Rabattportal Top oder Flop - wohin Groupons Reise geht

Nach Rabattmanie und Börsendepression steht das Schnäppchenportal am Scheideweg: Kann das Unternehmen auf Dauer in der ersten Online-Liga mitspielen?

Der deutsche Groupon-Chef Stehle stemmt sich gegen Millionenverluste: Für 2013 verspricht er einen Gewinn Quelle: Götz Schleser für WirtschaftsWoche

Der Papier-Deal sorgte für Furore: 64 Rollen Toilettenpapier mit "Schmetterlings- oder Wellenprägung" für 17,90 Euro bot das Rabattportal Groupon seinen Kunden Ende September an. Schließlich, so befanden die Groupon-Werbetexter, "sollte man für alle Eventualitäten immer einen ausreichenden Vorrat in der Wohnung haben". Drei Lagen für den Verkaufserfolg? Wenn Groupon jetzt schon Klopapier verhökert, müsse so einiges am Dampfen sein – nur nicht das Geschäft, spotten frühere Mitarbeiter über die papierene Offerte.

Tatsächlich stellt sich die Frage, wie es mit Groupon weitergeht, jenem Online-Imperium, das innerhalb weniger Jahre von einer Chicagoer Hinterhofbude zum milliardenschweren Konzern avancierte, eine millionenfache Fangemeinde erobert und einen weltweiten Rabattrausch im Internet entfacht hat, um anschließend in eine nicht minder spektakuläre Krise zu geraten.

Erst gefeiert, dann vergessen?

Dabei schien sich die Groupon-Story nahtlos in die Riege der Online-Erfolgsgeschichten von Google, Facebook oder Amazon einzureihen. Händler, Gastronomen und Dienstleister können über zeitlich befristete Rabattangebote – die sogenannten Deals – neue Kunden gewinnen. Erstmals bekamen lokale Unternehmen so eine Marketingplattform im Netz.

Doch im November 2011 sorgte Groupon mit einem Skandalbörsengang für weltweite Schlagzeilen. Die Aktien wurden für 20 Dollar ausgegeben und stiegen vorübergehend auf 31 Dollar. Ein Jahr später notierte die Aktie unter vier Dollar. Denn die Geschäfte brachen ein, das Unternehmen stürzte in ein Führungschaos, selbst Gründer Andrew Mason musste den Chefposten räumen.

Nun, nach Rabattmanie und Deal-Depression, beginnt die entscheidende Phase. Kann Groupon auf Dauer in der ersten Online-Liga mitspielen, oder ist dem Portal das Schicksal der Digitalwelt Second Life und der mittlerweile abgeschalteten Suchmaschine Altavista beschieden – erst gefeiert, dann vergessen? Der deutschen Groupon-Dependance kommt dabei besondere Bedeutung zu. Denn von Berlin aus steuerte das Management jahrelang Groupons internationale Expansion. Zugleich treten wohl nirgendwo sonst die Schwächen des Geschäftsmodells stärker zutage, haben die Sünden der Vergangenheit gravierendere Auswirkungen als in Deutschland.

Die erfolgreichsten Groupon-Deals

Oberstes Ziel: Schwarze Zahlen

Emanuel Stehle wirkt auf den ersten Blick, als käme er gerade vom Fotoshooting für den jüngsten Fitnessstudio-Deal: 1,90 Meter groß, welliges Haar, Drei-Tage-Bart. Unter dem Sakko trägt er ein T-Shirt mit dem Aufdruck: The Local Firm. Das Shirt habe er kürzlich in einem Shop im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg gekauft, weil es perfekt zu seinem Job passe, sagt Stehle.

Er ist seit Ende Juli als Deutschland-Chef des Rabattportals dafür verantwortlich, dass jeden Tag reihenweise schmissig betexte Angebote von Restaurants und Cafés, Wellnessoasen und Zahnkliniken via Facebook oder E-Mail-Newsletter ihren Weg zu den Kunden finden. Eine heikle Mission, denn Stehle kämpft an allen Fronten.

Sein vorrangiges Ziel: Er muss dafür sorgen, dass Groupon auf dem wichtigsten europäischen Markt endlich schwarze Zahlen schreibt. Seit 2010 hat die deutsche Dependance Verluste von insgesamt mehr als 60 Millionen Euro angehäuft, geht aus den Jahresabschlüssen hervor. Das Portal dürfte 2012 in Deutschland rund 80 Millionen Euro umgesetzt haben, schätzen Insider. Für 2013 hat die Geschäftsführung einen "niedrigen einstelligen Millionengewinn" versprochen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%