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Randstad-Chef Jacques van den Broek "Kritik an der Zeitarbeit ist paradox"

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Die Poleposition in Deutschland werden wir nicht freiwillig räumen"

Weil betroffene Arbeitnehmer es als unfair empfinden, auf Dauer Zeitarbeitskräfte zu bleiben und nicht in die Stammbelegschaft des entleihenden Unternehmens übernommen zu werden.

Jede Wirtschaft braucht aber gute Flexibilität. Ohne sie kann kein Land konkurrieren im Weltmarkt. Sonst werden Arbeitsplätze verschwinden. Wenn man die gute Flexibilität weiter einschränkt, wird es nicht mehr feste Arbeitsverhältnisse geben, sondern mehr schlechte Flexibilität.

Die größten Arbeitskräfteverleiher in Deutschland 2013

Sehen Sie noch die Chance, die Höchstüberlassungsdauer zu verhindern?

Ja, denn Brüssel steht der Zeitarbeit positiv gegenüber. Der zuständige EU-Kommissar Lazlo Andor hat uns geschrieben, er werde jetzt alle Länder mit unzulässigen Beschränkungen der Zeitarbeit fragen, warum sie die EU-Richtlinie von 2008 noch nicht umgesetzt haben. Die verbietet Einschränkungen der Zeitarbeit. Eine Begrenzung auf 18 Monate verstößt gegen den Geist dieser EU-Richtlinie. Uns vorzuschreiben, wie lange wir Mitarbeiter an einem Arbeitsplatz beschäftigen dürfen, ist ein Eingriff in unsere Vertragsfreiheit.

Würden Sie auf Grundlage der EU-Richtlinie gegen die Höchstüberlassung klagen?

Dazu wären wir bereit.

Werden Zeitarbeitsunternehmen versuchen, die Befristung zu umgehen – indem sie etwa Mitarbeiter zu eigenen Tochtergesellschaften verschieben und von da aus erneut zum selben Kunden vermitteln wie zuvor?

Für die Branche hoffe ich es nicht. Für Randstad kann ich sagen, dass wir uns daran nicht beteiligen und uns an die gesetzlichen Bestimmungen halten.

Aktien-Info Randstad. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Medienberichten zufolge beendet gerade Randstad aber bei der Telekom-Tochter T-Systems langfristige Zeitarbeitseinsätze – eine Randstad-Tochter schickt die Leute dann als Werkvertragskräfte erneut zu T-Systems. Kennen Sie den Vorgang?

Nein, den kenne ich nicht. Aber ich bin sicher, dass die Kollegen in Deutschland ihr Geschäft nach gültigen gesetzlichen Regelungen handhaben. Grundsätzlich steht Randstad nicht für Umgehungen von rechtlichen Vorgaben oder für Tricks wie Ketten-Arbeitnehmerüberlassung, Drehtüreffekt und Ähnliches zur Verfügung.

Bessere Tarifverträge und Branchenzuschläge haben die Zeitarbeit in Deutschland verteuert? Wer bezahlt das?

Dadurch steigt zwar unser Umsatz in Deutschland, unsere Marge jedoch nicht. Es kommt auf die Preisverhandlungen mit unseren Kunden an.

Randstad als Massenanbieter tritt in Deutschland auf der Stelle. Warum ist Adecco im margenstarken Geschäft mit Fachkräften besser als Sie?

Zunächst: Wir verstehen uns nicht als Massenanbieter, sondern als Full-Service-Anbieter. Adecco hat 2006 die DIS AG gekauft – für sehr viel Geld. Das fanden wir zu teuer. Aber DIS ist ein gutes Unternehmen. Deshalb hat Adecco zurzeit mehr Professionals und Spezialisten als wir. Derzeit hat Randstad Deutschland einen deutlich höheren Anteil an gewerblichen Mitarbeitern im Vergleich zu höher Qualifizierten wie kaufmännischen Mitarbeitern oder Ingenieuren. Aber auch hier weiten wir unsere Aktivitäten derzeit deutlich aus.

Warum Unternehmen Zeitarbeit einsetzen

Sie kommen mit der Dachmarke Randstad gegen die eigenständigen Marken von Adecco nicht an?

Das hat nichts mit der Marke zu tun. Andere Ländergesellschaften machen unter dem Namen Randstad ein gutes Geschäft im Professionals-Bereich. Dass Randstad als Unternehmen und Marke identisch ist, hilft uns bei Großkunden wie Philips und ThyssenKrupp, wo wir Komplettanbieter sind. Bei Adecco hingegen geht nicht die Gruppe zu den Kunden, sondern jedes einzelne Unternehmen.

Trotzdem greift Adecco-Deutschland-Chef Andreas Dinges Ihre Marktposition an. Dinges hat erklärt, er wolle Randstad von der Branchenspitze verdrängen. Was tun Sie dagegen?

Die Poleposition in Deutschland ist uns wichtig. Die werden wir nicht freiwillig räumen, sondern verteidigen, indem wir wachsen – insbesondere im Professionals-Bereich. Das müsste in der Tat schneller gehen. Deshalb haben wir für den Ingenieur- und IT-Bereich einen neuen Geschäftsführer in Deutschland eingestellt.

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