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Rabattportal Top oder Flop - wohin Groupons Reise geht

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Selbst Google ist keine Konkurrenz

Die 10 größten Onlinehändler in Deutschland
Apple Quelle: AP
Alternate.de Quelle: Screenshot
Platz 8: Conrad.de Quelle: Screenshot
Tchibo.de Quelle: dpa
Platz 6: Bonprix.de Quelle: Screenshot
Cyberport.de Quelle: Screenshot
Platz 4: Notebooksbilliger.de Quelle: Screenshot

Selbst Groupon-Kritiker verweisen auf die globale Präsenz und die breite Kundenbasis sowie die gewaltigen Finanzressourcen des Konzerns, der über Bargeldreserven von 1,2 Milliarden Dollar verfügt.

In Deutschland mussten zudem zig Nachahmerseiten von Groupon, die im Zuge des Rabattfiebers entstanden waren, ihre Geschäfte mangels Erfolg einstellen. Selbst Google beerdigte alle Ambitionen im Rabattbusiness: Anfang 2013 stießen die Amerikaner den Groupon-Rivalen DailyDeal ab, den sie nur ein Jahr zuvor von den Berliner Gründern Ferry und Fabian Heilemann erworben hatten. Den Kampf um die Marktführerschaft in Deutschland hat Groupon klar für sich entschieden – doch der Preis war hoch. Noch immer spürt Groupon die Nachwehen der aggressiven Expansionsstrategie.

Außendienstler rückten aus und überzeugten Geschäftsleute mit teils robusten Methoden von der Kundenwerbung per Gutschein. "Das war ganz harter Vertrieb", erinnert sich ein ehemaliger Groupon-Mitarbeiter. Manch unerfahrener Pizzeria-Betreiber oder Massagestudio-Inhaber bemerkte denn auch erst, als der verabredete Deal über die Server rauschte, worauf er sich eingelassen hatte: Die Telefone standen nicht mehr still, Gutscheinkunden blockierten über Wochen Reservierungs- und Terminlisten und nahmen den Stammkunden die Plätze weg. Fortan galten Groupon-Kunden vielerorts als Schnäppchenhopper und Trinkgeldknauser – und die Deals als Abzockmasche.

Erfolg von Rabattaktionen ist ungewiss

"Da wurde viel Erde verbrannt", räumt ein früherer Manager des Portals ein. Doch vor dem Börsengang sei das egal gewesen, "Hauptsache Umsatz kam rein". Entsprechend allergisch reagieren heute viele Gastronomen, wenn sich der freundliche Groupon-Berater meldet und fragt, wie es mit einem neuen Deal aussieht.

Teilweise war den Partnern nicht ausreichend erklärt worden, dass Groupon-Aktionen in der Regel keinen Sofortgewinn abwerfen, sondern primär Marketinginvestitionen sind, um langfristig Neukunden zu gewinnen. Teils wurden einfach die Deal-Kontingente zu hoch angesetzt.

Zudem dürften nicht nur die Kosten und Einnahmen für einen konkreten Deal – etwa ein Steak-Menü – betrachtet werden, argumentiert Stehle. So kämen die Gutscheinkunden oft gemeinsam mit Freunden ohne Coupon ins Lokal, und spätestens beim zweiten – dann unrabattierten – Besuch eines zufriedenen Gastes lohne sich der Einsatz ohnehin.

Nur: Wie erfolgreich eine Coupon-Aktion inklusive aller Zusatz- und Anschlusseinnahmen wirklich ist, können die Partner bisher bestenfalls erahnen. Auch das will Stehle ändern und hofft zu einer Art "McKinsey für lokale Anbieter" zu wer- den. Die Partnerunternehmen sollen über Analysetools künftig messen können, wie hoch der Durchschnittsbon ihrer Groupon-Kunden ausfällt und was die Schnäppchenjäger zusätzlich konsumiert haben.

Das ist nicht mehr so gut wie früher

Allerdings sehen auch viele Konsumenten das Rabattportal skeptisch, zeigt der BrandIndex des Kölner Marktforschers Yougov. Über das Tool lässt sich die Wahrnehmung von Marken messen. Das Resultat: "Nach anfänglich positiven Imagewerten in Deutschland sackte das Image der Marke Groupon vor einem guten Jahr deutlich in den negativen Bereich", sagt Yougov-Experte Markus Braun. Damals sorgten kritische Berichte über das Geschäftsmodell für Schlagzeilen. Erst in den letzten Wochen ging es wieder leicht nach oben. "In den USA erreicht Groupon grundsätzlich deutlich bessere Imagewerte", so Braun.

Ohnehin wirkt der Konzern fast zweigeteilt, seit Eric Lefkofsky im März den Chefsessel von Mitgründer Mason übernahm. Während die Umsätze in Nordamerika im zweiten Quartal um 45 Prozent stiegen, brachen sie in Europa, Nahost und Afrika um 24 Prozent ein. Grund ist die Konzentration auf den Kernmarkt USA.

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