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Quartalszahlen Warum Lufthansa das Krisenprogramm so schwerfällt

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Woher soll zusätzliches Geld kommen?

Dafür wird die Linie wohl oder übel bislang Undenkbares tun müssen. Die bisherigen Stützen der Bilanz müssen geschwächt werden. Dazu gehört der Verkauf der bislang fast komplett im Eigenbesitz befindlichen Flotte, die Spohr zurückleasen müsste, selbst wenn das mittelfristig teurer wird. Denn jetzt bekäme er für seine Jets nur wenig Geld. Doch steigt mit dem Fluggeschäft die Nachfrage nach Mietmaschinen, klettern auch die Leasingraten.

Zusätzliches Geld könnte auch der Verkauf eines mehr oder weniger großen Teils der Wartungstochter Lufthansa Technik bringen. Doch mit jedem Prozent weniger Anteil sinkt im Aufschwung auch der Anteil an den Überschüssen. „Aber es rechnet sich, wenn mit den Erlösen die Schulden und damit der Kapitaldienst deutlich sinkt“, meint ein Insider.

So kompliziert bereits dieser Teil wirkt, richtig hart wird es erst noch. Denn die Coronakrise hat vor allem eines gezeigt: Lufthansa braucht nicht nur niedrigere Kosten, sondern vor allem flexiblere. Die – wie auch bei Air France-KLM und mit Abstrichen IAG – im Vergleich zu Billigfliegern wie Ryanair und Wizz hohen Quartalsverluste rühren vor allem aus mangelnder Anpassungsfähigkeit der Ausgaben. So brach der Flugumsatz im vergangenen Quartal bei allen Airlines um 95 Prozent und mehr ein. Doch bei Ryanair lag der Fehlbetrag gemessen am Umsatz bei nicht mal einem Viertel dessen, was Lufthansa & Co. verloren haben.

Der Hintergrund: Ryanair gelang es, die Ausgaben in der Krise um etwa 85 Prozent zu drücken. Lufthansa schaffte nur rund 60 Prozent. Das rührt nicht nur daher, dass Ryanair schnell und rigoros die Gehälter kürzte. Wichtiger ist, dass Lufthansa vergleichsweise viele Dinge wie die Wartung und die Abfertigung am Flughafen selbst macht. Ryanair hingegen hat schon vor der Krise viele Dinge an Fremdfirmen vergeben. Somit entfielen mit der Arbeit auch ein großer Teil der Ausgaben – und die Probleme hatten dann eben die Geschäftspartner.

Diese Flexibilität wird künftig noch wichtiger. Zwar setzen weite Teile der Flugbranche bereits wieder auf ein langes Wachstum. Doch das Geschäft wird künftig schwerer planbar. Selbst wenn es eine Corona-Schutzimpfung gibt, dürfte die Nachfrage stärker schwanken als bisher. Das trifft vor allem Netzwerklinien wie Lufthansa. „Ihr Kern ist anders als bei Billigfliegern nicht der Urlaubsverkehr in Europa, sondern das Geschäft auf der Langstrecke und mit Geschäftsreisen“, sagt Andrew Lobbenberg, Analyst der Investmentbank HSBC in London.

In beiden Bereichen ist nicht nur völlig offen, wann sie wieder hochfahren. Sie funktionieren auch anders als die Ferienshuttles zum Mittelmeer. Letztere werden meist ein paar Wochen im Voraus gebucht und lassen sich leichter wieder einstellen. Urlaubsflüge nach Übersee hingegen werden Monate im Voraus gebucht, Geschäftsreisen oft nur Tage. Darum sind beide schwer abzusagen. Trotzdem muss Lufthansa Flüge anbieten und dafür mit Jets und Personal planen. „Sonst verlieren wir Fernurlauber und reisende Manager endgültig an die Golflinien“, so ein Lufthanseat. Aber wenn niemand bucht oder sich gar in einer Region die Coronapandemie verstärkt, muss die Lufthansa auch schnell und ohne große Ausgaben streichen können.

Es wird jedoch nicht möglich sein, das ohne einen Tabubruch hinzubekommen. „Flexiblere Kosten gibt es nur, wenn Lufthansa wie Ryanair das wirtschaftliche Risiko stärker als bisher auf Lieferanten und vor allem die Belegschaft verlagert. Die müssen dann mit ihren Einkommen Rückgänge ausgleichen ohne Aussichten in guten Zeiten einen Zuschlag zu bekommen“, so ein Berater. „Darauf können sich vor allem Gewerkschaften aber nur schwer einlassen.“

Auch wenn bislang nur wenig von Spohrs Rettungsrezept nach außen drang: Wer in den Konzern hineinhorcht, erfährt die Gründe für die Verschlossenheit. „Es dauert einfach länger. Das Programm bindet schließlich nicht nur die knapp 140.000 Lufthanseaten, die bis zu 500 Flughäfen und mehr als 1000 weiteren Lieferanten ein“, sagt ein Kenner des Konzerns. „Es muss auch beim ersten Aufschlag sitzen.“

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