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Radikaler Umbau 2014 wird zum Jahr der Entscheidungen für Roland Koch

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Weniger Jobabbau als geplant

Kursverlauf der Bilfinger-Aktie

Das ist sie – und für Überraschungen gut. Treibt Koch womöglich die Stellenabbauzahlen künstlich hoch, um Cevian zu erfreuen? Arbeitnehmervertreter sagen: „Viele der Stellen, die Koch angeblich streichen will, sind gar nicht besetzt.“ In einzelnen Betrieben des 70.000-Mitarbeiter-Konzerns soll der Unterschied ein Viertel bis ein Drittel ausmachen. Koch, der auch Personalvorstand ist und die Details kennt, rechne alle Planstellen, die seit dem Einstellungsstopp vom 1. April 2013 durch Fluktuation frei wurden und unbesetzt blieben, in seine Abbaubilanz hinein. Statt 1250 rechnerische Vollzeitstellen, die offiziell wegfallen, könnten es nur gut 1000 sein.

Bilfinger beziffert die Differenz zwischen offiziellem und realem Jobverlust auf „unter zehn Prozent“. „Einen Stichtag musste man nehmen“, rechtfertigt ein Sprecher das Zahlenspiel. Betriebsräte hingegen sprechen von „Kapitalmarktpolitik“.

Auch wegen der verkündeten Einschnitte feiert die Börse Bilfinger. Die Aktien, in die der Neue bei seinem Start am 1. Juli 2011 rund 50.000 Euro investierte, notierten damals bei 68,27 Euro. Nun könnte Koch sie für 85 Euro verkaufen. Analysten wie Tobias Loskamp von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf und Ingbert Faust von der Frankfurter Investmentbank Equinet setzen sogar ein Ziel von 100 Euro.

Faust begründet das unter anderem mit erwarteten weiteren Verkäufen von Unternehmensteilen. So brachte der Verkauf der Concessions-Sparte Ende 2013 50 Millionen Euro Gewinn. Sie hielt von Bilfinger vorfinanzierte und betriebene öffentlich-private Immobilienverwaltungsprojekte.

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    Das Logo des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger an der Unternehmenszentrale in Mannheim. Quelle: dpa

    Vor allem aber die „Chance auf eine Umbewertung der Aktie“ treibe den Kurs, sagt Faust. Der endgültige Wechsel vom riskanten Bau- ins weniger volatile Servicesegment „sollte Bilfinger einen Kursbonus von 10 bis 20 Euro bringen, wenn erst einmal bei allen Investoren ankommt, dass Bilfinger kein Baukonzern mehr ist“. Viele hätten das noch nicht realisiert.

    Das Image wandelt sich nur langsam. Im Vorstand wurde deshalb 2013 angeblich diskutiert, den Abschied vom Bau radikaler voranzutreiben. Der damalige Chef der Industrieservicesparte BIS, Thomas Töpfer, soll dafür plädiert haben, die bereits auf gut eine Milliarde Euro Jahresumsatz verkleinerte Bausparte endgültig abzustoßen, berichtet ein Ex-Manager: „Die Frage war: Wie viel Bau verträgt die Börse?“ Vorläufig aber bleibe Construction „in der Familie“.

    Für eingepreist im Börsenkurs halten die Analysten dagegen Kochs Neustrukturierungs- und Sparprogramm – als sei der Erfolg garantiert. Ist er aber nicht.

    Betriebsräte warnen vor Gefahren und möglichen Fehlentwicklungen. Zwar halten sie Sozialplan und Interessenausgleich, die Koch vor Weihnachten mit dem Konzernbetriebsrat aushandelte und am 14. Januar unterschrieb, für weitgehend fair. Pro Jahr Zugehörigkeit bekommen die Beschäftigten je nach Alter bis zu 0,95 eines um Urlaubs- und Weihnachtsgeldanteil aufgestockten Monatsgehaltes. Wer jünger als 29 ist, bekommt 0,65 Prozent. Da es keinen Abfindungs-Höchstbetrag gibt, könnte das insgesamt 50 Millionen Euro kosten.

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