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Reedereien in der Krise Die deutsche Schifffahrt steht vor einem Schicksalsjahr

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"Wir zahlen jetzt für alle unsere Fehler in der Vergangenheit"

Die deutsche Handelsflotte ist um ein Viertel geschrumpft, meldet der Reederverband. „Es geht nur noch ums Überleben“, meinte der Hamburger Reeder Bernd Kortüm vor einiger Zeit im „Hamburger Abendblatt“.

Kortüm war ins Visier von Landespolitikern in Kiel und Hamburg geraten, weil die HSH Nordbank ihm einen bedingten Forderungsverzicht über mehr als eine halbe Milliarde Euro gewährte. Denn die Bank gehört den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein - und damit sind die Steuerzahler in der Pflicht. „Auch ich ärgere mich darüber, dass Schuldner ihre Schulden nicht zurückzahlen“, sagt die Kieler Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Der Forderungsverzicht ist nach Einschätzung von Experten jedoch für die Bank die günstigste Lösung; alle anderen Varianten wären für den Steuerzahler noch teurer. Öffentlich ist das für Politiker nur schwer zu vertreten.

Die Reeder haben hohe Millionenbeträge verloren, Verluste zum Teil aus ihrem Privatvermögen abgedeckt. Viele Anleger, die mit Schiffen Geld verdienen oder auch nur Steuern sparen wollten, haben einen Crash erlitten. Banken, in deren Büchern noch etliche Milliarden an Schiffskrediten stehen, müssen die Schiffswerte weiter abschreiben.

Die Bremer Landesbank etwa konnte das nur überleben, indem sie vollständig unter das Dach der NordLB schlüpfte. Die HSH Nordbank wurde entlastet, indem die Länder ihr die schlechtesten Kredite abnahmen. Ob das für einen erfolgreichen Verkauf des Instituts ausreicht, ist noch offen. Andernfalls wird die Bank abgewickelt.

„Wir zahlen jetzt alle für unsere Fehler in der Vergangenheit - Reeder, Anleger und Banken“, sagt Bertram Rickmers, der einen dreistelligen Millionenbetrag in sein Unternehmen gesteckt hat. Für das neue Jahr hat er wenig Zuversicht: „2017 wird noch nicht besser, aber 2018 könnte der Umschwung kommen.“ Spätestens 2020, wenn strengere Umweltregeln für Schiffe in Kraft treten, stehe eine Verschrottungswelle bevor.

Bis dahin erwartet der Hamburger Reeder Fusionen, Übernahmen, Kooperationen und Pleiten in den Reihen der Reederschaft. Die Rickmers-Gruppe habe noch bis Oktober den regulären Kapitaldienst geleistet. Nun liefen die Verhandlungen mit den Banken, wie der Sturm überstanden werden kann.

Die Preise für gebrauchte Schiffe sind auch deshalb so tief gefallen, weil technologisch hochwertige Modelle als Neubauten unglaublich günstig geworden sind. Asiens Werften stecken ebenfalls in der Krise und kämpfen - oft mit staatlicher Unterstützung - um jeden Auftrag.

Das macht es für die Banken und die Reeder nochmals schwieriger. Übertragen auf die Autobranche ist es so, als wenn ein gut ausgestatteter Mittelklasse-Mercedes zum Preis eines VW-Polo angeboten würde. Wer würde dann noch einen Gebrauchtwagen kaufen?

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