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Radikale Angriffsstrategie Wie ein chinesischer Zughersteller den Zugverkehr in Europa umkrempelt

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Wie reagieren Siemens, Alstom und Bombardier auf CRRC?

Das zweite Paket mit acht Zügen könnte frühestens ab 2020 zur Deutschen Bahn wechseln. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Westbahn bei CRRC neue Züge beschaffen kann. Die größte Hürde dürfte die Zulassung der China-Züge sein. So ein Prozess könnte sich über Jahre hinziehen. Allerdings arbeiten die österreichischen Behörden erfahrungsgemäß schneller als das deutsche Pendant, das Eisenbahn-Bundesamt (EBA).

Das Projekt bleibt daher ehrgeizig, aber nicht unmöglich. Die Chinesen werden alles Mögliche in Bewegung setzen, um die eigenen Züge zugelassen zu bekommen und so einen Fuß in die Tür nach Europa zu setzen. CRRC hat in Wien bereits vor Jahren das Europa-Headquarter eröffnet. Die österreichische Politik dürfte daher sogar ein Interesse daran haben, dass CRRC im eigenen Land Fuß fasst. Das könnte den Deal beschleunigen. Ganz neu ist CRRC ohnehin nicht. In Tschechien läuft ein kleineres Projekt mit dem tschechischen Bahnbetreiber Leo Express.

Sollte der Westbahn-Deal klappen, wäre das bitter für die europäischen Zughersteller wie Siemens, Alstom, Bombardier und Stadler. Sie müssten einen weiteren Wettbewerber fürchten, der bekannt dafür ist, preiswert zu bauen, aber nicht einmal schlecht. Die Chinesen gelten mit ihrer Eisenbahntechnik inzwischen auch technologisch als mindestens ebenbürtig. China hat innerhalb von zwei Jahrzehnten das Riesenreich mit einem gewaltigen Hochgeschwindigkeitsnetz überzogen und Erfahrungen gesammelt.

Anfangs lieferte Siemens die Züge, heute bauen die Chinesen selber. Aus der Entwicklungshilfe der Münchener entstanden zunächst die zwei Zugbauer CNR und CSR, die 2015 zum weltweit größten Zuggiganten CRRC fusionierten. Das Unternehmen kommt heute auf einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Dollar und ist größer als Siemens und Alstom zusammen. Doch auch CRRC hat Sorgen. Weil der chinesische Bahnsektor nicht mehr so schnell wächst, sucht CRRC neue Projekte im Ausland.

Die Westbahn könnte also der Steigbügelhalter für CRRC nach Europa sein. Die Bahnbetreiber dürften das mit Interesse verfolgen. Flixtrain etwa sucht seit Jahren geeignete Züge für den Fernverkehr in Deutschland. CRRC könnte – irgendwann - eine Alternative sein.
Auch die Staatskonzerne selbst melden Interesse an. Die Westbahn ist zwar vor allem in privater Hand. Hinter der Marke steht die von Stefan Wehinger und Hans Peter Haselsteiner 2008 gegründete Rail Holding. Zu ihren Anteilseignern gehört inzwischen auch der französische Staatskonzern SNCF mit 17 Prozent.

Unklar ist derzeit noch, wie die Westbahn die neuen Züge von CRRC finanzieren will. Möglicherweise reichen die Verkaufserlöse der Gebrauchtzüge für den Kauf der Neuen. CRRC dürfte die Züge so billig verkaufen, dass sie damit selbst keinen Gewinn erzielt. Hauptsache, das Unternehmen wäre drin in Europa.

Eine entscheidende Rolle könnte der Zughersteller Stadler spielen, der die Flotte der Westbahn gebaut hat. In der Branche wird spekuliert, dass die Schweizer der Westbahn noch einmal entgegenkommen, damit der Bahnbetreiber die Stadler-Züge doch nicht verkaufen muss. Die Schweizer, die gerade an die Börse gegangen sind, wollen schließlich auch nicht, dass die Chinesen bald in ganz Europa zum ernsthaften Wettbewerber aufsteigen.

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