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Recup kooperiert mit Lieferando Essen zum Mitnehmen in Schüsseln zum Wiederverwenden

Lieferando-Kuriere liefern in Berlin das Essen künftig auf Wunsch in wiederverwendbaren Schüsseln von Recup. Quelle: Presse

Mehrwegverpackung trifft Essen to-go: Das Münchner Start-up Recup, Hersteller von wiederverwendbaren Essensboxen und Bechern, kooperiert künftig mit Lieferando, dem deutschen Marktführer für Online-Essensbestelldienste.

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Es ist eine Zusammenarbeit, die auf eine Verhaltensänderung abzielt: Mit ihrer nun startenden Kooperation wollen die Firmen Recup und Lieferando langfristig die Nutzer dazu bewegen, Essen nicht mehr in Einwegschalen zu bestellen, sondern ein umweltfreundlicheres Pfand-System mit Mehrwegschüsseln zu benutzen.

Die Rollen sind dabei klar verteilt: Recup wurde 2016 von den Studenten Fabian Eckert und Florian Pachaly nahe München gegründet; das Jungunternehmen bietet Mehrweg-Pfandbecher und, seit vergangenem Jahr, auch Mehrweg-Essensschalen an. Lieferando gehört seit 2014 zum niederländischen, börsennotierten Konzern Just Eat Takeaway (Umsatz 2020: 2,4 Milliarden Euro) und ist in Deutschland mit großem Abstand Marktführer für Online-Essensbestellungen. So betrachtet, kann die Zusammenarbeit durchaus als Coup für das kleine Recup eingestuft werden.

„Für uns ist das ein sehr großer Schritt“, sagt Recup-Mitgründer Pachaly der WirtschaftsWoche. Dass man das Pfandsystem nun im Take-away- und -Liefer-Markt verankere, berge „ein Riesenpotenzial“. Lieferando-Deutschland-Chefin Katharina Hauke erklärt: „Wir wollen ein Mehrwegsystem etablieren, das für alle Beteiligten möglichst nutzerfreundlich und praxistauglich funktioniert. Dies ist entscheidend für die Akzeptanz seitens Gastronomen und Verbrauchen, um eine massentaugliche Systemlösung zu etablieren.“

Essenslieferdienste boomen, verursachen aber jede Menge Verpackungsmüll. Die deutschen Start-ups Recup und Vytal wollen das Problem mit Mehrwegverpackungen lösen – und kämpfen dabei gegen die Bequemlichkeit der Nutzer.
von Stephan Knieps

Zunächst ist das Pilotprojekt nur auf 30 Restaurants in Berlin begrenzt, für die Dauer von drei Monaten. Kundinnen und Kunden in Berlin werden auf der Lieferando-Startseite von nun an jene Restaurants angezeigt, die beim Pfand-Projekt mitmachen. Wer bei jenen Restaurants ein Gericht bestellt, kann dazu noch die wiederverwendbare Bowl auswählen. Hierzu braucht man auch die App von Recup: Über diese erhält man pro Bestellung jeweils einen individuellen Pin, den man im Lieferando-Bestellvorgang eingibt. Die Bowl kostet zunächst nichts. Wer sie binnen 14 Tagen zurückgibt, bekommt das Pfand über die Recup-App wieder gutgeschrieben. Laut Recup gibt es in Deutschland 1750 Rückgabestellen für die Bowl. Wer die Schüssel nach zwei Wochen nicht zurückgegeben hat, muss sie für fünf Euro kaufen.

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    „Was uns vor allem interessiert: Wie hoch ist die Akzeptanz?“

    Die Lieferando-Kurierfahrer werden die Schüsseln zunächst nicht wieder entgegennehmen. Theoretisch wäre es natürlich denkbar, dass Nutzer innerhalb der zwei Wochen erneut über Lieferando bestellen und die benutzte Schüssel dem Fahrer bei der neuen Essenslieferung mitgeben. Aber, erklärt Lieferando-Chefin Katharina Hauke: Die Fahrer würden in der Regel nach einer Lieferung nicht wieder zum selben Restaurant zurückfahren, sondern meist ein anderes Restaurant anfahren, um eine neue Bestellung abzuholen. Und da die Zahl der teilnehmenden Restaurants zu Beginn sehr gering ist, sei auch die Wahrscheinlichkeit gering, dass das Restaurant, das der Kurierfahrer nach der Lieferung ansteuert, auch die benutzte Bowl entgegennimmt. „Wenn in Zukunft mehr Partnerrestaurants mitmachen, schließe ich diese Lösung perspektivisch nicht aus“, sagte Hauke.

