion werde zudem wesentlich weniger kosten, weil viele Investitionen in die Fertigungslinie bereits getätigt seien. Statt neuer Produktionslinien sollen die bestehenden besser ausgelastet werden, was bis zu einer Milliarde Dollar an Anschaffungskosten für Ausrüstung sparen soll.

Auch die in China geplante Akkufabrik, deren Kosten Analysten auf fünf Milliarden Dollar schätzen, werde aufgrund des gewonnenen Erfahrungsschatzes mindestens die Hälfte günstiger sein als das Vorbild in der Wüste von Nevada. Wenn nötig, werde Tesla zum Finanzieren Darlehen von chinesischen Geldinstituten aufnehmen.

Auch für Europa wird eine Akkufabrik erwogen. Doch Zeitplan und Standort sind offen. Die Behauptung eines Analysten, dass eine Regulierungsbehörde Tesla das Aufnehmen zusätzlichen Kapitals verboten habe, verwies Finanzchef Ahuja ins Reich der Fabeln.

„Elon Musk kann deutsche Expertise in der Teslaproduktion gebrauchen“

Seit Mitte Juli können US-Käufer das Model 3 auch ohne Einladung zum Reservieren ordern. Die Mehrzahl dieser neuen Bestellungen sind laut Musk die Allrad-Variante sowie die Performance-Version, also die beiden Spitzenmodelle, die zwischen 60.000 und 78.000 Dollar kosten. Interessenten, die seit April 2016 auf die 35.000 Dollar Basisversion warten, werden weiter enttäuscht. Es scheint, als ob US-Käufer sogar den Marktstart der teureren Modelle in Europa abwarten werden müssen, der Ende des Jahres geschehen könnte. Das wird für böses Blut unter treuen Tesla-Fans sorgen. Denn ab Anfang nächsten Jahres wird sich in den USA der Steuerrabatt von 7500 Dollar um die Hälfte vermindern.

Mit den unpopulären Maßnahmen will Musk spätestens im zweiten Quartal nächsten Jahres auf die versprochenen Profitmargen von 25 Prozent beim Model 3 kommen. Im vergangenen Quartal betrugen diese drei Prozent, im laufenden Quartal sollen sie auf 15 Prozent gesteigert werden und bis Jahresende 20 Prozent erreichen. Am meisten überraschten Musks Aussagen, dass er auch beim Einstiegsmodell Profitmargen von 25 Prozent erwartet, verbunden mit den dann höheren Fertigungsraten.

Musk entschuldigte sich bei den beiden Analysten, deren Fragen er bei der Präsentation der Zahlen des ersten Quartals als “langweilig und blöde” bezeichnet hatte. Er sei überarbeitet gewesen, “bei Tagen mit bis zu 20 Arbeitsstunden”.

Ob die Tesla-Aktie am Donnerstag ihren Höhenflug vom nachbörslichen Handel halten kann, wird auch davon abhängen, ob Musk seine temperamentvollen Tweets und seinen Ärger über Leerverkäufer diesmal im Zaum halten kann.

Klar ist, dass die Tesla-Aktie weiterhin nur was für Anleger mit starken Nerven oder Musk-Jünger  ist. Denn nach dem Model 3 stehen mit dem SUV-Crossover Model Y, dem Sattelzug Tesla Semi und der Produktion in China die nächsten riskanten Wetten an. Das Gerücht, dass Tesla demnächst pleite ist, wird den Autohersteller deshalb noch lange verfolgen.

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