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Reisebüroverband-Vorsitzende Diese Frau warnte schon lange vor Thomas Cook – und beruhigt heute Condor-Kunden

Marija Linnhoff ist Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros. Quelle: PR

Die Insolvenz von Thomas Cook betrifft auch das deutsche Tochterunternehmen Condor. Marija Linnhoff, Vorsitzende eines Reisebüroverbands, über die „systemrelevante“ Fluglinie und warum Urlauber keine Angst haben müssen.

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Nach der Insolvenz des zweitgrößten Tourismuskonzerns Europas Thomas Cook hat das deutsche Tochterunternehmen Condor heute ein sogenanntes Schutzschirmverfahren angemeldet – ein auf den Fortbestand des Unternehmens ausgerichtetes Insolvenzverfahren. „Als profitables Unternehmen befreien wir uns mit dem Schutzschirmverfahren von möglichen Forderungen unserer englischen Konzernmutter Thomas Cook“, schreibt Condor. Zuvor hatte das Unternehmen einen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro von der Bundes- und der hessischen Landesregierung zugesichert bekommen.

Marija Linnhoff ist Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros. Von 2005 bis 2007 war sie selbst Franchise-Partnerin bei Thomas Cook – später stand sie gegen den Reiseriesen vor Gericht. Bereits im Februar dieses Jahres wies sie bei einem politischen Frühstück des Verbandes auf alarmierende Zahlen in der Bilanz von Thomas Cook hin. „Passt Ende September auf Thomas Cook auf“, habe sie gesagt. Ihrer Ansicht nach hat die Politik fahrlässig gehandelt. Die Tochtergesellschaft Condor zu stützen, sei hingegen Schadensbegrenzung und richtig gewesen. Im Interview spricht sie darüber, wie Reisebüros nun mit der ins Wanken geratenen Condor Flugdienst GmbH umgehen und über mögliche Konsequenzen für Condor-Kunden.

WirtschaftsWoche: Frau Linnhoff, welche Rolle spielt Condor in der deutschen Reisebranche?
Marija Linnhoff: Condor ist systemrelevant. Deshalb ist der Überbrückungskredit der Bundesregierung genau die richtige Entscheidung. Es gibt sehr viele Reiseveranstalter auf dem deutschen Markt, die mit Condor verbandelt sind, zum Beispiel Anbieter von Kreuzfahrten. Da bringt Condor die Leute zum Abreisehafen. Fielen diese Flüge weg, wäre das ein immenser Schaden. Insgesamt verkauft Condor 40 Prozent seiner verfügbaren Plätze an externe Anbieter. Nicht umsonst hat die Branche an die Bundesregierung appelliert, dem Unternehmen zu helfen.

Wie reagieren Sie, wenn verunsicherte Condor Kunden zu Ihnen kommen?
Zunächst einmal für Sicherheit sorgen. Aktuell ist gewährleistet, dass der Flugbetrieb weiter fortgesetzt werden kann. Das bedeutet, die Kunden müssen sich keine Sorgen machen, dass ihre Flüge möglicherweise nicht abheben. Vor allem wenn man schon gebucht hat, ist das kein Problem. Bei zukünftigen Buchungen muss man zwischen Einzelbuchungen und Pauschalreisen unterscheiden. Bei Pauschalreisen muss man sich überhaupt keine Sorgen machen, da man über den Veranstalter versichert ist. Im schlimmsten Fall ist er dazu verpflichtet, einen Ersatzflug zu beschaffen. Ich persönlich hätte auch keine Angst, jetzt einfach einen Flug bei Condor zu buchen – wer ganz sicher gehen möchte, sollte warten bis die Tinte unter dem von dem Unternehmen beantragten Schutzschirmverfahren getrocknet ist.

Bieten die Reisebüros ihres Verbands denn noch Condor-Flüge an?
Condor hat zu keinem Zeitpunkt den Verkauf eingestellt, wir können dort buchen und das werden wir auch weiterhin tun. Dabei werden wir die Kunden natürlich darauf hinweisen, dass sie mit Condor fliegen, ihnen aber auch sagen, dass sie deshalb keine Angst haben müssen. Denn Condor wird weiterhin wie gewohnt fliegen, da bin ich mir sicher.

Versuchen viele Kunden umzubuchen, die eine Reise mit Condor gebucht haben?
Nein, nicht in den Reisebüros. Ganz im Gegenteil, die Kunden haben viel Geld bezahlt, um mit Condor zu fliegen. Immerhin ist das ein sehr beliebter Reiseanbieter. Die freuen sich eigentlich alle, dass Condor weiterhin auf dem Markt ist. Wir haben auch keine Probleme durch Stornierungen von Condor-Reisen oder ähnlichem.

Fühlen sich die Reisebüros angemessen über das weitere Verfahren bei Condor informiert?
Ja, absolut. Man muss dazu sagen, dass Condor immer eine Sonderposition bei den Reisebüros hatte. Sie sind sehr beliebt, weil Geschäfte und Vereinbarungen immer tadellos eingehalten wurden. Jeder in der Branche wusste, dass Condor alleine nichts gegen die Entwicklungen im Mutterkonzern und deren Auswirkungen auf sie als Tochterunternehmen machen kann. Wir wussten, dass sie kämpfen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten – im Gegensatz zu Thomas Cook, die uns nicht immer gut und ausreichend informiert haben.

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