    Es gehe zunächst darum, mit dem neuen Angebot Erfahrungen zu sammeln: Wie nehmen die Nutzerinnen und Nutzer das Pfandsystem an? Können die beiden Firmen eine Verhaltensänderung herbeiführen? Wie funktioniert die technische Integration der Bestellung? „Was uns vor allem interessiert: Wie hoch ist die Akzeptanz?“, formuliert Hauke ihre Erwartungen. „Unsere Restaurantpartner sind eigenständig. Wir können weder ihnen noch den Konsumenten vorschreiben, welche Verpackung sie nehmen. Wir können nur Angebote machen.“ Recup-Mitgründer Pachaly sagt, man wolle „am lebenden Objekt herausfinden, was noch besser werden könnte“.

    Viele Gastronomen warnen, sie stünden kurz vorm Ruin. Lieferdienst Lieferando hingegen floriert. Deutschland-Chefin Katharina Hauke über die Aufstockung der Kurierflotte und die Schwierigkeiten bei der Müllreduzierung.
    von Stephan Knieps

    Er betrachte Recup als „neutralen Partner“, aber auch als „Partner auf Augenhöhe, weil: Wir müssen beide herausfinden, wie es funktioniert.“ Mit dem finnischen Essens-Lieferdienst Wolt, seit Sommer 2020 in Deutschland aktiv, teste Recup auch bereits eine Zusammenarbeit – „aber in anderem Umfang und weniger intensiv“, sagt Pachaly. „Das Projekt mit Lieferando ist deutlich größer.“ Auch der Recup-Wettbewerber Vytal aus Köln hatte vergangenes Jahr mal etwas Vergleichbares versucht und auf die Lieferando-Plattform verlinkt; eine offizielle Partnerschaft habe es aber mit Vytal nicht gegeben, teilt Lieferando mit. Innerhalb des niederländischen Mutterkonzerns Just Eat Takeaway ist Lieferando in Deutschland einer der Vorreiter, was solch ein Projekt mit wiederverwendbarer Verpackung betrifft. Einzig die britische Unternehmung Just Eat startete vergangene Woche ein vergleichbares Projekt mit dem britischen Anbieter von Mehrwegverpackungen, Club Zero.

    Eine gewisse Dringlichkeit besteht bei dem Thema durchaus. Einerseits haben die Pandemie und die zwangsgeschlossenen Kantinen und Restaurants den Essenslieferdiensten einen enormen Schub beschert, der einen starken Anstieg an Verpackungsmüll zur Folge hatte. Andererseits schreibt eine Novelle des Verpackungsgesetzes nun erstmals eine Pflicht für Angebote von Mehrwegverpackungen im To-go-Bereich vor – allerdings erst ab 2023. Die bevorstehende gesetzliche Mehrwergpflicht sei „durchaus ein Beschleuniger für das Thema“, befindet Florian Pachaly. Bis die Pflicht greife, müsse man skalierbare Lösungen anbieten können.

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    Bislang kooperiert Recup zwar auch mit einigen namhaften Unternehmen, wie etwa der Tankstellenkette Aral. Der wiederverwendbare-Pfandbecher für den sprichwörtlichen Coffee-to-go ist allerdings noch weitaus verbreiteter. Mit dem Becher fing das Start-up auch an; die Bowl kam erst später. Recup gibt die Zahl der Rückgabestellen für die Becher in Deutschland mit mehr als 8700 an. Die Schüsseln produziert man gemeinsam mit dem mittelständischen Spritzguss-Hersteller Dihse aus Quickborn. Eine finanzielle Beteiligung Lieferandos an Recup stehe indes nicht zur Debatte: „Wir sind im Moment gut finanziert“, sagt Pachaly.

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