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Reisekonzern Thomas Cook will Airline-Geschäft verkaufen

Seit 1997 gehört Condor zu Thomas Cook. Quelle: dpa

Da sich Thomas Cook in Zukunft stärker auf seine eigenen Hotels konzentrieren will, möchte der Konzern seine Airline-Sparte in Teilen oder als Ganzes veräußern. Das könnte auch Auswirkungen auf die deutsche Condor haben.

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Die Neuordnung in der Luftfahrt schreitet voran: Der britische Reisekonzern Thomas Cook prüft den Verkauf seiner gut 100 Maschinen großen Flotte, zu der auch die deutsche Condor gehört. „Wir sind in einer frühen Phase einer strategischen Revision und werden alle Optionen prüfen“, erklärte Vorstandschef Peter Fankhauser am Donnerstag. Das schwächelnde Unternehmen braucht Geld, um es in hochpreisige Hotels und digitalen Vertrieb zu investieren. „Thomas Cook muss keine eigene Airline vollständig besitzen, um ein erfolgreiches Reiseunternehmen zu sein“, ergänzte der Konzernchef.

Vor wenigen Tagen ging der deutsche Charterflieger Germania Pleite, wodurch rund 30 Flugzeuge sofort am Boden blieben. Auch in die schleppenden Verhandlungen um die seit 2017 insolvente staatseigene italienische Alitalia kam zuletzt Bewegung. Die Lufthansa konkurriert unter anderem mit der US-Gesellschaft Delta um eine Übernahme.

Über einen Verkauf der Thomas Cook Airlines, deren Flotte von 103 Maschinen über Großbritannien, Deutschland, Skandinavien und Spanien verteilt ist, wird schon länger spekuliert. Sie konnte als Ertragsperle das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 129 Millionen Pfund steigern, bei einem Umsatz von 3,5 Milliarden Pfund. Aus Sicht des Konzerns wäre es Branchenkennern zufolge am besten, die Flotte als Gesamtpaket zu verkaufen. Die Airlines hätten zudem bessere Wachstumsmöglichkeiten, denn ihr Geschäft erfordert hohe Investitionen in neue Flugzeuge, die der Reisekonzern nicht stemmen könne. Thomas Cook hatte Ende 2018 knapp 1,6 Milliarden Pfund Nettoschulden, gut ein Fünftel mehr als vor Jahresfrist. Konkrete Verhandlungen mit Interessenten gebe es aber noch nicht, erklärte ein Insider. Airlines-Chef Christoph Debus sagte auf Anfrage, der Prozess werde einige Monate dauern. Mehrere Investmentbanken seien dazu beauftragt worden.

Ein Verkauf der gesamten Gruppe sei unwahrscheinlich, weil die Gruppe aus unterschiedlichen Flugbetrieben besteht, erklärte ein Branchenkenner. Condor ist mit 54 Maschinen im Einsatz die größte Marke. Vor drei Jahren wollte Lufthansa ihre ehemalige Tochter wieder übernehmen. Nach Informationen von Insidern wollte die Lufthansa aber nur einen symbolischen Preis zahlen. Die Flotte hat Erneuerungsbedarf.

Analysten von Credit Suisse schätzten den Wert von Thomas Cook Airlines auf 1,8 bis 3,2 Milliarden Pfund (3,6 Milliarden Euro). Die Luftfahrtexperten von Citi Research dagegen kamen nur auf umgerechnet gut 700 Millionen Euro. Potenzielle Käufer wären neben der Lufthansa der britisch-spanische Luftfahrtkonzern IAG sowie die großen Billigflieger Easyjet und Ryanair. Letzterer hatte kürzlich erklärt, nur nach kleinen Zukäufen Ausschau zu halten.

Die großen börsennotierten Reiseveranstalter Thomas Cook und neuerdings auch der Rivale TUI kämpfen mit sinkenden Gewinnen, weil der heiße Sommer 2018 die Nachfrage nach Fernreisen dämpfte und die Preise unter Druck brachte. Die reisefreudigen Briten halten sich mit Buchungen zurück, da mit dem Brexit-Chaos ihre Währung an Wert verliert. Gestiegene Preise für Unterkünfte in Spanien und auf den Kanarischen Inseln lenken Urlauber um zu weniger lukrativen Reisezielen wie die Türkei oder Ägypten.

Bei Thomas Cook kletterte der Umsatz im ersten Quartal um ein Prozent auf 1,66 Milliarden Pfund. Operativ verbuchte der Konzern aber einen Verlust von 60 Millionen Pfund. Im Winter legten die Buchungen zwar zu, aber die Preise sanken. In der Sommersaison erholen sich die Preise, aber die Buchungen liegen bisher zwölf Prozent unter Vorjahr. Thomas Cook hatte nach dem Gewinneinbruch 2018 Kapazitäten reduziert.

Auch der Thomas-Cook-Konkurrent TUI musste seine Gewinnprognose für das laufende Jahr am Mittwochabend einstampfen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen werde auf dem Niveau des Vorjahres von rund 1,18 Milliarden Euro erwartet und nicht um mindestens zehn Prozent wachsen, wie ursprünglich in Aussicht gestellt. Grund sind geringere Margen bei den Sommerbuchungen. TUI will deshalb Kosten senken und effizienter arbeiten.

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